Astronaut, Popstar oder Influencer – die Traumjobs aus unseren Kindheits- und Teenagertagen sind oft genau das: Träume. Der Realität halten sie spätestens im jungen Erwachsenenalter nicht mehr stand. Und das ist auch gut so, denn mal ehrlich: Was wollen wir denn im Weltall, wenn es hier unten auf der Erde so viel Wichtigeres zu tun gibt? Zum Beispiel Leben zu retten!

Die neun Alltagshelden und -heldinnen, die wir hier vorstellen, tun genau das und noch viel mehr! Wie 5,6 Millionen andere Beschäftigte machen sie Karriere im Gesundheitswesen in Deutschland, haben als Notfallsanitäter/in, Krankenpfleger/in oder Physiotherapeut/in täglich mit Blut, Tränen oder Schmerz zu tun. Für sie ist ihr Beruf mehr als nur ein Job.

Wir haben sie gefragt: Was wolltet ihr eigentlich als Teenager werden? Und warum habt ihr euch für euren heutigen Beruf entschieden?

★ ANNE, NOTFALLSANITÄTERIN ★

Anne: „An meinem Job liebe ich die Abwechslung, das Teamwork und die Flexibilität. Ich war mal live bei einer Sturzgeburt dabei – die Frau war noch sehr jung und wusste bis dato nicht, dass sie überhaupt schwanger war. Echt skurril!“ Dein emotionalstes Erlebnis? „Das war ein Einsatz, in dem eine Dame ihren Ehemann morgens verstorben im Bett aufgefunden hat. Sie waren knapp 60 Jahre verheiratet und wir wurden Teil des sehr emotionalen Abschieds. Auf der einen Seite voller Trauer und Tränen und auf der anderen voller Liebe, Respekt und Zuneigung“, erzählt Anne.

Was rätst du jungen Menschen, wie sie am besten herausfinden, welcher Job zu ihnen passt?

Anne: „In den Ferien zu jobben. Das füllt nicht nur den Geldbeutel, sondern man sammelt auch wertvolle Erfahrungen. Außerdem in den Bereichen Praktika zu absolvieren, die einen interessieren. Zudem kann ich ein Freiwilliges Soziales Jahr nur empfehlen.“

Moderator Thore Schölermann hat für die Kampagne „Mehr als nur ein Job“ des Bundesgesundheitsministeriums die neun Alltagshelden und -heldinnen an ihrem Arbeitsplatz besucht. Warum? Thore: „Ich möchte den jungen Leuten zeigen, dass es heute – abgesehen von Jobs, die vielleicht gerade ‚in‘ sind – wirklich Berufe gibt, die einem mehr geben, hinter denen mehr steckt, als man vielleicht erwarten würde.“

★ JULIUS, NOTFALLSANITÄTER ★

Julius: „Meine Kolleginnen und Kollegen sind wie eine zweite Familie für mich – wir unterstützen uns gegenseitig in brenzligen Situationen, in denen jeder Handgriff sitzen muss. Gemeinsam mit Kollegen habe ich zum Beispiel mal bei einer schwangeren Patientin zu Hause einen kleinen Jungen auf die Welt gebracht. Er heißt jetzt wie ich, Julius.“

Was war dein skurrilstes Erlebnis im Job bisher? Julius: „Eine Frau rief an und erzählte, Otto sei tot. Wir sollten schnellstmöglich kommen. Als wir am Haus der Patientin eintrafen, leitete sie uns in den Garten. Dort sahen wir ihren Hund Otto, der mit 15 Jahren in Ruhe eingeschlafen war.“

Was rätst du Teenies , wie sie am besten herausfinden, welcher Job am besten zu ihnen passt? Julius: „Ihr solltet euch ausreichend informieren. Macht das, was euch interessiert, woran ihr Spaß habt, nicht das, was alle machen oder wo man viel Geld verdient.“

★ JANINE, LOGOPÄDIN ★

„Am schönsten für mich war bisher die Therapie mit einem Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, der nach vielen Jahren jetzt wieder über einen Computer mit Augensteuerung kommunizieren kann“, erzählt Janine. Jungen Menschen, die überlegen, was der richtige Job für sie sein könnte, rät sie: „Informiert euch früh genug – es gibt viel mehr Berufe, als man immer so denkt.“

★ SAMAN, GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGER ★

Saman: „Ich arbeite auf der Intensivstation. Ich denke, den Job können alle ausüben – man muss nur Geduld, Empathie, Durchhaltevermögen und Team-Spirit mitbringen.“ Dein schönstes Erlebnis im Job bisher? Saman: „Ich durfte einen schwerkranken Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung begleiten! Die Dankbarkeit, die er mir entgegengebracht hat, war unbezahlbar.“

★ LENA, GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGERIN ★

Lena: „Ich habe in meinem Job wirklich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und wahrhaftig gebraucht zu werden. Im Krankenhaus findet das pure Leben statt. Ich bin gern dabei, wenn Patientinnen und Patienten es schaffen, Gefühle wie Traurigkeit, Freude, Ärger, Wut und Angst zuzulassen. Ich höre ihnen zu, bin für sie da und versuche, ihnen Verständnis zu vermitteln. Es ist toll zu sehen, wie sich ihre Gefühle verändern.“

Was rätst du jungen Menschen auf Ausbildungs- oder Jobsuche?

Lena: „Lasst euch nicht stressen! Hört auf euer Gefühl, welche Richtung euch interessiert und dann macht Praktika.“

★ SVENJA, PHYSIOTHERAPEUTIN ★

Svenja: „Mein schönstes Erlebnis hatte ich in der Kinder-Reha, wo ich sehen konnte, dass ein Kind durch meine Arbeit seinen Gang deutlich stabilisieren konnte und gelernt hat, allein Treppen zu steigen. Gerade für Kinder ist die Selbstständigkeit im Alltag, ob beim Spielen, Essen, Anziehen oder Gehen, für eine gesunde Entwicklung sehr wichtig, und dabei konnte ich helfen.“

★ BENEDIKT, PHARMAZEUTISCH-TECHNISCHER ASSISTENT ★

Benedikt: „Bevor ich mich für meinen Job entschieden habe, habe ich unzählige Berufsratgeber durchforstet, mir Infomaterial besorgt und gelesen. Bücher über Bücher. Ich hätte mich damals echt über ein paar kurze Videos gefreut, die mir den Alltag im Job zeigen. Zum Glück hatte ich Freunde, die bereits PTA waren und mir einiges berichten konnten.“

Was liebst du an deinem Beruf? Benedikt: „Die Abwechslung! Ich unterstütze meine Apothekerin und berate die Patienten in der Apotheke, stelle Arzneimittel selbst her, bin Ansprechpartner für Probleme und halte sogar Vorträge für Pflegepersonal. Durch diese Nähe zu meinen Mitmenschen, erfahre ich viel Lob, Wertschätzung und Anerkennung. Und das tut einfach nur gut.“

Wie finden junge Menschen ihren Traumjob? Benedikt: „Vergesst die Illusion vom perfekten Job, macht euch keinen Druck und probiert euch einfach aus. Kein Job ist perfekt. Es wird immer Dinge geben, die einen nerven oder ärgern. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um euch und darum, einen Beruf zu finden, der euch mit Freude in den Tag starten lässt und euch am Ende des Tages ein gutes Gefühl der Zufriedenheit gibt. Das ist für mich ein Traumjob.“

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★ CHRISTOPHER, LANDARZT ★

Christopher: „Hier auf dem Land wird man als Arzt mit einem sehr weiten Spektrum der Medizin konfrontiert, behandelt den akuten Notfall, wie z.B. einen Herzinfarkt oder den einfachen grippalen Infekt, aber auch kleine chirurgische Eingriffe und chronisch kranke Menschen gehören zum Alltag.“

Für wen ist dieser Job deiner Meinung nach geeignet? Christopher: „Beruf kommt ja von Berufung, und wenn man wirklich richtig Lust verspürt, Medizin zu studieren und als Arzt zu arbeiten, dann los! Fürs Studium muss man dann natürlich Disziplin und Motivation aufbringen.“

Dein schönstes Erlebnis als Arzt? Christopher: „Als ich eine ältere Frau erfolgreich wiederbelebt habe und sie ein paar Wochen später in einem Restaurant mit ihrer Familie zusammen wiedergesehen habe. Mein skurrilstes Erlebnis hatte ich allerdings während eines Praktikums in der Notaufnahme an der Uni-Klinik in Ulm: Da kam eine Frau, die wirklich an manchen Körperstellen magnetisch war. Hätte ich es nicht selber gesehen und miterlebt, hätte ich es nicht geglaubt. Am Ende stand die komplette Schicht vom Pfleger bis zum Oberarzt in dem Behandlungszimmer und hat gestaunt.“

Was rätst du jungen Menschen, die noch nicht den richtigen Job für sich gefunden haben? Christopher: „Ihr seid jung! Wenn es mit der ersten Ausbildung oder dem Studium nicht klappt, dann nicht den Kopf hängen lassen, das Arbeitsleben ist lang genug.“

★ KLAAS, LANDARZT ★

Klaas: „In meinem Job weiß man morgens nie, wie der Tag wird – man muss flexibel sein. Eine Patientin hat mich mal eine halbe Stunde angeschwiegen. Ich habe alles versucht, um sie zum Reden zu bewegen... vergebens.“ Mein schönstes Erlebnis? „Ich diagnostizierte bei einem Patienten einen Herzinfarkt und schickte ihn mit Rettungswagen und Notarzt in das nächste Krankenhaus. Nach einiger Zeit kam der Patient wieder zu mir und sagte, dass ich sein Leben gerettet hätte und er mir für immer dankbar sei.“

NACHGEFRAGT BEI MODERATOR THORE SCHÖLERMANN

Moderator Thore Schölermann hat für die Kampagne „Mehr als nur ein Job“ des Bundesgesundheitsministeriums neun Alltagshelden an ihrem Arbeitsplatz besucht

Was wolltest du als Teenie werden?

Thore: „Mir ging es wie vielen anderen auch – immer wieder sind mir neue Berufe eingefallen. Ich wollte in der Apotheke meines Vaters arbeiten, Forstwirt und Polizist werden, hatte ganz viele Sachen auf dem Schirm. Dann hab ich mich irgendwann dafür entschieden, das zu machen, worin ich gut bin: Und das war damals Klassenclown. Ich habe gedacht: ‚Okay, das macht mich happy, diesen Job mach’ ich professionell.‘ Und ein professioneller Klassenclown arbeitet im Fernsehen. Ich wusste, der Job muss meinen Lebensunterhalt finanzieren, aber ich muss mir auch vorstellen können, ihn mein ganzes Leben lang zu machen. Und das war bei diesem Beruf, nachdem ich ihn dann ausprobiert habe, auch wirklich der Fall.“

Was hoffst du, löst diese Kampagne „Mehr als nur ein Job“ in den Köpfen der jungen Leute aus?

Thore: „Ich hoffe, dass junge Leute von den Jobs überrascht sind, so wie ich, und merken, dass mehr dahintersteckt, als man vielleicht zuerst erwartet. Und dass sie sich deshalb entscheiden, sich die Berufe einmal näher anzuschauen. Denn ich glaube, dass Menschen, die in diesen Berufen arbeiten, wirklich dafür brennen und Bock drauf haben. Es würde mich total freuen, wenn wir durch die Einblicke, die wir mit unseren Besuchen bei den Menschen in ihren Jobs geben, das Interesse bei jungen Leuten für Gesundheitsberufe wecken.“

Was würdest du Teenies raten, wie sie am besten herausfinden, was ihr Traumjob ist?

Thore: „Meine Message ist: ‚Schaut euch den Job vorher mal an!‘ Selbst wenn er, so wie bei mir, nicht so ist, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich wollte mir den Job am Anfang auch einfach nur mal anschauen und hab dabei gemerkt: ‚Krass, das ist genau das, was mich happy macht.‘ Und deshalb mach ich das jetzt. Deshalb wäre mein Rat: Einfach ausprobieren, was euch interessiert, und auch darauf zu achten, dass sich eure Stärken in eurem Job wiederfinden.“

Gesundheitsberufe – mehr als nur ein Job!

Detaillierte Einblicke in den Alltag von Notfallsanitäter/innen, Landärzten/-ärztinnen & Co. mit Thore Schölermann und mehr Infos über die Welt der Gesundheitsberufe gibt es auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit unter mehralsnureinjob.de, auf Instagram, Twitter und YouTube.

Quelle: Axel Springer Brand Studio