Der ProSieben-Film basiert auf Eric Stehfests autobiografischer Drogenbeichte, die bereits als Buch erschienen ist. Mehr als zehn Jahre lang war der EX-GZSZ-Star süchtig nach Crystal Meth. Wir haben mit Jannik Schümann, der Stehfest in dem Film spielen darf, darüber gesprochen, wie es ist, so tief in das Leben eines anderen einzutauchen.

"Wenn ich es nehme, fühle ich mich wie Jesus und Terminator gleichzeitig" – so beschreibt Eric Stehfest das Gefühl, wenn er Crystal Meth genommen hat. Meth ist eine Droge, die unserer heutigen Gesellschaft eigentlich ziemlich entgegenkommt: Sie macht dich leistungsfähiger und resoluter – aber sie zieht schneller und tiefer in die Sucht als viele andere Drogen. Die Geschichte dieses Teufelskreises erzählt nun der Film "9 Tage wach", der auf Eric Stehfest Leben basiert.

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Mit der RTL-Daily-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wurde er zwischen 2014 und 2019 zum TV-Star. Erst vor gut drei Jahren traute er sich, seine Crystal-Meth-Vergangenheit als Jugendlicher öffentlich zu machen. Seinen ersten Meth-Rausch hatte er, da war er gerade einmal 14 Jahre alt. Es war der Beginn einer Drogensucht, die mehr als zehn Jahre andauern sollte. Mittlerweile ist Stehfest clean und hat seinen Kampf in einem Buch festgehalten, auf dem auch der Film basiert.

Der Trailer zu "9 Tage wach":

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Der Titel "9 Tage wach" fängt für ihn ein Schlüsselereignis in seinem Leben ein: Es war sein längster Meth-Rausch, den er fast nicht überlebte. "Alles war voller Müll, in der Küche lagen zwei tote Tiere und ich hatte meine große Liebe verloren. Ich war abgemagert und habe es nicht hingekriegt zu weinen", beschreibt er seinen Tiefpunkt.

Im Film als auch im wahren Leben wächst Stehfest, geboren in Dresden, bei seiner Mutter (im Film: Heike Makatsch) und seinem Stiefvater (im Film: Benno Führmann) in einer sächsischen Kleinstadt auf. Eric ist ein echter Problemjunge: Er klaut, feiert Nächte lang in Electro-Clubs und nimmt eben Meth. Alles ändert sich scheinbar, als er sich in Anja (im Film: Peri Baumeister) verliebt. Für sie will er clean werden, geht im Rahmen seiner Schauspielausbildung nach Berlin mit ihr. Er scheint sein Leben langsam in den Griff zu kriegen – bis Anja ihm das Herz bricht.

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Bei einer ProSieben-Eigenfilmproduktionen kann man schon mal skeptisch sein, ob sie nicht ein bisschen platt geraten sind, nicht aber bei "9 Tage wach". Packend und eindringlich erzählt der Film diesen Ausschnitt aus Stehfests Leben, der so dramatisch ist, dass es schwer fällt ihn für wahr zu halten. Aber genauso ist es passiert. Jannik Schümann spielt Eric dabei so glaubwürdig, dass man fast glauben könnte, er sei selbst Stehfest gewesen. Und anders als bei "Breaking Bad" erleben wir hier noch eindringlicher, wie es ist, auf der hoffnungslos erscheinenden Seite der Süchtigen zu sein.

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Szene aus "9 Tage wach"

Regisseur Damian John Harper wurde bei der Entwicklung und Umsetzung von Eric Stehfest unterstützt. Mit seiner schonungslosen Drogenbeichte wollte er sich nicht nur selbst den Frust von der Seele schreiben, sondern vor allem anderen helfen. Deswegen ist ihm der Film auch so wichtig. Es ist ein Abschluss für ihn von seinem früheren Leben. Alleine in Sachsen haben zwei Prozent aller 18- bis 64-Jährigen schon einmal Meth konsumiert. In NRW sind es nur 0,3. Stehfest will aufklären und geht dafür in Schulen und spricht mit Jugendlichen.

"Mir war es wahnsinnig wichtig, dass wir einen schonungslos wahrhaftigen Film entwickeln, der die Menschen in ihren Abgründen abholt und tief berührt. Meine Biografie steht für Millionen andere Biografien. Man hätte den Namen Eric im Film auch austauschen können", erklärt er. Umso schwieriger dürfte es da wohl für für Jannik Schümann gewesen sein, in diese Rolle zu schlüpfen. "Als ich mich dann das erste Mal im Spiegel sah, fragte ich mich: 'Wer ist das?'", erinnert sich der Schauspieler zurück, so verblüffend war die Arbeit der Maskenbilder, aber auch seine eigene Annäherung an die Rolle. Wir haben mit Schümann über diesen Prozess gesprochen.

"Ich wurde komplett ins kalte Wasser geworfen" – Lest hier unser Interview mit Jannik Schümann:

NOIZZ: Was war für dich die größte Herausforderung bei der Rolle? Ist es nicht seltsam in das Leben eines anderen Menschen so tief einzutauchen?

Jannik Schümann: Für mich als stolze Drogenjungfrau war es eine riesige Herausforderung einen Crystal-Meth-Abhängigen zu spielen. Ich hatte Angst, dass es wie eine Karikatur wirkt und die Leute mir die Sucht nicht abnehmen. Gleichzeitig ist genau dies aber auch die Besonderheit meines Berufes, dass ich in Charaktere schlüpfen kann, die mit mir persönlich sehr wenig gemeinsam haben.

Du hast Eric Stehfest auch kennengelernt – wie war eure erste Begegnung?

Jannik Schümann: Eric und ich haben uns in einem Café in Berlin getroffen. Er war von Anfang an wahnsinnig offen und bereit mit mir diese Reise anzugehen. Ich durfte ihm alle Fragen stellen, die sich während meiner Vorbereitung angestaut haben. So habe ich einen noch tieferen Einblick in sein Leben erhalten, als das Drehbuch und sein Roman mir bieten konnten.

Die Ähnlichkeit zwischen Eric Stehfest und Jannik Schümann (r.) ist nicht von der Hand zu weisen.

Hattest du vielleicht auch Sorgen, dass er sagen könnte: 'Nee, der Jannik kann auf keinen Fall mich spielen!'?

Jannik Schümann: Davor hatte ich sogar große Angst. Zum Glück war er mit der Besetzung zufrieden. Das hat mir viel Ruhe gegeben!

Was hat dich an seiner Geschichte am meisten beeindruck?

Jannik Schümann: Eric ist ein Stehaufmännchen! Er hat es geschafft von einer so harten Droge, nach einer so langen Abhängigkeit, runterzukommen und clean zu werden. Seine Geschichte macht wirklich Mut!

Wie hast du dich sonst vorbereitet?

Jannik Schümann: Ich habe sehr intensiv mit einem Schauspielcoach aus Berlin, Jens Roth, zusammengearbeitet. Durch diese Arbeit bin ich der Körperlichkeit von Eric sehr viel nähergekommen.

Gab es irgendeinen Moment bei den Dreharbeiten, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Jannik Schümann: Die erste Szene am allerersten Drehtag war eine der absoluten Schlüsselszenen, in der Eric wahnsinnig drauf ist und schon viele Tage nicht geschlafen hat. Davor hatte ich den größten Respekt, weil ich die Rolle ja noch gar nicht wirklich gefunden habe, wie nach den ersten Drehtagen. Ich wurde also komplett ins kalte Wasser geworfen.

Szene aus "9 Tage wach"

Im Film dreht sich ein ganzes Leben nur um Meth – durch Serien wie "Breaking Bad" kennen zwar viele die Schattenseiten und Abgründe der Droge, sie hat aber auch ein Bad-Ass- und Thriller-Image bekommen. Wie findest du den Umgang damit in unserer Gesellschaft? Ist es eher ein Tabu oder meinst du, wir reden schon offen genug darüber?

Jannik Schümann: Es ist wichtig noch viel offener über die Droge zu reden. Genau dafür haben wir auch den Film gedreht, beziehungsweise dafür hat Eric das Buch geschrieben. Er möchte damit aufklären, aber auch Mut machen. Denjenigen, die es noch nicht geschafft haben von der Droge wegzukommen!

"9 Tage wach" sowie die anschließende Dokumentation “Dropout – die Doku mit Eric Stehfest“ kannst du am Sonntag, 15. März 2020, ab 20:15 Uhr auf ProSieben und Joyn sehen.

Betroffene finden Hilfe auf der Seite www.breaking-meth.de – dort findet ihr auch Adressen für den Notfall und anderen Hilfsangeboten.

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  • Quelle:
  • Noizz.de