"Ich habe immer wieder gesagt, dass ich nicht mehr auftreten kann und das mich das umbringt."

Es ist tragisch und tut weh. Am 1. April veröffentlichte Netflix die Doku "Avicii: True Stories" unwissend, dass der 28-jährige Avicii alias Tim Bergling nur 20 Tage später tot in einem Hotel in Muscat im Oman aufgefunden wird [NOIZZ berichtete]. In einer Stunde und 37 Minuten erzählen die Macher die wahre Geschichte des jungen Superstars und tragen dazu bei, dass man als Außenstehender verstehen lernt, was sich in Aviciis Kopf abgespielt haben muss.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten seine Angehörigen ein Statement in dem sie schreiben, dass er nicht mehr weiter machen konnte, dass er seinen Frieden finden wollte und immer die Antworten auf existenzielle Fragen suchte. Einige Medien interpretierten dieses Statement als Bekanntgabe seines Suizids. Und auch wenn die Todesursache bisher noch nicht bekannt gegeben wurde, wird auch in der Doku deutlich, dass es dem jungen Musiker sowohl physisch als auch psychisch nicht gut ging [NOIZZ berichtete].

In seinem vorletzten Facebook-Post kündigte er die Veröffentlichung der Doku an und schrieb dazu: "Lasst mich wissen was ihr darüber denkt."

NOIZZ hat sich die Doku für euch angeguckt und 8 Momente rausgesucht, die zeigen, dass der 28-jährige Superstar viel zu lange in einem Spinnennetz aus Stress, Druck und den falschen Menschen gefangen war.

1. " Tim ist echt ein absolut unschuldiger, anständiger und naiver Kerl" - Jesse Waits

Sein Freund Jesse Waits bringt es auf den Punkt. In der ganzen Doku sieht man einen liebenswerten jungen Mann, der seinen Erfolg nicht geplant hat. Eigentlich wollte Tim Bergling immer nur Musik machen. Dann geriet er aber an die falschen Leute und schaffte es nicht mehr, sich aus den Klauen der Musikindustrie zu befreien. Sein Manager witterte schon sehr früh das Star-Potenzial des jungen Schweden und setzte alles daran, dass Avicii bis an seine Grenzen und auch darüber hinaus ging.

2. "Anfangs habe ich mich nicht getraut, Alkohol zu trinken. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich mit ein paar Drinks einfach viel lockerer drauf war - letztendlich hat es mir geholfen die Shows durchzustehen" - Avicii

Drogen, Schmerzmittel und Alkohol gehörten für den Musiker jahrelang zu seinem Alltag. Er war keine Rampensau, die nie genug von den aufputschenden Mitteln haben konnte: Viel mehr versuchte er, sich damit zu betäuben und die vielen Show durchzustehen. Auch der Star-DJ David Guetta kommt in der Doku zu Wort und erklärt: "Ängstliche Typen wie wir, sind stark gefährdet."

3. "Es ist mein Job, ihn die richtigen Entscheidungen treffen zu lassen ... Und das Richtige zu tun!" - Ash Pournouri

Den ersten Rückschlag erhielt der Schwede schon sehr früh: 2012 wurde er in Australien ins Krankenhaus eingeliefert, weil er an starken Schmerzen litt. Diagnose: Gallenblasenentzündung. Das Kamerateam und sein Manager begleiten ihn. Der Druck auf Tim Bergling ist groß. Obwohl er mit starken Schmerzen im Bett liegt, zählt für seinen Manager Ash Pournouri nur eins: Die Shows. "Ich hab mit den Pflegern gesprochen, sie glauben nicht, dass du auftreten kannst ... Wenn du die Show trotzdem durchziehen willst, geben sie dir Schmerzmittel", erklärt sein damaliger Manager Ash Pournouri. Also bekommt Avicii Ketamin. Drei Tage später steht er wieder auf der Bühne - trotz Schmerzen.

4. "Du wachst jeden Morgen mit diesen Magenschmerzen auf. Mit den Medikamenten habe ich mich einfach beschissen und permanent benebelt gefühlt. Ich wusste nicht wie lange das noch weiter geht" - Avicii

Schon bevor er 2013 seinen Mega-Hit "You Wake Me Up" veröffentlichte, sagte Tim Bergling, dass er die Schmerzen nicht mehr lange durchstehen könne. In einer Szene im Auto ist er blass und kann kaum noch grade sitzen, während sein Manager schon wieder von den nächsten Shows, Interviews und Terminen redet.

5. "Als Künstler muss du funktionieren wie eine Maschine! Und dann bist du am Ende" - Nile Rodgers

Avicii wird auf Schmerzmittel gesetzt und erholt sich langsam wieder von seiner Gallenblasenentzündung. Zumindest scheint es so. Bis er in Miami einen Bilddarmdurchbruch und einen Gallenblasenriss erleidet. Im Interview sagt er: "Ich hatte totale Schmerzen. Es gab nur eine Lösung - Schmerzmittel! Anders konnten mir die Ärzte nicht helfen. Sie gaben mir nur Drogen." Er bekommt Percocet, ein starkes Opium. Dazu kommen noch Antidepressiver gegen Kopfschmerzen und Angstzustände. Diese Szene zeigt, wie schlecht es Avicii zu diesem Zeitpunkt ging. Den Journalisten verriet er später im Interview: "Ich hab gespürt, dass hier etwas gewaltig schief lief." Der Druck und Ruhm machte ihn kaputt. Obwohl alle involviert waren, konnte sich Tim Bergling zu diesem Zeitpunkt nicht erholen.

6. "Klar bin ich Avicii! Aber so wie er wahrgenommen wird, ist Tim gar nicht. Er ist eigentlich schüchtern ... Ich steh nicht gerne im Mittelpunkt" - Avicii

Es ist traurig, dass dieses Zitat seine ganze Karriere so gut zusammen fasst. Der Schwede wollte nie der große Superstar sein, sondern einfach nur Musik machen. Auch seine Familie schreibt in ihrem Statement zu seinem Tod, dass er nie für das Leben auf der Bühne und das harte Business gemacht war.

7. "Ich fühlte mich mental und physisch schlecht" - Avicii

In der Netflix-Doku spricht der Musiker häufig darüber, dass es ihm nicht gut ging. Er erzählt auch, dass er sich häufig fragte, ob er verrückt sei. "Ich hatte doch alles und trotzdem war ich unglücklich". Viele Fans interpretieren diese Aussage jetzt als Beweis dafür, dass Tim Bergling unter Depressionen litt.

8. "Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich nicht mehr auftreten kann und das mich das umbringt." - Avicii

Letztendlich hat der 28-Jährige den Kampf verloren. Sicherlich waren die Macher der Dokumentation nie darauf vorbereitet, dass Tim Bergling nur kurz nach der Veröffentlichung tot aufgefunden wird und trotzdem zeigt sie, wie düster und traurig sein Leben gewesen sein muss. Die Dokumentation erklärt, wie er sich gefühlt hat und zeigt tatsächlich seine wahre Geschichte.

Hier bekommst du umgehend Hilfe, wenn du selbst betroffen bist

NOIZZ berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn du selbst depressiv bist, Selbstmord-Gedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de).

Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Quelle: Noizz.de