Kollegah und Farid Bang haben den Echo endgültig gekillt

Alena Struzh

Pop, Food und Feminismus
Teilen
72
Twittern
Den Echo, so wie wir ihn bis jetzt gekannt haben, wird es nicht mehr geben. Foto: Christian Charisius / dpa

Die Organisatoren knicken nach dem Antisemitismus-Skandal ein.

Nun ist es amtlich: Der Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie hat nach einer Sondersitzung beschlossen, dass der größte deutsche Musikpreis in seiner jetzigen Form abgeschafft wird. Das wurde am Mittwochnachmittag über eine Pressemitteilung verkündet.

Zwar pries der Bundesverband den Echo wieterhin als „großartigen Preis“ und wichtiges Branchentreffen an. Jedoch wolle man „keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.“

Nach der diesjährigen Verleihung, bei welcher unter anderem Kollegah und Farid Bang für ihr Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ ausgezeichnet worden waren, ist eine Debatte um die Moral des Echos ausgebrochen. Das Album beinhaltet nämlich frauenverachtende, gewaltverherrlichende und antisemitische Zeilen wie „Mein Körper definierter als Auschwitzinsassen“. Viele Künstler kritisierten den Echo-Rat, dass durch die Preisverleihung dem Antisemitismus eine große Bühne gegeben wurde. Einige Musiker gaben auch ihre Preise zurück.

Falsches Bewertungssystem

Auch rückte wieder die Kritik in den Vordergrund, dass der Echo nur nach Verkaufszahlen und nicht nach kritischer musikalischer Auseinandersetzung verliehen wird. Wenig später stoppte das Label BMG seine Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang. Zudem forderte CSU-Politiker Alexander Dobrindt eine ähnliche Regulierung für Kunst wie das NetzDG fürs Internet.

Diese Ereignisse haben laut Pressemitteilung die Marke Echo so stark beschädigt, „dass ein vollständiger Neuanfang notwendig“ sei. Den Echo, wie wir ihn jetzt kennen, wird es also nicht mehr geben. Die Preise Echo Klassik und Echo Jazz sind in den Veränderungen mit inbegriffen.

Für den Echo gibt es eine Zukunft

Es gibt jedoch bereits neue Pläne für den Musikpreis: Die Jury soll bei allen drei Preisen stärker in den Vordergrund rücken, während die Verkaufszahlen nicht mehr so wichtig wie bisher sein werden. Auch wird es strukturelle Änderungen im Echo-Beirat und den Jury-Gremien geben.

Für alle weiteren Details lässt sich der Bundesverband Musikindustrie aber nun Zeit. Wann der nächste Pop-Echo, oder ein ähnlicher Musikpreis des Verbands verliehen wird, ist nicht klar. Ende Mai wird es eine kleine Preisverleihung für den Jazz-Musikpreis geben – ohne TV-Übertragung.

Quelle: Noizz.de

Kommentare anzeigen