Dieser Trojaner fickt deinen Computer fair

Miron Tenenberg

1000 Berlin XX
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Hacking Foto: Johan Viirok / flickr.com

Pervertierte Netzgerechtigkeit im Darknet.

WannyCry sorgte am vergangenen Wochenende für viel Aufregung und digitale Zerstörung. Computer waren plötzlich verschlüsselt und gesperrt. Den überraschten Usern wurde auf weinroten Bildschirmen eine Summe von 300 US-Dollar in Bitcoins abverlangt, um wieder an die Daten zu gelangen.

Nach drei Tagen würde die Summe für die Entschlüsselung der Daten verdoppelt und auf 600 Dollar anwachsen. Eine Woche nach nach Infektion des Systems hätte man keine Chance mehr, die Daten zu wiederzuerlangen. Perfiderweise lief noch ein Countdown auf dem Bildschirm ab. Klassische Erpressung eben.

Die Ransomware – also Virenprogramme, die per Lösegeld unschädlich gemacht werden können, – hat Computersysteme auf der ganzen Welt befallen. Es ist bisher der größte Virenangriff der Geschichte.

Zynisch wird von den Erpressern darauf hingewiesen, dass für arme Leute, die sich das Lösegeld nicht leisten können, in sechs Monaten kostenlose Events stattfinden sollen. Was sich dahinter verbirgt, bleibt unklar.

Geschäftsmodell?

Ein Problem hat das ganze System aber: Es ist nicht gesagt, dass die Hacker ihr Geld auch wirklich bekommen. In Ländern wie Simbabwe, das auch von WannaCry befallen wurde, liegt das monatliche Durchschnittsgehalt bei umgerechnet unter 100 Euro, in Deutschland bei über 3000 Euro.

Wer also großflächig erpressen möchte, sollte darauf achten, dass die Erpressten auch fähig sind, das Geld zusammen zu kriegen.

Das hat auch ein Händler im Darknet erkannt und bietet dort die Ransomware „Fatboy“ als Miet-Service (RaaS – Ransomeware as a Service) an. Du kannst den Trojaner nutzen und die Erlöse auch gleich einstecken. Vor allem ermittelt der Virus den Standort des infizierten Computers und richtet die Höhe des Lösegeldes an den Bic-Mac-Index aus. Die Theorie dahinter: Der Big Mac ist in jedem Land identisch, kostet aber überall unterschiedlich viel Geld. Daraus lässt sich ableiten, welches die armen und reichen Länder sein müssen.

Big Mac günstig – wenig Lösegeld; Bic Mac teuer – viel Lösegeld. So lautet die ebenso einfache wie beschissene Rechnung.

Durch Fatboy wirst du also auf faire Art und Weise erpresst. Herzlichen Glückwunsch zur Errungenschaft der sozialen Gerechtigkeit, liebe Hacker und Hackerinnen. Alle anderen Trottel müssen halt ein halbes Jahr warten, bis sie auf irgendwelchen fadenscheinigen „Events“ den Freischaltcode erhalten.

Und nicht vergessen: Danke sagen!

Quelle: Noizz.de

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