Warum Österreichs Kanzler Pizza ausliefert

Gerrit-Freya Klebe

Poesie & Politik
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Österreichs Bundeskanzler liefert Pizza aus Foto: SPÖ / Facebook.com

Nicht allen Wählern schmeckt diese Aktion ...

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern verkleidet sich und arbeitet bei einem Lieferdienst. Er ist 51 Jahre alt, gehört zur Partei SPÖ und spielt einen Abend lang Pizza-Bote. Warum?

In dem Video auf der Facebook-Seite sagt er, dass er wissen will, was die Leute bewegt und was er verbessern kann. Und natürlich will er Wahlkampf machen, denn im Herbst 2018 wählen unsere Nachbarn eine neue Regierung. Passenderweise ist seine Jacke rot, denn die SPÖ ist das österreichische Pendant zur SPD.

Das Video wirkt gestellt und an vielen Stellen geskriptet. Keiner kritisiert Kern, die Welt ist heil. Der Bundeskanzler liefert nur ein paar Pizzen aus, setzt sich dann immer zu den Kunden mit an den Tisch und isst selbst ein Stück Pizza und trinkt Wein dazu.

Die Arbeitsbedingungen sind nicht sehr realistisch, ein richtiger Pizzabote arbeitet viel hektischer, hat mehr Stress und sicher nicht die Zeit, noch ein Stück mitzuessen. Der Bundeskanzler hat es schon darauf angelegt, erkannt zu werden.

Authentischer wäre es, wenn er sich verkleidet hätte, vielleicht noch einen Bart aufgeklebt hätte und dann wirklich ungefiltert die Meinungen gehört hätte. Doch inzwischen wurde das Video auf Facebook 750.000 Mal angeklickt und fast 1000 Mal geteilt.

Ein User kommentiert: „Wahnsinn der Typ. Ein Kanzler wie man ihn sich wünscht. [...] So macht man gerne wieder sein Kreuzerl bei der SPÖ.”

Doch nicht alle sehen das so positiv, eine Userin meint: „Da fliegt uns gerade die halbe Welt um die Ohren und unser Kanzler führt Pizza aus – ich kann es kaum fassen!”

Bundeskanzler Kern auf dem Programmparteitag der SPÖ Foto: APA Expa Stefan Adelsberger / dpa picture alliance

Kern legt es schon darauf an, gut dabei wegzukommen und sich und seine Partei in ein gutes Licht zu stellen. Doch die Grundidee dahinter finde ich gut.

Politiker aus der Bundespolitik haben oftmals kaum Zeit, mit Wählern zu reden und wirklich ihre Probleme kennenzulernen. Vielen scheint die Bürgernähe verloren gegangen zu sein, was wohl auch ein Grund ist, weshalb sich immer weniger Leute für Politik interessieren und die Wahlbeteiligung sinkt.

Wenn Politiker – auch hier in Deutschland – den Leuten wieder mehr das Gefühl geben, ihnen zuzuhören und ihre Probleme ernst zu nehmen, würde es vielleicht nicht mehr diese Politikverdrossenheit geben.

Außerdem nutzt Kern die sozialen Medien, um seine Aktion öffentlich zu machen. Ein guter Weg, um gerade auch junge Leute zu erreichen.

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist: Ich würde mir wünschen, dass Frau Merkel auch mal Pizza ausliefert und sieht, wie es wirklich ist, sich für einen Mindestlohn abzuhetzen. Ihrer Politik schaden würde es sicher nicht.

Quelle: Noizz.de

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