Im Austropop von heute steckt urviel Falco!

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Österreich, das sind nicht nur Berge, Sacher-Torte und Wiener-Walzer. Die Ösis haben auch ziemlich coole Musiker, wie Wanda oder Bilderbuch. Doch was haben die mit Falco gemeinsam?

Falco, abseits der Bühne Johann Hölzel, hatte etwas geschafft, was bis dahin keiner für möglich gehalten hat: Sein Song „Rock Me Amadeus“ (1985) ist der einzige deutschsprachige Nummer-Eins-Song der US -Bilboardcharts. Ein Rekord, den er bis heute, 18 Jahre nach seinem Tod, noch hält. Daran müssen sich eben alle anderen österreichischen Musiker messen.

Aber es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten ...

Sprachartisten

Das Tolle an Austropop ist, dass die Österreicher super coole old-fashioned Wörter benutzen. So was wie „Spital“ für Krankenhaus. So singen Wanda das etwa im gleichnämigen Song „Schick mir die Post schon ins Spital".

Herauskommen wunderschöne Wortspielereien - und das haben nicht erst Wanda und Co. Für sich entdeckt, auch Falco hatte das schon drauf. Wer „Rock Me Amadeus“ hört der findet noch eine Gemeinsamkeit zu den Revivalisten: Rap-Elemente. Bei Bilderbuch etwa hört man die Anleihen in fast jedem Lied, etwa auch bei „Maschin".

Die Mundart

Eigentlich das Essential für ALLES was das Etikett Austropop verdient. Etwas weniger anstrengend als Bayrisch, aber genauso verquert, für unsere hochdeutschen Ohren schön ungewohnt. Was wäre Falco ohne seinen Wiener Anklang?

Heute kann wohl keiner so schön in Wienerischen Lauten singen wie der Nino aus Wien: „Geh Musikant rauch ned so vü, sagt mei Traffikant wann i was wü, i sog eam alles mit Genuss, a Packl schwarze Players auf des hätt i jetzt Lust" - Kaum was verstanden? Ja gerade darum ist es so toll!

Wiener Melange: süffig-melancholisch

Eigentlich weiß niemand, wieso dieses Völkchen so traurig ist, immer diese leichte, unterschwellige Melancholie, gepaart mit bissiger Ironie. Wie in Falcos „Egoist", der Text triefend vor Ironie, das Video in dunklen Tönen getaucht. Falco hat das letztendlich in eine Depression und Drogensucht gestürzt.

Andererseits kann man zu dieser nostalgischen Musik nach einer turbulenten Partynacht wunderschön durch Altstädte flanieren und seinem Leben wieder einen Sinn geben. Granada leben uns das schon schön vor in „Ottakring", dem Kreuzberg Wiens, so sagt man.

Koks ist die Lieblingsdroge

Dass Falco ein echtes Koks-Problem hatte, thematisiert er in „Mama, der Mann mit dem Koks ist da“ (dieser unglaublich nervtötende Technoversuch von Falco) und man hört es auch in seiner nasalen Stimmfarbe.

Auch im Lied „Ganz Wien” von ihm heißt es: „Ganz Wien greift auch zu Kokain” Tendenziell teilen wohl alle Wiener Bands dieses Faible. Bei Wanda wurde das weiße Pulver zumindest in den Lyrics von „Bussi“ verewigt: „Du weißt man kriegt kein Weißes ohne Geld.“

Ein bisschen Trash darf sein

Jaja, Falco, das waren die 80er. Aber selbst dafür hatte er eine WIRKLICH ausgedehnte Liebe für Trashiges. Und auch Bilderbuch verfangen sich ein wenig in Trash-Nostalgie. Ihr Jahrzehnt sind aber die 90er. Das Musikvideo zu „Bungalow“ sagt mehr als tausend Worte:

Macho, Macho!

Ein bissel Chauvi sein gehört auch zum Austropop. Dieses Machogehabe in der ein oder anderen Textzeile, sowie die ein oder andere Szene in Videoclips. So trällern Wanda fast schon unverschämt:„Nimm sie wenn du's brauchst (...) und dass sie deine Worte glaubt, ergibt sich ohnehin."

Aber egal ob Falco, Wanda oder Granada, alle kriegen die Kurve: Sie können eben verdammt charmant sein, diese Österreicher ;)

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