Ein Nachruf auf das unnötigste Sozial-Netzwerk der Welt.

Unbekannt, und doch omnipräsent, wir werden dich vermissen.

Geboren am 28. April 2011, ins künstliche Koma versetzt am 9. Oktober 2018. Von uns gehen wirst du am 31. August 2019, so Googles Plan. „Teilen wie im richtigen Leben, neu erfunden für das Web“, lautete dein Motto. Irgendwie ging das nie auf.

Jeder hatte ein Konto bei Google+, viele ohne es zu wissen.

Denn sobald du dir etwa ein Gmail-Account anlegst, oder Konto bei YouTube eingerichtet hast, warst du auch im Besitz eines schnieken Google+-Kontos – wenn du es denn nicht manuell deaktiviert hast.

Zu Beginn haben sogar renommierte Medienmarken ihre Google-Plus-Präsenzen gepflegt, als sei es Instagram.

BTW: Wer sich darüber nicht im Klaren war, kann spätestens jetzt mal checken, was da so über einen zu finden ist. Just saying.

Dieser Fakt erklärt wohl auch die beeindruckenden Userzahlen: Gut 360 Millionen aktive Nutzer und gut 3.091 Millionen registrierte Benutzer. Zum Vergleich: Facebook hat gut 2,23 Milliarden aktive Nutzer im Monat. Myspace hingegen hat nur 15 Millionen aktive Nutzer im Monat.

Google+ war wie die Fitnessstudio-Mitgliedschaft: So gut wie jeder hatte eine, aber keiner hat sie genutzt.

Ich hatte keine Freunde dort. Nur einen mickrigen Follower, ich weiß noch nicht mal wer. Hat überhaupt jemand Google+ benutzt?

Google+ war der lausige Versuch des Suchmaschinen-Giganten, auch ein Stück vom Social-Media-Kuchen abzubekommen. Das ging gehörig daneben, nicht mal ansatzweise reichte Google+ an Facebook, Twitter und Co. heran.

Vielleicht ist deswegen die peinliche Daten-Panne von Google auch einfach nicht kommunziert worden und kam jetzt erst heraus: Auf dem verschlafenen Online-Netzwerk von Google standen nämlich jahrelang Profildaten für App-Entwickler offen. Yay!

Immerhin in Sachen schlechter Datenschutz und Sicherheit stehen sich Zuckerbergs Plattform und Google+ also in nichts nach: Facebook entdeckte zuletzt, dass bei fast 50 Millionen Profilen unbekannte Angreifer den vollen Zugriff hatten.

Doch zurück zu Google+: Wenn Nutzer ihre Grund-Profildaten wie Name, E-Mail-Adresse oder Alter mit Freunden geteilt haben, hatten auch App-Entwickler seit 2015 unkontrollierten Zugriff darauf. Noch in diesem Frühjahr fand Google rund 500.000 potenziell betroffene Profile.

Der Internet-Konzern entdeckte und schloss das Datenleck bereits im März – und traf dann die Entscheidung, die Sache für sich zu behalten. Google verweist darauf, dass es nicht möglich gewesen sei, die betroffenen Nutzer zu identifizieren, es keine Hinweise auf einen Missbrauch gebe und Verbraucher und App-Entwickler auch nichts hätten unternehmen können. Ah, sehr beruhigend.

Dabei hatte sich gerade Google in den vergangenen Jahren als Saubermann in Sachen Cyber-Sicherheit mit einer Null-Toleranz-Politik bei Schwachstellen profiliert.

Project Zero“, ein firmeninternes Team von Sicherheitsforschern, durchforstet auch Software anderer auf der Suche nach Lücken – und gibt ihnen dann lediglich 90 Tage Zeit, sie zu stopfen, bevor es die Informationen öffentlich macht.

Die Vorgehensweise ist umstritten – „Project Zero“ entdeckte aber immerhin schwerwiegende Schwachstellen wie die „Heartbleed“-Lücke in der viel genutzten OpenSSL-Verschlüsselung.

Damit hatte Google das Vertrauen als verlässlicher Wächter der Cyber-Sicherheit aufgebaut. Doch das gute Image bekommt jetzt durch das verschwiegene Datenleck bei Google+ einen großen Kratzer.

Tja, auch wenn ich nie wirklich irgendetwas aktiv bei Google+ gepostet habe und ich mich dort nicht wirklich vernetzen, geschweige denn Dinge teilen konnte, wie im echten Leben – irgendwie werde ich diese nerdige Plattform schon vermissen.

Sie war da, auch wenn sie nicht da war. By-bye, Google Plus!

[Quelle: dpa]

Quelle: Noizz.de