Experte beantwortet alle Fragen zu Hitler, Nazis und Drogen

Larissa Königs

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In der Nazi-Führungsriege waren Drogen sehr beliebt – hier sieht man Adolf Hitler und Hermann Göhring. Foto: dpa picture alliance

Autor Norman Ohler steht bei Reddit Frage und Antwort.

Opiode, Methamphetamine, Schweine-Organe-Cocktails: Die Nazis waren, was Drogen angeht, ziemlich erfinderisch. Die Soldaten bekamen Chrystal Meth verabreicht, um wach zu bleiben – nur hieß es damals noch Pervitin. Hitler selbst ließ sich ominöse Schweine-Leichen-Substanzen spritzen und zog auch mal ein paar Linien Koks.

Es gibt also ganz schön viel über die Drogenvergangenheit der Nazis zu berichten. Das dachte sich auch Schriftsteller Norman Ohler und schrieb genau darüber das viel beachtete Buch „Der totale Rausch – Drogen im Dritten Reich”. Auf Reddit beantwortete er unter dem User-Namen „High Hitler” jetzt Fragen zu dem Thema. Hier ein paar der interessantesten:

Wie viel Kokain nahm Hitler?

Er nahm in der Zeit von Juli bis Oktober 1944 50 Mal Kokain. Es gibt einen Bericht von Dr. Giesing, der besagt, dass Hitler im Herbst 1944 fast eine Überdosis Kokain genommen hätte.

Hat Hitler Gras geraucht?

Hitler hat nie irgendwas geraucht. Marihuana war nicht beliebt bei den Nazis.

Wurde Hitlers Gesundheit schlechter, weil er so viele Drogen nahm? Gibt es dafür Beweise?

Ja, sie wurde tatsächlich schlechter. Die Nazi-Propaganda-Maschine hat versucht, das zu verheimlichen. Aber es gibt Material, das zeigt, wie derangiert Hitler und wie stark sein Tremor (Anmerkung der Redaktion: Zittern in der Hand) war.

Was war das Verrückteste, was du bei denen Recherchen gefunden hast?

Das steht im Kapitel „Schlachthaus Ukraine”. Darin geht es um Morell (Anmerkung der Redaktion: Theo Morell, Hitlers Leibarzt), der alle Organe von allen geschlachteten Tieren sammelte, verrückte Mischungen daraus kochte und sie dann an Hitler testete. Morell war ein Pionier – zumindest nannte Hitler ihn so. Er experimentierte gerne – genauso wie sein „Patient A”, so nannte Morell Hitler.

Zu der Zeit war Pervitin (Meth) sehr populär. Wie wurde es eingenommen?

In Form von Pillen.

Glaubst du, der Krieg wäre anders ausgegangen, wenn niemand Drogen genommen hätte?

Ich glaube, ja. Der Meth-Missbrauch der Wehrmacht war so schwer, und es passt zu der militärischen Strategie des Blitzkriegs. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie der Angriff gegen Frankreich ohne die Droge gewesen wäre. Meth gab den Nazis im Blitzkrieg einen Vorteil.

Wie gelangten die Drogen überhaupt an die Front?

Sie wurden von Medizinern ausgegeben. Sie erhielten im April 1940 das sogenannte „Stimulations-Dekret”, das ihnen sagte, wie viel sie austeilen sollten.

Wussten die deutschen Zivilisten von den Drogen?

Sie wusste nichts von Hitlers Drogenmissbrauch. Er wurde wie ein „gesunder Heiliger” präsentiert. Wussten die Zivilsten von dem Crystal Meth? Ja, denn viele nahmen es ja ein. Es war ja legal, nur hieß es eben Pervitin.

Waren Nachteile von Pervitin bekannt?

Das Unternehmen Temmler, das Pervitin herstellte, bestritt die Nachteile und lobte nur die „guten Effekte” von Meth. Erst später haben die Menschen realisiert, dass Meth eine Droge ist, die abhängig macht. Ab Mai 1942 war Pervitin in Deutschland illegal.

Wie ging man mit Abhängigkeit um? Gab es nach dem Krieg eine Krise, als es auf einmal kein Pervitin gab?

Die Armee versuchte, Programme für abhängige Soldaten zu schaffen. Aber sie scheiterten, weil sie keine Ressourcen hatten. Nach dem Krieg waren viele Soldaten noch abhängig. Viele Studien zeigen, dass der Pervitin-Gebrauch in Deutschland bis in die 50er Jahre sehr hoch war.

Das Militär heute benutzt Modafinil, ein Mittel für Schlaflosigkeit. Kennst du dich damit aus?

Ich habe zum ersten mal bei der Recherche zu „Der totale Rausch” von Modafinil gehört. Die Elite-Einheit der Bundeswehr setze es in Afghanistan ein, und ich glaube, dass auch US-Truppen es nutzen. Es ist wie Amphetamine, nur ohne das „High”. Sehr „effizient”, nehme ich an.

Quelle: Noizz.de

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