Brexit: Weil ich England liebe, weint mein Herz heute

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Jetzt ist es passiert: Theresa May hat den Austritts-Wunsh Großbritanniens unterschrieben und an die EU weitergereicht. Foto: Christopher Furlong / dpa picture alliance

Liebes Großbritannien, wieso musstest du mir das antun?

Ich bin zwar keine britische Staatsbürgerin, aber für mich ist heute ein Trauertag. In meinem Inneren trage ich schwarz, mein Union Jack hängt heute auf Halbmast und ich habe heute morgen nur halb so freudig wie sonst den Kaffee aus meiner obercoolen Union-Jack-Queen-Tasse getrunken.

Das macht heute alles keinen Spaß Foto: privat

Heute, am 29. März 2017 hat sich Großbritannien offiziell von der EU scheiden lassen. Es wird wohl ein Rosenkrieg um Milliarden Euro und weitere Vorzüge. Was mich das als Deutsche juckt? Nun ja, zum einen sehe ich mich selber als Europäerin und zum anderen schlägt ein kleines britophiles Herz in mir.

Das fing schon im Kindergarten-Alter mit meiner Liebe zu Paddingon Bär an (der ürbigens eine großartige Parabel gegen Fremdenhass in Großbritannien ist), machte Zwischenstation mit meinem ersten Schüleraustausch in Brighton mit 16, meiner manifestierten Liebe zur britischen Indiemusik mit Bands wie The Kooks oder Arctic Monkeys und gipfelte in meinem Anglistikstudium.

Wenn man sich akademisch mit Großbritannien befasst, kommt man nicht um den Fakt herum, dass das mit der EU und dem UK schon immer eine Hassliebe war. Irgendwie waren sie dabei, aber eigentlich haben sie es auch nie richtig gemocht. Liegt vielleicht daran, dass sie eine Insel sind.

Während meines Studiums war ich oft im UK. Vor allem im Zentrum der politischen Macht London, aber auch im Nordwesten, quasi dem Ruhrgebiet Englands. Die Region um Newcastle ist unter anderem mit Schuld daran, dass diese Scheidung von der EU jetzt passiert.

Ich liebe die Menschen dort und ihre Kultur, die irgendwo zwischen Geordie Shore-Trash und nordenglischen Dialekt-Schätzen liegt. Ich verstehe nicht, wie sie gegen die EU sein können. Denn die Dinge, die sie oft an ihrer Region preisen, werden durch die EU weiterhin geschützt und subventioniert. Aber das ist ein anderes Thema.

Nachdem dieser erste, schwere Schritt vollzogen ist und Theresa May das Ausscheid-Gesuch nach Brüssel geschickt hat, wird mir vollendst bewusst, dass es das jetzt war. Da Großbritannien eh nicht im Schengen-Raum war, hat das Einreisen sowieso schon eine halbe Ewigkeit gedauert. Wenn es jetzt tatsächlich einen harten Brexit gibt, also ohne jegliche Anbindung an EU-Organisationen, wird es wohl in Zukunft noch länger dauern.

Und wird mein heißgeliebter Breakfast-Tea jetzt teurer? Darf ich weiterhin meine coolen England-Must-Have-Produkte, wie Orangen-Marmelade, Short-Bread, Whiskey etc. in Unmengen ausführen? Was wird mit all den Erasmus-Studenten und den anderen EU-Bürgern, die im UK arbeiten? Auch ich hätte mir vorstellen können, eines Tages in Großbritannien zu arbeiten. Ob das jetzt noch so problemlos geht, keine Ahnung.

Ich erinnere mich noch an den Tag des Referendums. Das war der 23. Juni 2016. Ohne Scheiß, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich habe mich hin- und hergewälzt. Großbritannien und dessen Zukunft in der europäischen Gemeinschaft gingen mir ans Herz – und auch all die jungen Briten, die das bewahren wollten.

Immer wieder habe ich zwischen durch die Live-Berichterstattung der BBC angemacht, es gab elendig lang kein Ergebnis. Und dann irgendwann so gegen 5 Uhr morgens, die Push-Mitteilung auf meinem iPhone: Grobritannien stimmt für einen EU-Austritt. Mir stießen die Tränen in die Augen.

Es war eine sentimentale Michung aus all dem, was ich kulturell mit Großbritannien verbinde und welche Erfahrungen ich selber in diesem Land gemacht habe. Ich dachte nur: Unfassbar. Man seid ihr dumm! Und heute ist wieder so ein Tag. Farewell!

Quelle: Noizz.de

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