Sogar die Väter des Internets sind dagegen.

Das Internet ist nicht neu. Bereits seit gut 20 Jahren bestimmt es unseren Alltag und ist eine unbegrenzte Quelle an Information, Unterhaltung und Katzenvideos. Doch natürlich ist nicht alles, was im World Wide Web vorgeht, gut – die schiere Masse an Inhalten macht es nur schwer möglich, alles auf Legalität oder ethische Korrektheit zu prüfen. Schließlich besitzt kein Land der Erde das Internet in sich, es gibt also in keiner Form irgendwelche Standards dafür. Die EU-Gemeinschaft, angetrieben von einem CDU-Politiker, möchte nun ein konkretes Problem angehen, das es erst seit dem digitalen Zeitalter gibt: Vieles, was im Internet landet, wird von anderen Nutzern tausendfach kopiert und verbreitet. Das verletzt die Rechte des Urhebers ziemlich stark. Hier will der EU-Rechtsauschuss ansetzen.

Eigentlich ist die Idee, das Urheberrecht zu aktualisieren und dem Internet anzupassen, absolut sinnvoll – sie kommt sogar etwa 15 Jahre zu spät. Urhebergesetze sind lange vor der digitalen Zeit entstanden und müssen der multimedialen Welt angepasst werden. Doch das Gesetz, über welches der Rechtsausschuss des EU-Parlaments am Mittwoch abgestimmt hat, wird besonders wegen seines 13. Artikels sehr kritisch betrachtet. Dieses sieht unter anderem vor, dass kommerzielle Onlineplattformen wie etwa Facebook, Twitter, aber auch Medienseiten bereits vor der Veröffentlichung von neuen Inhalten diese darauf prüfen, ob sie urheberrechtlich geschützt sind. Die Betreiber selbst haften dafür, wenn ihre Nutzer Urheberrechte verletzen.

Berechtigter Vorwurf der Zensur?

Die sogenannten Upload-Filter werden von zahlreichen Stimmen dafür kritisiert, dass sie das Internet in seiner Freiheit und Offenheit einschränken werden – sie werden offenbar als Zensur gewertet. Das Gesetz würde das Internet „gefährden“, wie Dutzende Internet-Experten in einem offenen Brief an den Präsidenten des Europäischen Parlaments erklärten. Unter ihnen: Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web persönlich, einige Internet-Pioniere, Professoren der MIT und Columbia University, der Mitbegründer von Wikimedia und viele weitere namenhafte Gründer aus dem IT- und Digital-Bereich.

Das große Problem ist, dass die Upload-Filter offensichtlich automatisch ablaufen werden und nicht wissen können, ob das geschriebene/gepostete etwa Ironie oder Parodie sei, oder als Zitat genutzt werden. Ein betroffener, großer Internet-Blocks wären dabei Memes, die öfters popkulturelle Anspielungen auf Filme, Serien, etc. innehaben, würden dann nicht mehr ins Netz gelangen.

Was vermutlich passieren wird, sobald die Upload-Filter tatsächlich angewendet werden, kann man am sogenannten NetzDG, ausgesprochen das Netzwerkdurchsuchungsgesetz, gut beobachten. Wie bereits im Januar werden die Plattformen erstmal allerlei verdächtige Posts löschen. Die Filter werden aber auch lernen und nach einiger Zeit sensibler arbeiten. Wie auch der vom Suchmaschienenriesen Google entwickelte YouTube-Filter, den die Streaming-Plattform freiwillig seit einiger Zeit nutzt. Die technische Umsetzung auf alle Plattformen ist jedoch unklar und wurde von den Politikern nicht näher bestimmt.

Das ist nur einer der vielen Punkte, die die Reform in sich hat. Des Weiteren werden Suchmaschinen vermutlich in Zukunft keine Vorschau-Texte anzeigen dürfen – das verletzt ja im Grunde das Urheberrecht der veröffentlichenden Verlage. Das, was das für unser aller Internetkonsum bedeutet, checkt zurzeit noch keiner – wir sind alle schließlich mit der WM und auch dem sich auftuenden Sommerloch beschäftigt.

Quelle: Noizz.de