Dürfen wir "Tatsächlich … Liebe" überhaupt noch gucken?

Im Folgenden werden Christmas-Klassiker auf ihre sexistischen Anteile untersucht – aber nicht, um sie als ungenießbar darzustellen – sondern, um zu zeigen, wo Sexismus überall steckt und zu einem festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden ist.

"Ja, darf man sich denn gar nichts mehr anschauen?", so womöglich die größte Kritik an einem Ranking, das deine Lieblings-Weihnachtsfilme als das entblößt, was sie sind: Produkte einer Industrie, die geprägt ist von Stereotypen und Vorurteilen.

Dabei geht es in diesem Ranking eigentlich darum, das Bewusstsein für Sexismus zu schärfen. Die Filme, die hier aufgelistet werden, stammen aus verschiedenen Zeiten und Genres, deswegen ist es offensichtlich, dass Filme aus den 1950ern noch stärkere Rollenbilder vertreten als ein Film aus dem 21. Jahrhundert. Trotzdem kann man altmodische Filme nicht aus Rücksicht auf ihre Entstehungszeit ausschließen, weil sie dennoch sexistische Elemente zeigen, die der Zuschauer erkennen können muss.

Die typischen Frauenrollen in Weihnachtsfilmen: die sorgende Mutter oder die nach Liebe suchende junge Frau. Die typischen Männerrollen in Weihnachtsfilmen: der genervte Vater oder der tapfere Sohn. Ermüdend, wenn Geschlechter immer wieder auf dieselben Attribute reduziert werden.

Amerika ist für diese Wohlfühl-Weihnachtsfilme der Super-Exporteur. Die Produktionsfirmen Hallmark und Lifetime machen jedes Jahr einen neuen Weihnachtsfilm, der direkt im Fernseher landet und mit dem der erste Hauch von Frühling sein jähes Ende findet. Wenn diese Filme Teil des Rankings wären, würde es gar kein Ende mehr finden, wie schon das US-Magazin "Upworthy" recherchierte. Die laufen alle nach demselben Schema ab: Karriere-Frau findet ihr Glück in der Wärme einer hausfraulichen Heimat, im Deko-Wahnsinn und einem Back-Marathon.

Zum Glück gibt es auch Weihnachtsfilme, die ganz gut die Kurve bekommen. Mit einem Positiv-Beispiel geht das Ranking los – danach geht es nur noch bergab.

9. "Das Wunder von Manhattan" (1994)

Die Story: Kris Kringle wird zufällig zum Kaufhaus-Weihnachtsmann. Irgendwann denken alle, er sei der richtige Weihnachtsmann, außer Susan, die Tochter von Kringles Chefin. Durch einen dummen Umstand wird Kris verhaftet und muss beweisen, dass er wirklich der Weihnachtsmann ist. Damit der Mann nicht im Gefängnis landet, findet ein Gerichtsprozess statt, um zu bestimmen, ob er wirklich der Weihnachtsmann ist.

Ganz nebenbei verlieben sich Kringles Chefin und Kringles Anwalt. Wie in so vielen Filmen geht es auch hier irgendwie darum, dass eine Frau einen Mann findet – doch eigentlich wird hier alles richtig gemacht.

Der Sexismus: Kringles Chefin geht es gar nicht ums Heiraten, als sie Kringles Anwalt kennenlernt. Sie ist Karrierefrau und Mutter zugleich, und niemand wird auf ein Geschlecht reduziert. Es ist einfach nur ein süßer Weihnachtsfilm, in dem alle lernen, an den Weihnachtsmann zu glauben. Die Männer und die Frauen sind gleichermaßen intelligent und haben aktive, handlungsentscheidende Rollen.

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"Das Wunder von Manhattan" ist also ein relativ Sexismus-freier Weihnachtsfilm. Leider kann man das nicht von vielen Weihnachtsfilmen behaupten.

8. "Buddy – Der Weihnachtself" (2003)

Die Story: Buddy ist mit Elfen beim Weihnachtsmann aufgewachsen. Irgendwann findet er heraus, dass er gar kein richtiger Elf ist und reist nach New York, um seinen wahren Vater zu finden.

Der Sexismus: Irgendwann landet Buddy einen Job im Kaufhaus, wo er die hübsche junge Jovie kennenlernt. Obwohl sie ziemlich gemein zu ihm ist, ist er von ihr fasziniert. In einer Szene folgt er ihr ins Frauenbadezimmer, während sie nackt unter der Dusche steht. Dort hört er ihr dabei zu, wie sie das Lied "Baby It’s Cold Outside" singt – ein Song, der heute mittlerweile als "Date Rape"-Song umstritten ist.

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Er lässt ihr keine Privatsphäre, und die Frau spielt in dem ganzen Film nur ein Objekt der Begierde für Elf. Die andere "größere" Frauenrolle (alle Hauptrollen sind Männer) ist nur Buddys Stiefmutter, deren größtes Charakter-Attribut "Mutter" ist. Buddys Vater ist ein genervter, Karriere-getriebener Geschäftsmann.

7. "Tatsächlich … Liebe" (2003)

Die Story: Ganz viele verzwickte Liebesgeschichten finden statt. Unter anderem zwischen dem Premierminister David und seiner Mitarbeiterin Natalie.

Der Sexismus: David lässt Natalie einen Abend länger im Büro bleiben und stellt ihr unangenehme Fragen über ihren Wohnort mit der Begründung, man müsse sich besser kennenlernen, wenn sie so nah zusammenarbeiten würden. Im selben Gespräch fragt er sie über ihren Beziehungsstatus aus. Da Natalie von ihm als ihr Chef abhängig ist, besteht zwischen den beiden ein Machtgefälle. Dass das unangebrachtes Verhalten für einen Chef gegenüber seiner Mitarbeiterin ist, spielt im Film keine Rolle.

Irgendwann lässt David Natalie in eine andere Abteilung verschieben, weil seine wachsenden Gefühle ihr gegenüber ihn ablenken. Am Ende des Films will er sie dann doch und versucht, ihr Zuhause zu finden.

Ach ja, und nicht zu vergessen – Natalie muss sich auch noch fatshamen lassen von Davids Sekretärin, die Natalie auf ihr Äußeres reduziert und sie "the chubby one" nennt. Mal davon abgesehen, dass es eh keine Rolle spielt, wie sie aussieht, ist Natalie in dem Film eine gesunde Frau mit absolut durchschnittlicher Körperstatur.

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6. "Kevin – Allein zu Haus" (1990)

Die Story: Kevins Familie fliegt zu Weihnachten nach Paris und vergisst Kevin zu Hause. Der versucht, alleine klarzukommen und schützt das Haus vor Eindringlingen, bis seine Mutter ihn abholen kommt.

Der Sexismus: Während die Familie im Flugzeug ohne Kevin sitzt, schläft der Vater seelenruhig, während die zunehmend hysterische Mutter merkt, dass ihr Sohn fehlt. Die ganze Familie darf den Urlaub in Paris genießen, und sie muss schließlich zurückfahren, um ihren Sohn abzuholen. Beim Abschied sagt der Vater noch, der genauso gut zurückfahren könnte: "Jetzt geh du aber nicht auch noch verloren" – als wäre sie noch nicht mal fähig, alleine ihren Sohn abzuholen. Was dann im Sinne des klimatischen Aufbaus schlussendlich aber tatsächlich passiert. Kevin, der "tapfere", "mutige" Junge, verteidigt derweil das Haus vor Einbrechern. Eine klassische Rollenverteilung, von der der Film nicht profitiert.

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5. "Weiße Weihnachten" (1954)

Die Story: Zwei Männer (Bob und Phil) und zwei Frauen (Judy und Betty) versuchen, ein Lokal zu retten, indem sie darin Shows aufführen, um Gäste anzulocken. Während des Films geht es natürlich darum, dass sich die Personen untereinander verlieben.

Der Sexismus: In dem Film werden Frauen als emotionale Hausdamen dargestellt, die ihr ganzes Leben nur darauf hinarbeiten, von einem Mann gefunden zu werden. Ein Heiratsantrag gilt hier als das Ultimatum: Im großen Coup, um ihrer Freundin Betty zu helfen, überredet Judy Bob, Judy einen Heiratsantrag zu machen. "Wie Männer eben so sind", ist er zunächst äußerst abweisend, sagt, er sei nicht "der Typ fürs Heiraten". Obwohl Judy ihn auch gar nicht wirklich heiraten will und das Ganze nur ein scheinheiliger Antrag sein soll, tut Bob in dem Film so, als zwinge sie ihn, sie zu heiraten. Die Frau kommt dabei als nervige Figur vor, die den Mann mit einer Hand auf dem Oberschenkel versucht, zu ihrem Willen zu überreden, und der Mann als Liebesmuffel.

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In der letzten Szene nehmen sich beide Männer die Frauen ihrer Träume und küssen sie hinter einem Weihnachtsbaum auf der Bühne. Die genießen das natürlich, weil jede Frau ja am Ende nur in den Armen eines Mannes liegen will.

4. "A Christmas Prince" (2017)

Die Story: Die Journalistin Amber versucht, Dreck am Stecken des Skandal-Prinzen Richard zu finden. Dafür gibt sie sich als neue Lehrerin der jungen Prinzessin Emily aus. Irgendwann funkt es zwischen Richard und Amber.

Der Sexismus: Die Frau wird auf ihren Wunsch nach Liebe reduziert, als Prinzessin verkleidet, anstatt ihre Persönlichkeit oder Intelligenz zu unterstreichen, und am Ende mit den Worten "Das ist ein einsamer Ort für einen König ohne eine Königin" erobert.

Während des Films wird Amber immer wieder auf ihre Schwäche als Frau reduziert. Zum Beispiel fällt sie während einer Verfolgungsjagd vom Pferd und muss von dem Prinzen vor einem Wolf gerettet werden.

Auch als sie einen Erklärungsversuch zu ihrer wahren Identität startet, schneidet er ihre Worte einfach mit einem Kuss ab. Könnte ein romantischer Move sein, aber versetzt die Frau aus ihrer aktiven, von sich aus handelnder Position in eine passive. Der Prinz entscheidet über den Ausgang des Moments, nicht Amber – ein bekanntes Stereotyp, das auch hier schamlos ausgereizt wird.

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3. "Ist das Leben nicht schön?" (1946)

Die Story: Dieser Oscar-Gewinner wird in Amerika als "der ultimative Weihnachtsfilm" gehandelt. Auf unzähligen Rankings nimmt er Platz eins ein, in Deutschland ist er eher unbekannt. Es geht um den Selbstmord-gefährdeten George, der von seinem Schutzengel Clarence den Sinn des Lebens wiederbeigebracht bekommt.

Der Sexismus: Der Film ist aus dem Jahr 1946 – die Rollenverteilung ist dementsprechend altmodisch: Die Frau steht in diesem Film mit Schürze in der Küche, der Mann hat Geld- und Arbeitssorgen. Andauernd werden kleine, fast unscheinbare sexistische Kommentare gedroppt. Zum Beispiel bei der Graduation von Georges jüngerem Bruder, bei der der Schuldirektor sagt, es gäbe "viele hübsche Mädchen" – womit er Frauen auf ihr Äußeres degradiert. Später im Film trifft George bei einer Party seine zukünftige Frau und fragt sie, wie alt sie wäre. Bei der Antwort "18" wundert er sich laut, ob das "zu alt oder zu jung" sei.

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2. "Santa Clause 2: Eine noch schönere Bescherung" (2002)

Die Story: Scott Calvin ist mittlerweile schon seit acht Jahren der "neue Weihnachtsmann". Weil es wohl eine Regel gibt, dass "Santa Claus" auch eine "Mrs. Claus" braucht, muss Scott schnell eine Frau finden. Das Objekt seiner Begierde ist Carol, die (natürlich) attraktive Direktorin der Schule seines Sohns.

Der Sexismus: Carol ist eine verbitterte Karrierefrau. Sie erzählt Scott irgendwann, dass sie nur so ist, weil ihre Eltern ihr irgendwann erzählt haben, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt.

Klare Rollenverteilung: Die Frau ist irrational verbittert und braucht einen Mann, der sie wieder glücklich macht. Als ihr Scott offenbart, er sei der Weihnachtsmann, glaubt sie ihm zunächst nicht, woraufhin sich folgende Situation ergibt: Ein Mann und sein Sohn versuchen, einer erwachsenen erfolgreichen Karriere-Frau zu erklären, dass sie im Grunde genommen glücklicher wäre, wenn sie mit einem Mann zusammen wäre – der sie nur braucht, um seinen "Job" zu behalten.

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1. "Schöne Bescherung" (1989)

Die Story: Die Familie Griswold will ein schönes Weihnachtsfest für sich organisieren, doch von Tannenbaum bis Lichterkette geht augenscheinlich alles schief.

Der Sexismus: Der Vater Clark ist ein typisches Opfer eines toxischen Männlichkeitsbildes. Im Kaufhaus wird er von der attraktiven Verkäuferin aus dem Konzept gebracht, die einen tiefen Ausschnitt hat und einzig und allein auf ihren Körper reduziert wird. Er versucht die ganze Zeit, ihr nicht auf den Busen zu schauen und gibt vor, Unterwäsche kaufen zu wollen, um sie weiterhin anzugucken. Sie wird als naive Verkäuferin inszeniert, die nicht versteht, was eigentlich vor sich geht.

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Dann gibt es diese Pool-Szene, wo Clark dem Weihnachtsstress mit der Vorstellung einer sich vor ihm ausziehenden Frau entfliehen will.

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Zu guter Letzt: die Szene, in der die nervige Nachbarin klischeemäßig Migräne hat und ihren Mann hysterisch anbrüllt.

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Der Mann: Sex-süchtiger Typ, der nicht auf Familie und Weihnachtsstress klarkommt: Die Frau: Entweder hysterisch oder Objekt der Begierde.

In diesem Sinne: Merry Sexismas!

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Quelle: Noizz.de