Die neuen Twitter-Regelungen erinnern an dystopische Romane

Alena Struzh

Pop, Food und Feminismus
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Twitter möchte freundlicher werden Foto: Marten Bjork / Unsplash

Denn wer sich auf der Plattform schlecht verhält, wird bestraft.

Diese Woche hat der Kurznachrichtendienst Twitter einige große Änderungen in der sozialen Kommunikation der Plattform verkündet. Dabei geht es nicht nur um individuelle Tweets, sondern auch darum, was für eine generelle Stimmung auf dem Portal herrscht. So wurde Twitter zuletzt etwa von Jan Böhmermann mit seiner Aktion #ReconquistaInternet leicht darauf hingewiesen, dass die oberflächliche Gemütslage mit ziemlich wenig Manpower ziemlich schnell beeinflussbar ist (NOIZZ berichtete).

Nun möchte die Plattform einige Algorithmen einsetzen, die Tweets, Antworten und Sucheingaben analysiert und somit ein Verhaltensbild jedes individuellen Nutzers erstellt. Klingt schon mal ziemlich gruselig, aber was Twitter damit macht, ist noch komischer: Wenn die Algorithmen denken, dass du dich blöd auf Twitter benimmst, wird deine Reichweite automatisch gedrosselt. So soll laut CEO Jack Dorsey eine gesündere Atmosphäre geschaffen werden. Es sollen lediglich ein Prozent der User sein, die auf Hatespeech und Krawall aus sind – wenn man die leise kriegt, soll sich die Stimmung sofort bessern. Die „beleidigenden“ Unterhaltungen sollen bei Tests um acht Prozent gesunken sein.

Verzweifelter Kampf gegen Trolle

An sich ist die Idee, Trollen den Kampf anzusagen, richtig – sie kommt sogar recht spät. Doch erinnern wir uns an das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG. Anfang des Jahres löschte Twitter wahllos ironische und satirische Posts, aber auch welche, die von mehreren Nutzern einfach mal gemeldet wurden. Auch erinnert es leicht an das Freiheitsministerium aus George Orwells Roman „1984“, wo die Gedanken und Meinungen aller Bürger gezielt gesteuert wurden. Ob das Vorgehen schon die Meinungsfreiheit verletzt, ist nicht klar.

Der Filter soll zunächst optional sein, jeder Nutzer kann entscheiden ob er diesen benutzt. Es sollen zudem weitere Veränderungen kommen, die toxische Atmosphäre und Fake News weiter eindämmen sollen: „Das ist nicht der Endpunkt“, erklärte CEO Dorsey. „Wir müssen immer zehn Schritte vordenken. Denn auch bei so einem System und Modell wie diesem, werden Menschen herausfinden, wie man es ausnutzt.“ Welche Maßnahmen noch ergriffen werden, verriet er noch nicht.

Quelle: Noizz.de

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