Endlich ins Berghain kommen! Die Vorfreude war bei vielen groß, als bekannt wurde, dass der Techno-Tempel seine Pforten im September für jeden öffnet. Kein stundenlanges Anstehen mehr, bei dem man am Ende abgewiesen wird. Einfach ein Ticket kaufen, sich die Ausstellung "Studio Berlin" anschauen – und dabei einen Blick auf die legendären Dancefloors und in die Toiletten werfen. Aber leider ist es offenbar doch nicht so easy, wie erhofft.

Das Berghain hat ein wenig Glück. Während andere Berliner Clubs um ihre Existenz bangen müssen, weil sie wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb einstellen mussten, hat sich der legendäre Techno-Tempel einfach über Nacht umfunktioniert. Er ist jetzt quasi ein Museum – was nur deshalb in dieser Qualität und Dimension möglich war, weil die Club-Macher eng mit dem Sammler Boros befreundet sind. (Das Berghain feiert zum Beispiel jedes Jahr seinen Geburtstag in jenem Bunker, in dem sowohl die Boros Collection als auch das Penthouse des Mäzens untergebracht sind.)

Von links: Juliet Kothe, Karen und Christian Boros, die die "Studio Berlin"-Ausstellung im Berghain organisiert haben

Dass das Berghain seit dem 9. September also die Ausstellung "Studio Berlin" zeigt – mit Werken von 117 Künstler*innen, darunter auch internationale Hochkaräter*innen – rettet also eventuell nicht nur den Club samt einem Großteil der Belegschaft (die jetzt nämlich durch die Ausstellung führt), sondern öffnet jene sagenumwobene Institution auch einem größeren Publikum.

Szene-Insider und dogmatische Berghainis mögen dies kritisieren (der übliche Vorwurf des Ausverkaufs), aber es ist natürlich – das muss auch gesagt werden – etwas anderes, ob man bei Lichte und in aller Ordnung durch die Heiligen Hallen läuft und sich Kunst anschaut, oder ob man sich dort durch eine Club-Nacht schwitzt – mit allem oft beschworenen, besungenen und beschriebenen "Sex, Drugs and Rock'n'Roll"-Pipapo. Vielleicht geht also doch nicht allzu viel verloren – falls das Berghain irgendwann wirklich seinen Ursprungs-Betrieb wieder aufnehmen darf.

Außerdem ist Fotografieren und Filmen auch in der Kunst-Schau strengstens verboten: Die Handykameras werden beim Betreten vorsorglich zugeklebt – so wie bei einer normalen Berghain-Party. Und die Darkrooms gibt's übrigens doch nicht zu sehen, die seien, so kolportiert der "Spiegel", laut den Ausstellungs-Machern "geschützte Räume".

Teil der "Studio Berlin"-Ausstellung im Berghain: das "Morgen ist die Frage"-Transparent des thailändischen Künstlers Rirkrit Tiravanija an der Gebäudefassade

Das Problem an der Ausstellung "Studio Berlin" ist: Man kommt erst mal doch nicht mehr rein. Und zwar nicht etwa, weil man wider Erwarten an der Türe abgewiesen wird – auch wenn gerade die Anekdote die Runde macht, dass dies einem Journalisten, der extra für den Pressetermin eingeflogen war, tatsächlich passiert sein soll. Sondern schlicht und einfach, weil es keine Tickets mehr gibt! Wie so oft in Zeiten von Corona muss man sich nämlich online anmelden. Und auf der "Studio Berlin"-Website sieht man schnell, dass alle Slots bereits vergeben sind.

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Der komplette September ist also schon dicht. Das bestätigte uns das Berghain auch auf unsere Anfrage hin. "Wir haben einen Plan ausgearbeitet, unsere Hygieneregeln und unsere Besucherplanung betreffend, an den wir uns halten müssen", so ein Mitarbeiter gegenüber NOIZZ. " Und: "Wann wieder Plätze verfügbar sein werden, wissen wir leider auch nicht." Das Berghain empfiehlt, regelmäßig auf die Veranstaltungs-Website zu schauen. (Darauf wären wir auch gekommen ...) Selbst Journalist*innen können sich die Ausstellung zur Zeit nicht anschauen, dazu sei die Nachfrage aktuell zu groß.

Berghain-Ausstellung "Studio Berlin": Wie gut ist die Ausstellung im ruhig gestellten Techno-Tempel?

Zum Glück sind doch noch ein paar Kolleg*innen hineingekommen und haben beschrieben, was drinnen vor sich geht. Das Hypebeast-Magazin "Highsnobiety" resümiert zum Beispiel: Die Ausstellung sei "manchmal konzeptionell ein wenig durcheinander und visuell zusammenhangslos", was man auf die geringe Vorlaufzeit zurückführt. "Dennoch übt die strenge Industriearchitektur einen galvanisierenden Effekt auf die vielen und extrem unterschiedlichen Arbeiten aus." Ein Kunstwerk hängt in einer so dunklen Ecke, dass man es nur mit Hilfe der Handy-Taschenlampe richtig anschauen kann. Ein anderes sieht man nur extrem schlecht, da es viel zu hoch hängt.

"Es ist eine Herausforderung und vielleicht auch sinnlos, zu versuchen, eine Botschaft zu finden, die alles vereint", schreibt die "Highsnobiety"-Rezensentin. "Jedenfalls abseits des Faktums, dass jeder das Berghain liebt und wir in unsicheren Zeiten leben."

Teil der "Studio Berlin"-Ausstellung im Berghain: die Skulptur "LOVE" von Dirk Bell vor dem Gebäude

"Deutschlandfunk Kultur" schreibt: "Viele Arbeiten werden von der wuchtigen Industriearchitektur erdrückt, andere sind durchaus beeindruckend und wirken fast schon wie für das Berghain gemacht." Und am Schluss: "... ganz ohne schwitzende Körper und Musik ist der Club doch etwas blutleer." Das "Handelsblatt" ist da überschwänglicher: "Die Mischung könnte kontrastreicher nicht sein. Sie entfaltet in diesem Rundgang eine geradezu überwältigende Wirkkraft." Und der "Spiegel" ließ es sich nicht nehmen, zu titeln: "Aufblasbarer Penis und Syphilis-Skulpturen".

In Anbetracht des strengen Kameraverbots gibt es bislang natürlich noch so gut wie keine Bilder auf Social Media. Ein paar sind aber doch schon aufgetaucht:

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Vor allem die personalisierten Eintritts-Armbänder (es steht der Vorname des*der Besucher*in drauf) werden gerne bei Instagram gepostet:

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Und natürlich das Gebäude von außen – mit dem tollen Transparent des thailändischen Aktionskünstlers Rirkrit Tiravanija:

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Manche der Kunstwerke waren schon einmal anderswo zu sehen, sodass es wenigstens Fotos von ihnen gibt:

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Übrigens: Schauspiel-Star Keanu Reeves hat's in die Kunst-Schau geschafft! Er tauchte am Eröffnungsabend gegen 18.30 Uhr auf dem Gelände auf, gemeinsam mit seiner Freundin Alexandra Grant und ganz ohne Security. Mit dabei waren laut "B.Z." nur ein paar Freunde aus seinem Film-Team; er ist seit Mitte Juni in Berlin und dreht hier den vierten "Matrix"-Teil (der allerdings erst im April 2022 in die Kinos kommen soll). Im Juli hatte er sich bereits die Sammlung Boros angeschaut und sich also quasi auf "Studio Berlin" eingestimmt.

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Bei Reeves hätten wir übrigens keine Angst, dass er nicht auch an einem normalen Club-Abend ins Berghain kommt. Er müsste dafür nur sein "Matrix"-Outfit anziehen.

Update [16. September 2020]

Wie die Boros Foundation auf seinem Instagram-Kanal mitteilte, wird die Ausstellung voraussichtlich bis Dezember 2020 im Berghain zu sehen sein. "Wir hoffen, dass wir jeden früher oder später mit einem Slot dienen können."

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ml

  • Quelle:
  • Noizz.de