WhatsApp hat ein neues Update bekommen – und wir finden es kacke! Foto: dpa picture alliance

Wir wollen das alte WhatsApp zurück!

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
Teilen
5.2K
Twittern

Weil der Messenger mit dem neuen „Status“ seine Unschuld verloren hat ...

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Facebook-Chef Mark Zuckerberg Snapchats ureigene Stories-Funktion auch bei WhatsApp integriert. Bei Instagram hatte er das schon vor einem halben Jahr gemacht; jetzt hat auch Deutschlands beliebtester Messenger das Feature.

„Halt! Stopp!“, schreien viele WhatsApp-User – zumindest auf der Facebook-Seite von NOIZZ. „Ich will das alte WhatsApp zurück!“ – „Was soll der Scheiß?“

Sie haben recht.

Denn nur weil Zuckerberg Snapchat besiegen will, heißt das nicht, dass er all seinen Apps der Reihe nach Gewalt antun muss. Das heißt nicht, dass er die Stories-Funktion nicht adaptieren kann. Snapchat hat sie zwar erfunden, aber jetzt ist sie in der Welt und geht nicht mehr weg. Und theoretisch kann jeder sie benutzen. Aber was Mark Zuckerberg jetzt macht, fühlt sich falsch an und nimmt seinen Apps ihren bisherigen Charme.

Mit Instagram Stories nahm das Unheil seinen Lauf

An Instagram liebten wir den niemals endenden hochglänzenden Strom von meist quadratischen Bildern – sorgsam kuratiert, ohne bunten Text, quietschige Emojis oder schrille Kritzeleien, losgelöst von Raum und Zeit, ohne Geofilter oder Geschwindigkeitsangabe.

Und auch wenn mittlerweile vor allem ältere Snapchat-User zu Instagram übergelaufen sind, merkt man, dass dort besonders Ureinwohner mit der Stories-Funktion nicht viel anfangen können. Sie benutzen sie wie ihren normalen Fotostream, posten ab und zu zwei, drei Fotos, unzusammenhängend und ohne Handlungsstrang. So erzählt man keine Geschichte, das ist keine Story im eigentlichen (Snapchat-)Sinn.

Instagram hat es immer noch nicht geschafft, Stories bei sich richtig zu integrieren. Das Feature fühlt sich irgendwie an wie der coole, jüngere Cousin, der dem eleganteren, älteren einen Besuch abstattet.

WhatsApp Status sieht aus wie Windows 95

Aber: Immer noch besser als WhatsApp Stories, äh, Status! WhatsApp Status fühlt sich einfach komplett falsch an. Schon der Name. Die Mehrzahl von Status ist übrigens Status – mit langem U. Das klingt beknackt. Nach Großem Latinum. Und macht mega Unlust, es zu benutzen.

Die Mehrzahl von Status ist übrigens Status – mit langem U Foto: dpa picture alliance

Und dann wie es aussieht. Wie Windows 95. Was kommt als nächstes: Teletext Stories? All das, was Snapchat so charmant macht, fehlt. All die tollen, einzigartigen Ortsfilter, oft von Usern selbst entworfen. Die immer wieder neuen, lustigen Selfiefilter. Die Snapchat-eigenen Emojis. Von Bitmojis gar nicht erst zu sprechen.

WhatsApp Status sieht noch sachlicher aus als Instagram Stories – und das ist nicht leicht.

WhatsApp war unser Rückzugsort

Allein, es geht nicht nur um Äußerlichkeiten, es geht um noch viel mehr. WhatsApp war bisher unser Rückzugsort. Wir hatten dort unsere Familien-, Freundes- und Kollegengruppen, denen wir lustige Namen gaben und die wir fein säuberlich trennten. Wir hatten das Gefühl, die Kontrolle zu haben über die Infos die wir dort teilten.

Mit Status ändert sich das. Plötzlich sehen wir Geschichten von Leuten, die wir niemals sehen wollten. Und Leute – Zufallskontakte von irgendwann, die Ex, deren Nummer wir niemals löschten, der Chef – schauen sich unsere Story an, obwohl wir sie ihnen nie zeigen wollten.

Natürlich können wir rein theoretisch bestimmen, wer sie sich anschauen darf. Und wie sagte Google-Chef Eric Schmidt einst: „Wenn es etwas gibt, von dem du nicht willst, dass es irgendjemand erfährt, solltest du es vielleicht ohnehin nicht tun.“

Aber das ist Quatsch. Das entspricht nicht der Wirklichkeit. Wer macht das schon. Und wenn: Wer behält schon den Überblick. Und wer will sich vorwerfen lassen, Bekannte oder Kollegen auszugrenzen. WhatsApp hat seine Unschuld verloren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das Problem ist, dass wir WhatsApp Status erst mal nicht mehr los werden, egal, wie laut wir uns echauffieren. Und damit nicht genug: Mark Zuckerberg wird uns die Stories-Funktion auch bei Facebook unterjubeln – er testet das ja gerade in Irland. Und das, Facebook Stories, könnte wirklich der Todesstoß für Snapchat sein. Denn wenn eine hammer Story viral geht, geliket, geteilt und kommentiert wird, erreicht sie mehr Menschen als die Geister-App.

Und dann machen plötzlich alle Facebook Stories. Und dann gute Nacht, Evan Spiegel. Aber dann vielleicht auch gute Nacht, Instagram Stories! Und WhatsApp Status! Hach, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Themen

WhatsApp Snapchat Update Status Instagram Mark Zuckerberg Evan Spiegel
Kommentare anzeigen

Auch spannend

Mehr