Eine einzige gute Figur wird ein ganzes Filmimperium nicht retten.

Jared Leto soll seinen großen Auftritt bekommen: Das in der Regel gut informierte Branchenblatt „Variety“ berichtet, dass der Schauspieler erneut den Joker aus dem Batmankosmos in einem eigenen Film verkörpern wird. Obwohl es sich um eine der beliebtesten Comicfiguren überhaupt handelt, werden die Jubelstürme der Fans wohl ausbleiben.

Die geringe Vorfreude liegt weniger daran, dass Leto starke Vorgänger hatte. Jack Nicholson und Heath Ledger gingen mit ihrer Darstellung des irren Gegenspielers von Batman in die Filmgeschichte ein. Das Problem liegt darin, dass die Figur in einem Filmkosmos steckt, der vermutlich nicht mehr zu retten ist.

Als Gegenstück zum extrem erfolgreichen „Marvel Cinematic Universe“ entwickelte Warner das „DC Extended Universe“ mit Helden wie Superman, Batman oder Wonder Woman. Leto erhielt seinen ersten Auftritt als Joker in „Suicide Squad“, in der eine Reihe von Bösewichten eingeführt wurden.

Während Marvel von einem Kassenschlager zum nächsten rennt, blieben die DC-Streifen finanziell, aber noch vielmehr künstlerisch, hinter den Erwartungen zurück: Nach „Batman vs. Superman“ ärgerte sich selbst Warner-Chef Kevin Tsujihara darüber, der Film habe der Marke geschadet.

Leto’s Debüt in „Suicide Squad“ verlief dagegen noch katastrophaler: Ging man zunächst davon aus, der Joker habe eine Schlüsselrolle in dem Film inne, wurde aus ihm in der Endfassung eine nahezu überflüssige Nebenrolle. Leto war angeblich selbst von seinen wenigen Szenen in der Endfassung überrascht. Gedankt wurde es ihm mit der Nominierung als schlechtester Nebendarsteller für die Goldene Himbeere.

Das Problem bei der Planung eines solchen Riesenkosmos, der dutzende Filme hervorbringen soll, ist offensichtlich: Sind erst einmal Fehler in Handlung und Besetzung gemacht, ist es kaum möglich, sie wieder zu korrigieren. „Suicide Squad“ ruinierte den Einstand zahlreicher Bösewichte. Batman Ben Affleck und Superman Henry Cavill liefern bisher in besseren Momenten maximal Durchschnitt ab. Da hilft es kaum, dass Gal Gadot als Wonder Woman ein echter Lichtblick ist – und in einer weiblichen Hauptrolle einen Film lieferte, den der Konkurrent Marvel so noch nicht gedreht hat.

Dass der DC-Kosmos in Zukunft die Kurve kriegt, scheint unwahrscheinlich. Eine gute Wonder Woman wird zahlreiche Enttäuschungen nicht retten können. Auch Warner scheint inzwischen über Alternativen nachzudenken. Der Filmriese soll bereits einen weiteren Jokerfilm mit Regisseur Todd Philipps und Joaquin Phoenix in der Rolle des wahnsinnigen Clowns planen, der nicht im DC-Kosmos spielen soll.

Quelle: Noizz.de