Und ausgerechnet Apple soll dem Staat dabei helfen.

Mit der Meinungsfreiheit steht es in Russland bekanntlich nicht so gut. Fast alle Zeitungen, Fernsehen und Radiosender werden etwa vom Staat überwacht und kontrolliert. Regierungskritische Berichterstattung ist kaum möglich. Auch hat die Regierung seit zehn Jahren eine eigene Medien- beziehungsweise Zensierungsbehörde namens Roskomnadsor. Die Institution hat zum Beispiel die Macht, Medien zu schließen, die innerhalb eines Jahres mehr als einen Gesetzesverstoß begehen. Diese Behörde hat sich nun den Messengerdienst Telegram vorgenommen.

Die App wurde von Pawel Durow entwickelt, der auch das Social-Media-Netzwerk VK gründete. Das besondere und wichtige an Telegram ist, dass sie eine der Handvoll Apps ist, die verschlüsselte Kommunikation ermöglicht.

Her mit den Nutzerdaten!

Seit April hat das Unternehmen nun Streit mit den russischen Behörden. Ursprünglich ging es darum, dass der Messengerdienst sich weigerte, einen geheimen Schlüssel an den russischen Geheimdienst FSB herauszurücken, der es ermöglicht hätte, verschlüsselte Nachrichten und Daten zwischen Telegram-Nutzern abzuhören.

Nachdem Telegram sich weigerte, klagte die Medienbehörde vor Gericht und bekam prompt Recht. Die App wurde landesweit verboten. Trotzdem ist der Messengerdienst immer noch in der russischen Version des App Stores verfügbar.

Darauf blockierten russische Internetanbieter die IP-Adressen der Telegram-Server. Doch das war eher ein Tropfen auf den heißen Stein, denn das die Kommunikation wurde einfach über ausländische Server umgeleitet – Russland ist ja auch gewissermaßen für seine Hacker bekannt. Zudem ist es in Russland ziemlich gängig, VPN-Dienste zu nutzen. 50 von diesen wurden dann Anfang Mai auch geblockt.

Telegram bleibt stur – Roskomnadsor auch

Aber die Medienbehörde gab nicht auf und sperrte einfach mal 18 Millionen IP-Adressen, von denen sie glaubte, dass sie im Zusammenhang mit Telegram stehen. Stattdessen traf es diverse andere Webseiten, die auf dem gleichen Server wie der Messengerdienst auftraten – zum Beispiel das Kreml-Museum.

Doch trotz allen Mühen des Kreml, die App einzustampfen, wird Telegram weiterhin von der Mehrheit der Russen genutzt. Wie Roskomnadsor eingestehen musste, wurden bis jetzt „nur“ 15 bis 30 Prozent der Telegram-Aktivitäten unterbrochen oder gestört. In Moskau gingen Tausende Bürger auf die Straße, um gegen das Telegram-Verbot zu demonstrieren.

Nun wendet sich die Behörde an Apple und fordert das Unternehmen in einem Brief auf, Telegram aus dem App Store zu entfernen. Die Behörde hat auch erklärt, dass sie auch Google gebeten habe, die App aus dem Play Store zu entfernen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Apple sich den Anweisungen Russlands beugt, ist nicht mal so niedrig. In China hat der Konzern etwa auf Bitten der Regierung bereits VPN-Apps entfernen lassen. Andererseits setzt sich Apple sehr stark für Datenschutz und Verschlüsselungsmechanismen ein. Das Unternehmen hat nun einen Monat Zeit, auf die Forderung zu antworten.

Quelle: Noizz.de