Eine zehnjährige Studie offenbart deprimierende Zahlen.

Influencer scheint der Beruf unserer Generation zu sein. Viele möchten mit selbstgemachten Bildern und Videos möglichst authentisch, möglichst viel Geld machen. Doch einige Statistiken offenbaren, dass man mit dem Berufswunsch Influencer sehr schwer Geld verdienen kann und wird.

Eine auf über zehn Jahre angelegte Studie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien Offenburg untersuchte, wie viele Werbe-Einnahmen YouTuber rein durch Klicks generieren können – das heißt, dass Werbeaufträge im Sinne von Native Advertising, oder auch andere Verdienstquellen ausgenommen sind. Die Studie von Professor Mathias Bärtl geht davon aus, dass YouTuber pro 1000 Klicks einen US-Dollar verdienen. Das ist teilweise bereits sehr großzügig gerechnet.

Geht man alleine von Klickzahlen-Einnahmen aus, würden 96,5 Prozent der YouTuber nicht mal über die offizielle Armutsgrenze der USA kommen – das sind 12.140 US-Dollar im Jahr pro Person. Das geht darauf zurück, wie ungleich Views verteilt werden. Denn je mehr Klicks und Abonnenten man hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man noch mehr von diesen bekommen. Das ist zwar logisch, lässt jedoch eine immer größere Lücke zwischen den superreichen Influencern und den „normalen“ Wohnzimmer-YouTubern entstehen.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Inzwischen gehen 85 Prozent aller Views zurück auf etwa drei Prozent aller Channels. 2016 generierten die Top 3 Prozent der Channels neun von zehn aller YouTube-Klicks – die unteren 85 Prozent generierten dagegen maximal 458 Views im Monat. Dementsprechend verteilt sind auch die Verdienstrahmen. Auf jede Bianca Heinicke ("Bibi") oder auch einen Logan Paul (der laut Forbes im Jahr 2017 rund 12 Millionen Dollar verdient hat) kommen etwa 27 YouTuber, die ihr Geld zum Überleben anderswoher kriegen müssen.

Schließlich ist die wichtigste Erkenntnis, dass eine Handvoll User YouTube sehr stark dominieren. Diese werden auch immer reicher und einflussreicher, während kleinere Channels eher an Bedeutung verlieren. Doch darf man auch nicht außer Acht lassen, dass man als Influencer mehrere soziale Plattformen gleichzeitig bedient und das meiste Geld aus Werbeeinnahmen, Merchandise oder auch Sponsorenverträgen verdienen.

Laut der "Financial Times" kann ein Influencer mit 100.000 Followern für ein gesponsertes Bild etwa 2700 US-Dollar erheben. Deswegen wird schon kein YouTuber oder Instagramer mit einer gewissen Anzahl an Followern – bei YouTube ist es etwa eine Million, bei Instagram 100.000 – in Armut leben müssen. Bei Reichtum gibt es dagegen keine Grenze – laut einem Ranking von Forbes ist Daniel Middleton mit seinem Minecraft-Channel „Dan TDM“ mit 16,4 Millionen Dollar Jahresumsatz der bestbezahlteste YouTuber des Jahres 2017.

Nur mit (YouTube-)Reichweite kann man längst kein Geld mehr verdienen. Auch schnell mal die berüchtigte Millionen-Klickmarke zu knacken, wird immer schwieriger. Es herrscht also eine große Schere der Ungleichheit, die weder YouTube noch andere soziale Netzwerke vorhaben, zeitig zu schließen.

Quelle: Noizz.de