Kann dieses Nasenspray Menschen vor dem Drogentod retten?

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Die kompakte Nasenspray-Form könnte schon bald Heroin-Überdosen akut lindern. Foto: pixabay

Ein harmloses Medikament kann lebensrettend wirken.

Die Pupillen sind verengt, die Atmung geht langsam und unregelmäßig, keine sichtbaren Reaktionen. Wenn Menschen in Deutschland an einer Überdosis sterben, sind meist Opioide im Spiel – etwa Heroin, Oxycodon, Tilidin oder Fentanyl. Stoffe, die etwa Schmerzen stillen und Ängste lösen, aber auch zum Atemstillstand führen können. Mehr als 700 Menschen starben 2017 bundesweit aufgrund von Opioid-Einflüssen. Dabei gibt es schon lange ein Medikament, das bei Opioid-Überdosen die Rettung sein kann. Das Notfallmedikament Naloxon ist eine Möglichkeit, die Schädigung des zentralen Nervensystems und den Tod zu verhindern. Bislang wurde es als Nischenmittel vor allem von Ärzten genutzt.

Doch nun soll das Mittel in Form eines Nasensprays auf den Markt kommen - die Deutsche Aids-Hilfe rechnet damit noch in diesem Jahr. Suchtexperten und Drogenpolitiker schätzen, dass durch die kompakte Form die Hemmschwelle, Menschen in Gefahr zu helfen, niedriger wird. Denn in Zukunft soll jeder die Arznei in der Form anwenden können. In den USA, wo es eine beispiellose Opioid-Krise mit tausenden Toten jährlich gibt, tragen viele Polizisten das Spray bei sich. In Kanada wurde das Mittel tausendfach als Notfall-Set abgegeben - eine Studie im Journal „The Lancet“ geht von Hunderten dadurch vermiedenen Todesfällen aus.

Nalaxon für alle?

Bislang dürfen Ärzte das Medikament nur Opioid-Konsumenten verschreiben, nicht aber potenziellen Ersthelfern wie Angehörigen, Sozialarbeitern oder Pflegekräften. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass man sich bei einer Überdosis nicht selbst helfen kann. Eine wichtige Voraussetzung für einen Naloxon-Einsatz wäre nach Daten des Instituts für Therapieforschung München durchaus gegeben: Bei fast jeder dritten Opioid-Überdosis gebe es einen Rettungsversuch, in fast jedem fünften Fall seien Dritte anwesend.

Ein Wundermittel ist die Arznei aber nicht, auch das betonen Ärzte. Sprühstöße in die Nase machen den Notarzt nicht überflüssig. Denn das Medikament hebt die Opioid-Wirkung nur kurzzeitig auf und kann Entzugssymptome auslösen. Jedoch kann das Nalaxon bei schnellem Einsatz Leben retten. Missbrauchspotenzial hat der Stoff laut Ärzten nicht.

Noch wird der Kaufpreis des Nalaxon-Sprays besprochen, zurzeit sind 45 Euro im Gespräch. Doch Suchthilfeorganisationen und auch Ärzte fordern, dass der Produktpreis weiter sinkt – damit auch NGOs die Kosten stemmen können.

[Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de

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