Warum du deine Laptop-Kamera immer abkleben solltest

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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Mittlerweile ist das Abdecken von Laptop-Kameras ganz gewöhnlich Foto: flickr / cafeida

Gruselige Fälle zeigen, dass das Abkleben nicht paranoid ist.

Whistleblower Edward Snowden, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und auch der Ex-FBI-Chef James Comey tut es. Sie alle kleben ihre Webcams ab. Also muss doch mehr dahinterstecken als die paranoiden Ängste von Tech-Nerds. Oder?!

Wir erklären dir in der neuen NOIZZ-Reihe, wie du Stück für Stück deine Privatsphäre zurückgewinnen kannst: Beim SurfenMailen, auf dem Smartphone und im Messenger. Heute geht es um die Frage, was das Abkleben der Laptop-Kamera eigentlich bringt.

Keine Paranoia

Um eines vorwegzunehmen: Nein, paranoid sind die Männer nicht. Vielmehr wissen sie aus ihrer Position heraus ganz genau, welche Gefahren Kameras und Mikrofone in unseren Laptops und Smartphones bergen.

Tatsächlich wurden bisher auch einige Fälle bekannt, bei denen die integrierten Aufnahmegeräte ungefragt genutzt und missbraucht wurden.

Schon 2010 wurde bekannt, dass die Laptops einer High School in Pennsylvania ungefragt Fotos von Schülerinnen und Schülern machten, die die Geräte mit nach Hause nahmen.

2013 kam es zu einigen Fällen, bei denen Hacker sich in die Computer von Opfern wählten und diese heimlich filmten.

Kamera funktioniert auch ohne Lämpchen

Im gleichen Jahr zeigte eine Studie der Johns Hopkins University, über die die „Washington Post" berichtete, wie Hacker die Kamera von Laptops aktivieren können, ohne dass das kleine Licht die Aufnahme signalisiert.

Demnach hat beispielsweise Apple eine Hardware eingebaut, die das LED-Licht fest mit der Kamera koppelt. Eigentlich sollte es also nicht möglich sein, dass sie Aufnahmen macht, ohne, dass der Nutzer es mitbekommt.

Doch die Studienautoren haben es geschafft, in MacBooks die Chips umzuprogrammieren, um diese Kopplung aufzuheben.

Gegenüber „Techbook“ bestätigte Maik Morgenstern von AV-Test: „Oft ist die Webcam separat von der LED steuerbar. Schadsoftware wird dann versuchen, Aufnahmen zu tätigen, ohne dass die LED leuchtet“.

Technisch ist die Kaperung möglich …

Es ist also möglich, dass sich Hacker Zugriff auf deinen Rechner verschaffen und dich, deine Umgebung und deine Aktivitäten abfilmen. Es ist unbestritten, dass die „feindliche Übernahme“ von Webcams und Mikrofonen technisch möglich ist.

2016 ging sogar eine Suchmaschine ans Netz, die nach ungesicherten Überwachungskameras suchte. Auch wenn es sich nicht um Laptop-Kameras handelte, zeigt der Fall, wie gefährdet solche Geräte zu Zeiten des „Internet of Things“ sind.

Die Frage bleibt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass man selbst Opfer eines Hackingangriffs oder einer Überwachungsmaßnahme wird.

… leider nicht allzu unwahrscheinlich

Wie schnell das geht, wurde 2014 deutlich. Der „Guardian“ berichtete mit Berufung auf Snowden-Dokumente, dass der britische Geheimdienst GCHQ jahrelang Webcam-Bilder von Yahoo-Nutzern abgegriffen hatte. Alleine 2008 habe der Geheimdienst Standbilder von 1,8 Millionen Yahoo-Nutzern abgegriffen – weltweit.

Dabei geht es gar nicht darum, ob man etwas Verbotenes tut oder nicht. Es geht auch nicht nur um die Privatsphäre. Denn wenn du beispielsweise deinen Laptop mit auf die Arbeit nimmst, könnten Online-Diebe auch Betriebsgeheimnisse mitbekommen.

So kannst du die Kamera abdecken

Wenn ihr euch also entscheidet, die Kamera abzukleben, wenn ihr sie nicht nutzt, solltet ihr einige Punkte beachten.

Damit ihr beim Skypen keine weißen Schleier seht, solltet ihr ein Klebeband verwenden, das sich rückstandslos entfernen lässt.

Noch besser ist es, wenn ihr einen Papierschnipsel auf die Kamera legt, den ihr mit einem Klebebeand rechts und Links vom Kamera-Punkt befestigt. So bleibt die Fläche garantiert unbeschadet.

Im Handel gibt es mittlerweile auch Plastik-Abdeckungen, die ihr gar nicht mehr abmachen müsst. Stattdessen lässt sich die Kamera durch eine Schiebebewegung freilegen.

Abkleben alleine reicht nicht

Wer denkt, dass es mit dem Abkleben getan ist, irrt. Eigentlich müsste auch das Mikrofon abgeklebt werden, um sich vor einem möglichen, heimlichen Abhören zu schützen.

Außerdem ist eine aktuelle Antivirensoftware Pflicht. Diese erkennt, wenn ein Trojaner auf dem Rechner landet, der es möglicherweise auch auf die Kamera oder das Mikro abgesehen hat.

Das alles gilt auch für das Smartphone. Um die Sicherheit auf dem Gerät, das wir mittlerweile alle rund um die Uhr mit uns tragen, geht es in einer der kommenden Folgen dieser Reihe.

Fazit

Das Abkleben der Laptopkamera ist keine paranoide Handlung. Zahlreiche Fälle der letzten Jahre haben gezeigt, dass der eigene Computer sowohl gehackt als auch von Geheimdiensten überwacht werden kann. Ein kleiner Schnipsel ist zwar kein Allheilmittel, bringt aber auf eine sehr einfache Weise zumindest etwas mehr Sicherheit.

Quelle: Noizz.de

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