Heute startet die Gamescom!

Große Branchen-Treffen und Messen sind so eine Sache. Ein paar weltweit bedeutende Messen hat Deutschland dann doch noch – die Gamescom ist eine davon. Heute startet sie in Köln. Computer- und Videospiele sind seit Jahren ein Milliardengeschäft - mit steigender Tendenz.

Deutschland gehört zu den Top-Fünf der wichtigsten Märkte – was den Umsatz und die Spieleverrücktheit, als auch den Verkauf von Konsolen angeht. Aber was die Spieleentwicklung und Produktion betrifft, haben wir keine Chance. Das Geschäft mit Computer- und Videospielen brummt auch hierzulande. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Doch lediglich 4,3 Prozent des Umsatzes kamen zuletzt aus Entwicklungen, die auch hier produziert wurden. 

Cloud-Gaming soll das ändern - vielleicht

Figuren aus Computer-Spielen auf der Gamescom. Der Milliardenmarkt wächst und wächst Foto: dpa

Staaten wie die USA, Japan, Südkorea oder Frankreich haben Lichtjahre Vorsprung. Dabei gibt es auch im Gaming-Bereich immer mehr Unternehmen und Entwickler in Deutschland. Auf der Gamescom treffen sie alle auf einander. In diesem Jahr ist Cloud-Gaming der Schwerpunkt der Messe.

Dabei laufen Spiele auf externen Servern und entlasten dadurch eigene Endgeräte, also deine Playstation, X-Box oder Nintendo Switch. Dieser Technik wird ein großes Potenzial beigemessen. Eben weil Spiele - etwa in puncto Grafik - immer aufwendiger werden und die Endgeräte mit Smartphones und Tablets immer kleiner und mobiler, sondern auch weil sich internationale Verbände und Spielervereinigungen bilden.

Gaming wird zum internationalen E-Sport. Der Datenschutz und sichere IT-Systeme sind dabei ein besonders wichtiger Faktor, der jedoch immer noch nicht überall gegeben ist. Immer wieder sickern Informationen durch, nach denen Gamer-Konten gehackt wurden. Die Politik wäre gefordert. Nicht nur was den Datenschutz angeht, sondern auch im Bezug auf wirtschaftliche Anreize und Impulse.

Immer mehr Gamer nutzen kleine und mobile Endgeräte zum Spielen, wie zum Beispiel Smartphones. Foto: dpa

Aber der Markt und vor allem die Budgets sind immer noch klein. Deutschland hat ein gutes Standing, wenn es um Simulatoren-Spiele oder Technik geht. Technologie also, die theoretisch und praktisch auch zum Training von Piloten, Busfahrern und Lokführern benutzt werden kann. Sowas ist übersichtlich und kostet nicht viel.

Ein erfolgreiches Computer-Spiel zu entwickeln, dauert aber heute oft mehrere Jahre und damit es ein sogenannter Blockbuster wird, investieren die Spiele-Konzerne nicht selten zwischen 50 und 100 Millionen Dollar. Die Anforderungen an die Geschichte, Charaktere, Storytelling und Plots werden dabei immer höher. Auch die Erwartung an Grafik, Umsetzung und Visuals im Allgemeinen sind sehr hoch inzwischen und werden gleichzeitig auch immer besser.

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Warum ist Cloud-Gaming das große Ding?

Die für die global gespielten Games benötigten Ressourcen sind immens: Laut dem Cisco Visual Networking Index betrug der monatliche Gaming-Traffic vor zwei Jahren bereits 915 Petabytes (zum Vergleich: 1000 Terabyte sind ein Petabyte), mit einer angenommenen Zunahme von mehr als 70 Prozent bis in das laufende Jahr.

"Gaming stellt enorme Ansprüche an die Infrastruktur. Jede Störung wird von den Gamern mit Abbruch quittiert - das ist der Worst Case für die Anbieter", sagt Marcus Busch, Geschäftsführer von Leaseweb Deutschland. Über die Rechenzentren des Unternehmens laufen Games wie der neue Crytek-Horror-Shooter "Hunt: Showdown". Bis 2023 rechnen Experten laut Statista mit einer weiteren Zunahme von 900 Prozent des Gaming-Traffics, der zudem besondere Ansprüche an die Systeme stellt.

Die Deutschen sind Weltspitze im Daddeln, aber nicht im Produzieren von Computer-Spielen Foto: dpa

Die Technologie dahinter und die immensen Kapazitäten, die in Rechenzentren nötig sind, sind für die Gamer und die Branche unsichtbar. Insbesondere die geografische Nähe der Spieler zu den Rechenzentren ist für Leaseweb ein kritischer Faktor. "Cloud-Gaming setzt neben der Qualität des Spiels selber auf die lückenlose Netzwerkinfrastruktur - unsichtbar für den Gamer, der nur seinen heimischen Internetanschluss als Speed-Kriterium wahrnimmt", erklärt Marcus Busch von Leaseweb.

Die Politik will Geld geben

Der für digitale Infrastruktur zuständige Bundesminister Andreas Scheuer sowie Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (beide CSU) haben sich am Dienstag auf einem Rundgang einige Messestände zeigen lassen. Scheuer will die zugesagte finanzielle Förderung der Games-Branche in Deutschland nicht streichen. Er werde sich weiter für den Fördertopf von 50 Millionen Euro einsetzen.

Der Minister unterstrich in seiner Rede die innovative Bedeutung der Games-Branche. Auf der Messe seien nicht nur Spieler vertreten, sondern "die Innovativen von Morgen", sagte der auch für Games zuständige Minister am Dienstag. Zuvor hatte Scheuer für Irritation gesorgt, da die zugesicherte finanzielle Unterstützung von Spiele-Entwicklungen aus Deutschland nicht mehr im Bundeshaushalt für 2020 aufgetaucht war. 

Andreas Scheuer und Dorothee Bär versuchen sich auf der Gamescom an einem Computer-Spiel Foto: dpa

In seiner Rede sagte Scheuer nun: „In jeder meiner Prioritätenliste steht die Förderung der Games-Branche an erster Stelle.“ Das sah die Branche zuletzt in Frage gestellt. Es sei ein "tolles Signal", dass Scheuer zur Eröffnung gekommen sei, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands Game. Die Branche benötige dringend international gleiche Wettbewerbsverhältnisse. 

Ziel der Branche sei, dass viel mehr Spiele und auch die Geschichten der Spiele in Deutschland entstehen, betonte Falk. So könnten auch die großen technologischen Potenziale von Games wie etwa Künstliche Intelligenz oder Virtuelle Realität in Wirtschaft und Gesellschaft genutzt werden. 

Die Entwickler und Verkäufer von Computer- und Videospielen können sich über steigende Nachfrage freuen, im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der Branche in Deutschland um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Im Trend liegt auch der E-Sport, der sich wachsender Beliebtheit und höherer Sponsoringverträge erfreut. Vom Deutschen Olympischen Sportbund DOSB ist E-Sport bislang noch nicht als offizielle Sportart anerkannt.

Lothar Matthäus warb auf der Gamescom ebenfalls für ein Computer-Spiel Foto: dpa

Unter den Gamescom-Besuchern ist übrigens auch Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der ein Spiel namens "Football, Tactics & Glory" bewirbt. Die großen Massen strömen ab Mittwoch in die Hallen - dann ist das breite Publikum zugelassen. Im letzten Jahr, 2018, kamen 370 000 Besucher.

(Geschrieben mit u.a. Material von dpa)

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Quelle: Noizz.de