Social-Media-Experte: „Martin Schulz ist durch die Memes nun fast überall bekannt“

Alina Leimbach

Pop & Politik
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King of Pop-Kultur: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Foto: Martin ,Maccabre‘ Chulz! / Reddit

Der Hype um SPD-Mann Martin Schulz ist enorm – Politikwissenschaftler Kay Hinz erklärt ihn uns.

Seine Frisur und sein Bart sind seit 40 Jahren gleich – nur eben lichter und etwas grauer. Hochdeutsch spricht er nicht: Martin Schulz wirkt auf den ersten Blick so, als würde er SPD-Ortsvorsteher sein, nicht unbedingt wie ein Kanzlerkandidat.

Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, hat der SPD-Kanzlerkandidat schon kurz nach seiner Ernennung einen Social-Media-Hype ausgelöst.

Auf Reddit findet gerade sogar ein Martin-Schulz-Meme-Contest statt!

Doch was bringen diese teils gar nicht ernst gemeinten Memes überhaupt? Und: Wie lange wird der Hype anhalten? Wir haben beim Politikwissenschaftler und Social-Media-Experten Kay Hinz nachgefragt.

NOIZZ: Herr Hinz, wird das so weitergehen mit täglich neuen Schulz-Memes?

Kay Hinz: Ich rechne nicht damit, dass der Hype ewig anhält. Aber man weiß nie, das ist Event-abhängig. Und Martin Schulz hat schon gewisse Authentizität und polarisiert. Das braucht man für ein Meme.

NOIZZ: Könnte es also nur eine Art One-Night-Stand mit Schulz gewesen sein?

Hinz: Nein, selbst wenn das abflacht, kann so ein Hype deutliche Auswirkungen haben. Martin Schulz ist durch die Memes nun fast überall bekannt. Vor allem bei jüngeren Menschen und bei Leuten, die eben nicht auf Spiegel Online und Co. gehen, um sich zu informieren.

NOIZZ: Kommt die Politik so auch bei der Generation iPhone besser an?

Hinz: Genau, gerade bei jüngeren Leuten und Menschen, die sich nicht so mit Politik befassen, aber durchaus Interesse daran hätten, weckt so etwas Aufmerksamkeit. Bei Leuten, denen Politik ohnehin egal ist, nicht. Aber sobald nur ein leichtes Interesse besteht, kann so ein Social-Media-Hype schon stark mobilisieren.

NOIZZ: Aber die Memes sind ja alle null ernst gemeint. Mit echten Inhalten hat das doch nichts zu tun.

Hinz: Es ist ja überhaupt erst einmal ein Kontakt mit dem Thema Politik. Wenn man dann die Seite von Martin Schulz beispielsweise liket, bekommt man schnell auch echte Inhalte mit.

NOIZZ: Und warum gerade Martin Schulz?

Hinz: Es war natürlich zum einen der Überraschungsfaktor. Er kam wie aus dem Hut gezaubert. Dazu kommt, dass er nicht der typischste Politiker ist. Er hat Ecken und Kanten. Das überspitzen die Memes natürlich. Bei Angela Merkel würde das so nicht funktionieren.

NOIZZ: Wird die Wahl also im Netz entschieden? Das liegt ja auch nahe, wenn man sich die USA anschaut.

Hinz: Die Wahl wird noch nicht durch das Netz entschieden. Allerdings konnte man schon bei den letzten Wahlen sehen, dass das Web 2.0 immer wichtiger wird und den Wahlkampf prägt: 2-3 Prozentpunkte kann das Internet bei den Stimmen ausmachen - im Positiven und im Negativen. Gerade wenn es knapp wird, kann das durchaus einen entscheidenden Effekt haben.

Quelle: Noizz.de

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