Das passiert in deinem Gehirn, wenn du pornosüchtig bist

Stefan Wittmann

Politik, Sport, Gesellschaft
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Symbolbild Foto: Petrov Denis / fotolio

Laut Experten sind fünf Prozent der Deutschen süchtig nach Pornos.

Dabei handelt es sich allerdings nur um die Dunkelziffer. Amtliche Erhebungen gibt es keine, denn Porno-Sucht wird noch nicht als eigenständige Krankheit klassifiziert.

Jugendliche besonders gefährdert

Gefährlich kann die Sucht nach Pornografie vor allem für Heranwachsende sein, wie die Münchner Sexualtherapeutin Heike Melzer in der Stuttgarter Zeitung sagte: „Je früher und öfter das Gehirn mit Pornofilmen in Kontakt kommt, desto nachhaltiger wird es verändert.“

Gegenüber Noizz erklärt Melzer: „Es reicht schon regelmäßiger Kontakt mit Pornos, um die Gehirnstruktur zu verändern. Jugendliche schauen sich die Filme beispielsweise vor und nach der Schule auf ihrem Smartphone an. Da kommen schnell ein bis zwei Stunden am Tag zusammen.“

In ihrer Praxis bekommt es die Sexualtherapeutin auch mit Extremfällen zu tun. „Es gibt Patienten, die sich in einer Woche etwa 40 Stunden Pornos ansehen.“

Suchtfaktor Porno

Ein anderer Punkt ist die Selbstbefriedigung beim Porno-gucken: der Suchtfaktor ist enorm. Beim Orgasmus werden im Gehirn Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Endorphine ausgeschüttet.

Laut Melzer sorgt vor allem das Dopamin dafür, dass Süchtige immer wieder das Verlangen bekommen, ihrer Sucht nachzugehen. „Es wirkt sich auf das Belohnungszentrum des Gehirns ähnlich positiv aus wie die Einnahme von Kokain.“

Genau wie beim Drogenjunkie reicht der Porno-Rausch irgendwann nicht mehr aus – mit Konsequenzen für das Privatleben. Laut Studien haben viele Betroffene kein Interesse mehr an partnerschaftlichem Sex und erleiden Orgasmus- oder Erektionsstörungen.

Melzer warnt: „Die eigene Hand steuert Druck und Timing perfekter als eine Vagina und Beckenbewegungen der Partnerin. Hinzu kommen beim Pornoschauen extreme visuelle und akustische Reize, auf die man konditioniert werden kann.“

Veränderung der Gehirnstruktur

Diese benötigte Toleranzsteigerung hat biochemische Gründe: Durch häufige Selbstbefriedigung kommt es zur vermehrten Dopamin-Ausschüttung im Gehirn. Im Belohnungszentrum wird weniger vom Botenstoff Dopamin produziert. Die Anzahl der Dopaminrezeptoren verringert sich. Das Ergebnis: Die „Droge” wirkt schwächer.

Zusätzlich kann es im Gehirn zu sogenannten Suchtstraßen kommen. Melzer erklärt: „Bei langjährigem Konsum können irreparable Veränderungen im Gehirn dazu führen, dass auch nach längerer Abstinenz schon bei geringem Pornokonsum hohe Rückfallraten mit Kontrollverlust unvermeidbar sind.“

In einer wissenschaftlichen Studie der Entwicklungspsychologin Simone Kühn und dem Hirnforscher Jürgen Gallinat wurden 64 Männer im Alter zwischen 21 und 45 Jahren untersucht. Die Forschungsergebnisse:

  • Porno-sehen lässt bestimmte Teile des Gehirns schrumpfen
  • Porno-Süchtige stumpfen mit der Zeit ab und brauchen immer krassere Stimulationen

Allerdings ist bisher nicht erforscht, ob die geringere Anzahl an grauen Zellen durch Pornos zustande kommt oder eventuell sogar der Auslöser für eine Porno-Sucht sein könnte. Diese „Zusammenhänge müssen weiter erforscht werden“, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: Noizz.de

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