Warum dir Gehaltsstudien egal sein sollten

Adrian Arab

Politik, Bizz & Running
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Mit welchem Job hat man wohl die besten Gehaltsaussichten? Foto: Andrey Kiselev / Fotolia

Die Jobbörse Stepstone hat wieder seinen Gehaltsreport rausgebracht, in der sie 60.000 Menschen befragte. Warum solche Berichte wenig aussagen:

Die Kurzantwort: Die Ergebnisse sind sehr erwartbar.

Ärzte verdienen am besten (durchschnittlich 82.700 Euro im Jahr), Ingenieuren geht's ebenfalls gut (65.200 Euro) und Juristen sind auch keine von Armut bedrohte Spezies (62.400Euro).

Ein Uni-Abschluss ist Gold – oder Geld – wert, der Master ist das Sahnehäubchen für den Lohnzettel.

Hessen verdienen am meisten, Sachsen-Anhaltiner am wenigsten, Wessis mehr als Ossis.

Wer richtig fett verdienen will, sollte Medizin studieren, wer mit Wasser und Brot zufrieden ist, studiert am besten Design, Kultur- oder Geisteswissenschaften. Und wem Wasser reicht, der studiert Erziehungswissenschaften.

Ist das wirklich so? Welche Aussage hat die Gehaltsstudie?

Geld macht nicht glücklich, aber kein Geld unglücklich. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, einen Job zu finden, in dem der Preis und die Leistung in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Aller Statistiken zum Trotz geht das auch in Branchen, die der Gehaltsreport an der (Fast-)Armutsgrenze einordnet.

Gutes Geld kann man auch ohne Studium verdienen Foto: Rochelle Nicole / unsplash.com

Noch immer haben 50 Prozent der Vorstandsvorsitzenden in den größten Unternehmen Deutschlands BWL studiert, sind Ingenieure (19 Prozent) oder finden sich im Paragrafendschungel zurecht (Jura: 13 Prozent).

Klingt so, als müsste man nur dem Gehaltsreport folgen, um viel zu verdienen!?

So sehen Verlierer aus

Nun ja, gemessen am Gehaltsreport müsste Dieter Nuhr betteln. Der hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann – glaubt man dem Gehaltsreport. Studierte Geschichte (Geisteswissenschaft? Schlecht!), arbeitete in Nordrhein-Westfalen (höchstens Mittelmaß) und hat keinen Master. Finanziell zu scheitern war in dieser Karriere vorprogrammiert!? Unsinn, heute ist sein finanzieller Erfolg unbestritten.

Es geht noch schlimmer

Günther hat das Jurastudium abgebrochen, „Neue Geschichte und Politik“ (Geisteswissenschaft!!!!) studiert und eine Ausbildung zum Journalisten gemacht. Heute hat er ein Vermögen von 60 Millionen Euro. Die Rede ist von Günther Jauch.

Was beide Beispiele vereint? Jauch und Nuhr sind gut in dem, was sie machen. Wer heute Kohle haben will, muss gut in seinem Fach sein, oder – noch besser – seine Nische finden – das gilt für alle Branchen.

Sicherlich erhöht ein Wirtschaftsstudium die Chance auf ein hohes Gehalt – deshalb ist die Studie nicht falsch. Falsch denkt nur, wer sie allzu ernst nimmt und sein Berufsglück in Studien sucht.

Quelle: Noizz.de

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