Wie fändest du ein Feuerwerk, wenn du deine Mutter im Krieg verloren hättest?

Es ist tiefe Nacht und stockdunkel. Bei circa null Grad Celsius stehst du draußen, frierst und kannst vor Lärm dein eigenes Wort nicht hören. Gerade war noch alles ruhig und friedlich, aber von der einen auf die andere Sekunde ist das genaue Gegenteil der Fall: Explosionen, grelle Lichter, und Rauchschwaden erfüllen die Stadt bis in ihre letzten Winkel. Unmöglich zu orten, wo gleich der nächste Sprengkörper in die Luft geht. Wenn du Pech hast, und dir einer zum falschen Zeitpunkt vor die Füße rollt, kannst du nichts dagegen tun.

Deine Freunde und Familie mögen gerade noch neben dir gestanden haben, aber in diesem apokalyptischen Trubel können sie bereits im nächsten Moment außer Sichtweite geraten. Vielleicht nur für ein paar Sekunden, vielleicht so lange, bis ihr euch übers Smartphone wieder geortet habt. Solange du draußen bist, gibt es keine Möglichkeit, der Situation zu entkommen. Das Einzige, was jetzt helfen könnte, ist, wenn du dich in deinem Zimmer versteckst, die Decke über den Kopf ziehst und wartest, bis alles wieder vorbei ist.

Worum ging es gerade: um eine Kriegsszene oder Silvester um 00:00 Uhr?

Schwer zu sagen, oder? Die Beschreibung könnte beides meinen, und das, obwohl sich das traditionelle Neujahrs-Böllern grundlegend vom Kriegsgefecht unterscheidet: Die Sprengkörper werden nicht dafür benutzt, andere Menschen zu verletzen, sie sollen der Unterhaltung dienen.

In Deutschland kennen wir Kriegsszenerien nur aus Geschichtsbüchern, den Nachrichten, oder von Videoaufzeichnungen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 gab es in unserem Land nämlich keinen Krieg mehr. Damit geht es uns extrem gut, denn viele Länder der Welt sind seit Jahren oder sogar Jahrzehnten dermaßen von Krieg gezeichnet, dass allein 2018 über 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht waren, wie die UNO-Flüchtlingshilfe bekannt gab.

Das sind 70 Millionen Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause, nach Sicherheit, nach Freiheit, und nach den nötigsten Lebensgrundlagen. Und das nur 2018. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren einen jährlichen Zuwachs von über 100.000 Schutzsuchenden, nachzulesen in der Bundeszentrale für politische Bildung. Aktuell leben ungefähr 1,7 Millionen Flüchtlinge in Deutschland, was in etwa zwei Prozent unserer Bevölkerung entspricht.

Ein nicht zu vernachlässigender Teil dieser Menschen würden sich bei der eingangs geschilderten Szene nicht fragen, ob das jetzt Krieg oder nur Silvester ist. Etliche Menschen, denen in solchen Szenen die Familie zersprengt wurde, die Heimat zu Schutt bombardiert. Menschen, deren Frauen zwischen Rauch und Splitter vergewaltigt wurden, Eltern, deren Kinder von Granaten zerfetzt wurden. Menschen, die über Jahre in der ständigen Angst leben mussten, dass sich genau so ein Szenario entfaltet und ihnen von jetzt auf gleich alles raubt, was sie lieben. Menschen, die genau deswegen jetzt hier sind: Weil sie so nicht mehr leben können und die ewige Angst, ihre Verluste und den Schmerz endlich hinter sich lassen müssen.

Menschen, die an Silvester durch Feuerwerk und Böller unweigerlich mit traumatischen Erlebnissen konfrontiert werden, die sie eigentlich um alles in der Welt hinter sich lassen wollen.

Deshalb bin ich für ein Silvester in Stille. Ein friedliches, harmonisches Neujahrsfest, in dem die Menschen mit traumatischen Kriegserfahrungen in unserem Land spüren, dass es hier sicher ist. Ein Silvester, an dem alle Schutzsuchenden merken, dass wir Deutschen auf dem Schirm haben, was sie durchmachen mussten. Dass sie am 31. Dezember entspannen und mit ihren Liebsten zusammen feiern und darauf anstoßen können, dass sie hier und 2020 nichts zu befürchten haben. Deshalb bin ich gegen Knaller.

Ein Silvester in Stille als Zeichen unserer Gastfreundschaft und Sensibilität gegenüber vom Schicksal Gezeichneter.

Zur Aktion #ByeByeBöller

Mit der Aktion #ByeByeBöller will NOIZZ privatem Feuerwerk an Silvester ein Ende setzen – gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe und der Unterstützung von Musikern wie Capital Bra und Massiv sowie Instagram-Celebrities wie Alman Memes. Privates Feuerwerk schadet jedes Jahr zahlreichen Menschen und Tieren sowie der Umwelt allgemein. Deshalb muss damit jetzt endlich Schluss sein!

>> NOIZZ startet Aktion #ByeByeBöller: Schluss mit privatem Feuerwerk an Silvester!

Wie du #ByeByeBöller unterstützen kannst

Wenn auch du findest, dass die sinnlose Böllerei endlich abgeschafft gehört, unterschreibe auf Change.org die größte Petition gegen privates Silvester-Feuerwerk. Das geht ganz schnell: Du brauchst dafür noch nicht mal 'nen Login.

Außerdem kannst du an unserer Facebook-Veranstaltung "ByeByeBöller: Schluss mit privatem Feuerwerk an Silvester!"teilnehmen, um alle Updates zu diesem Thema zu kriegen.

Zusätzlich kannst du den Hashtag #ByeByeBöller benutzen, um auf Social Media gegen privates Feuerwerk an Silvester laut zu werden – vor allem auf Twitter und Instagram. Die besten Postings veröffentlichen wir Anfang Januar in einem eigenen Artikel.

Quelle: Noizz.de