Können Fidget Spinner wirklich psychische Krankheiten lindern?

Gerrit-Freya Klebe

Poesie & Politik
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Der Fidget Spinner kann mehr als sich nur zu drehen Foto: Alessandro Della Valle / dpa picture alliance

Wir haben Experten gefragt

Fidget Spinner sind DIE neuen Trendspielzeuge. Auf vielen Interseiten steht, dass sie auch psychische Krankheiten lindern können: ADHS, Angststörungen, Autismus.

Doch kann das wirklich stimmen?

Angststörungen

Detlef Bärhold vom Jugendpsychologischen Institut in Essen sagt: „Ich halte nichts davon, so eine Neuerung als Wundermittel zu verkaufen.” Angstörungen seien zu komplex, um unter einem Begriff zusammengefasst zu werden und somit mit nur einer Methode therapiert zu werden. Dahinter verbergen sich nämlich differenzierte Prozesse und Dynamiken, die sich etwa in Phobien und kindliche Angststörungen unterteilen lassen.

Eine Therapie mit Fidget Spinnern könnte aber ein Element in der sogenannten Psychoimagination sein. Das funktioniert in etwa so: „Wenn kleine Kinder Angst haben, können ihnen zum Beispiel auch sogenannte Traumfänger helfen. Manche Mütter geben ihren Kindern auch ein gebrauchtes Nachthemd, damit sie besser schlafen können. Oder sie packen ein Bild von den Eltern ein, wenn es auf Klassenfahrt geht.”

In Essen sei es aber noch nicht als Therapie angekommen, es ist noch in der Entwicklung.

Autismus

Auch im Autismuszentrum der Stadt Essen kennt man Fidget Spinner noch nicht. Aber: „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, um Autismus zu therapieren.” So gibt es Patienten, die Kreisel als besonders beruhigend empfinden.

Da Autisten die Welt auf eine besondere Weise wahrnehmen, helfen vielen visuelle und akustische Signale, um sich abzulenken. Die Aufmerksamkeit konzentiert sich dabei auf Gegenstände wie Jojos, Knetkugeln oder Würfel mit rauen und unterschiedlichen Oberflächen. Auch Fidget Spinner würden in diese Reihe passen.

Die Experten betonen aber auch, dass es nicht eine einzige Strategie gibt. Was bei dem einen hilft, kann für den anderen schon wieder eine Reizüberflutung sein.

ADHS

Bei ADHS hingegen hält Detlef Bärhold die Therapie für ungeeignet: Der Fidget Spinner drehe sich zu schnell. Betroffene hätten ohnehin schon Probleme damit, sich zu konzentrieren und auf eine Sache zu fokussieren. Aber auch hier könnte es einzelne Patienten geben, bei denen es hilft.

Quelle: Noizz.de

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