Die Macher haben vielleicht ein bisschen zu viel GTA V gezockt.

Lange Zeit war "Bad Boys – Harte Jungs" einer der wenigen Filme, die mein Vater und ich uns gemeinsam anschauen konnten. Die Action-Komödie mit Will Smith als Cop Mike Lowrey und Martin Lawrence als sein Partner Marcus Burnett in den Hauptrollen, hatte immer die richtige Mischung aus Spannung, Thrill und jede Menge Witz – und als Kids der 90er Jahre war ich dem "Prinz von Bel Air" ohnehin verfallen.

Eine Reunion dieses "Bad Boys"-Erlebnisses hatten mein Vater und ich, als ich ihn dazu überreden konnte, sich mit mir die kongeniale Polizisten-Film-Parodie "Hot Fuzz" von Simon Pegg anzuschauen. Da lebt – im wahrsten Sinne des Wortes – der etwas korpulentere Nick Frost "Bad Boys II" nach. Mit allem was dazu gehört. Nun also kommt nach mehr als 16 Jahren, ich wiederhole, 16 Jahren nach Teil zwei und weiteren neun Jahren Abstand zu Teil eins, "Bad Boys – Harte Jungs", ein dritter Teil um die beiden Kult-Polizisten ins Kino.

Hier kannst du dir schon mal mit dem Trailer zu "Bad Boys For Life" einen kleinen Vorgeschmack holen:

Natürlich bin ich bei angekündigten Fortsetzung skeptisch, insbesondere nach so einer langen Pause. Zu viele hätte man sich sparen können, zu viele machen die Story einfach nur kaputt. Um es gleich zu sagen: diese Angst ist bei "Bad Boys For Life" vollkommen unberechtigt. Wenn es irgendeinen Fortzsetzungs-Etat in Hollywood gibt, dieser eine Streifen ist der, auf den die Blockbusterfabrik auf keinen Fall hätte verzichten dürfen. Nichtmals in irgendeiner Parallelwelt.

Die beiden bösen Jungs sind natürlich älter geworden, aber hey – noch immer "Bad Boys For Life". Und ja der Ohrwurm des Inner-Circle-Klassikers wird dich nicht mehr los lassen. Im Vorfeld war die Aufregung groß. Lag vielleicht auch an Will Smith selbst, der es natürlich verstand, das Comeback auf Social Media bestens zu inszenieren. Er zeigte das Drehbuch, führte ums Set herum und so weiter.

Mit dem Alter kommen auf die Chaos-Polizisten aber natürlich auch andere Probleme hinzu: Während Mike den Adrenalin-Kick sucht, will Marcus sich so langsam zur Ruhe setzen. Die Entfremdung und Freundschaft der beiden Partner wird zum Motor der Handlung. Die Kurzfassung eben jener klingt allerdings erstmal nach jeder Menge Klischee: Mike und Marcus, die noch immer für die Drogenfahndung der Miami State Police arbeiten, müssen sich nach 17 Jahren erneut zusammentun, um sich einem Fall aus der Vergangenheit zu stellen. Die Unterstützung bekommen sie dabei von einem Team junger Polizisten.

ACHTUNG: SPOILER!

Der scheinbar langweilige und vorhersehbare Plot sollte euch aber nicht davon abhalten, ins Kino zu pilgern. Wenn sich Mike und Marcus zum wirklich allerletzten Male aufmachen, um noch einmal Verbrecher zu jagen, wird es nicht nur gewohnt schlagfertig und witzig, sondern auch ziemlich überraschend.

Sobald die Sonnenbrille sitzt, macht das Duo gleich klar, womit wir es zu tun haben. In rasanten Dialogen werden erstmal alle Themenschwerpunkte abgegrast: Das N-Wort fällt, Will Smith entert mit dem Porsche erstmal den Privatstrand betuchter Miami-Residents mit den Worten: "Sorry ihr weißen Reichen, wir sind aber nicht nur Schwarze, sondern auch Polizisten!" Und zur Verbrecherjagd geht es diesmal nicht ins lokale Ganggeschäft, sondern nach Mexiko. Denn wo sonst findet man die richtig großen Gangster-Fische?

Eben. Was erstmal wie der feuchte Traum von Trump klingt, entpuppt sich als durchaus interessanter Fall: Eine frisch aus dem Gefängnis befreite Drogenboss-Witwe will Rache an den Männern nehmen, die ihren Mann ins Gefängnis gebracht haben, wo er schließlich gestorben ist. Darunter auch Mike. Den Killing-Job soll aber bitte ihr Sohn übernehmen. Eine Frau macht sich die Hände nicht schmutzig. Was Mike damit genau zu tun hat, offenbart sich erst später. Spoiler: Mike erlebt einen waschechten "Star Wars"-Moment. Da erfährt der berühmt-berüchtigte Satz "Ich bin dein Vater" eine völlig neue Dimension.

Einer nach Rache lüsternen Drogenkartell-Chefin den Gar aus zu machen, ist bei zwei Cops, die 25 Dienstjahre hinter sich haben, natürlich nicht ganz so einfach. Vor allem, wenn die eine Hälfte überlegt in den Ruhestand zu gehen. Deswegen bekommen Mike und Marcus diesmal Unterstützung von einem Team junger Nachwuchs-Cops. Mit Drohnen und IT-Hacker versteht sich. Unter ihnen auch Kelly, gespielt von Vanessa Hudgens, die hier endlich mal wieder zeigen kann, dass sie tatsächlich Talent hat. Hätte man bei ihren vergangenen Netflix-Weihnachtsfilmen fast vergessen könne.

Das Hilfsteam Foto: Sony Pictures Entertainment

Klar, "Bad Boys for Life" ist kein tiefsinniger und intellektuell wahnsinnig anspruchsvoller Film. Aber er ist einer der amüsantesten, kurzweiligsten Blockbuster, die ich seit Langem im Kino gesehen habe. An der ein oder anderen Stelle übertreiben die Macher natürlich, aber das kann man entweder als selbstironisches Spiel mit dem Genre werten, oder als Verkaufsmasche hinnehmen.

Die finale Endkampfszene ist wohlmöglich etwas zu episch ausgefallen. Und wenn die Pumpgun aus dem Heli heraus versucht, Will Smith den Gar aus zu machen, kommt man sich ein bisschen wie in einer VR-Version von GTA V vor, aber das ist schon okay. Noch gerade so vertretbar. Nachdem ich den Film gesehen hatte und aus dem Kino ging, konnte ich nicht anders, als meinem Vater bei WhatsApp eine Nachricht zu schreiben: "Bad Boys 3 wird dir richtig gut gefallen" – seine Antwort: ein Polizeit-Auto-Emoji. In diesem Sinne: Bad Boys For Life!

"Bad Boys for Life" mit Will Smith und Martin Lawrence kannst du dir ab sofort im Kino anschauen – wer kann, am besten im O-Ton.

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Quelle: Noizz.de