Die neue Facebook-Funktion „Stories“ braucht kein Mensch!

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Noizz Redakteur Manuel ist noch nicht von den Facebook-Stories überzeugt Foto: privat

Auch wenn sie gar nicht mal sooo schlecht aussieht ...

Die Selfie-Filter sind natürlich super. Ich, mit Regenbogen-Tränen, ich, mit Faultier-Hut, ich, als Space-Katze. Text draufpacken, bisschen Rumkritzeln, Filter drüberlegen – die neue Facebook-Kamera macht schon extrem viel Spaß.

Die News, dass jetzt auch Facebook die Snapchat-Funktion „Stories“ einführt, ging gestern ziemlich unter. Grund: Alle dachten, das gäb's schon längst! Weil alle an den Facebook Messenger dachten. Erst heute wird vielen klar, worum es eigentlich geht. So langsam rollt Facebook das Feature nämlich aus. Android-User sehen es automatisch, iOS-User müssen die App dazu löschen und neu installieren, wenn sie nicht länger warten wollen.

Der Konzern hat verstanden, dass bewegte Bilder die Menschen am meisten bewegen und will sich von Snapchat und YouTube nicht abhängen lassen. Außerdem gehören Stories heutzutage als Erzählform einfach dazu. Und sie sind eine super Möglichkeit, von seinen Usern noch mehr Inhalte zu kriegen – Stichwort: User Generated Content.

Das hat Facebook ja schon bei all seinen anderen Apps gemacht: bei Instagram hat's super funktioniert, beim Messenger und bei WhatsApp nicht wirklich. Die WhatsApp-User sind sogar auf die Barrikaden gegangen, nicht wenige wollten die alte Version ...

Und jetzt also auch Facebook. Wie ich das finde? Na ja.

Einerseits muss ich sagen, das neue Feature ist gut gemacht. Es fühlt sich in der App nicht fremd an, sondern hochwertig, smooth und durchdacht. Auch, dass ich meinen Freunden jetzt Direktnachrichten schicken kann, die sich nach dem Chat sofort löschen, gibt der App eine neue Dimension.

So sieht das Stories-Feature von Facebook aus Foto: Facebook / Promo

Aber. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das alles bei Facebook niemand nutzen wird. Warum? Weil Facebook keine Kamera-App ist. So wie der Messenger und WhatsApp keine Kamera-Apps sind – im Gegensatz zu Instagram.

Facebook ist ein Sammelsurium aus Texten, GIFs, Terminen, Videos, Links, Artikeln, Fotos, News, Grafiken, Geburtstagen, Grundschulfreunden, Ex-Freundinnen, One-Night-Stands, Angebeteten, Kollegen, Chefs, Kumpels, Geschwistern, Cousinen, Eltern, und, und, und.

  1. Ich will nicht, dass dieses wunderbare Sammelsurium durch Stories ersetzt wird (okay, er wird ja nicht ersetzt, sondern lediglich ergänzt ... aber trotzdem!)
  2. Ich will nicht, dass all meine Facebook-Freunde meine schnell gemachten, lustigen, geschmacklosen Weiß-ich-was-Stories sehen.

Facebook ist für mich etwas anderes.

Bei Instagram hat Stories vor allem auch deshalb funktioniert, weil es eine Kamera-App ist. Dort lässt man sich viel eher auf Stories ein – auch wenn manche immer noch nicht so richtig wissen, was sie mit dem Feature anfangen sollen. Instagram-Stories sehen auch ein bisschen anders als Snapchat-Stories – nicht ganz so frei und roh, eher clean und kontrolliert.

Aber Facebook Stories? Was wolle Facebook Stories?!

Klar, Videos sind die Inhalte der Stunde. Trotzdem will ich auch Apps ohne die Stories-Funktion haben, will nicht, dass jede App genau so aussieht wie die andere und genau dieselben Funktionen mit sich bringt. Ich will switchen müssen zwischen YouTube und Twitter, Insta und Snapchat, Facebook und WhatsApp.

Wie langweilig wäre eine Internet-Welt, in der eine App alles in sich vereint? Das fanden wir alle schon bei Google+ so langweilig. (Okay, es gab eine Person, die sich das Logo tätowieren ließ.) Und wie schrecklich, wenn Leute, die das gar nicht sollen, meine seltsamen Stories sehen? Und andersrum: Will ich all die verstörenden Stories von all den komischen Menschen sehen, die ich über all die Jahre in meinem Facebook angesammelt habe?

Nein.

Ich glaube, Facebook Stories wird scheitern. Weil Facebook keine Kamera-App ist, sondern eine Kraut-und-Rüben-App. Und ich glaube, dass die Rübe namens Stories einfach nicht zu Facebook passt.

Aber wer weiß, vielleicht weckt mich ab heute jeden Tag die Story meiner Eltern. Oder die meiner Tante. Meiner Ex. Meines Schulfreunds. Meines Chefs. Oder die von irgendjemand anderem, der auch immer ganz groß im „Anstubsen“ war.

Quelle: Noizz.de

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