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„So eine Feierei kann man nicht ein Leben lang durchziehen“: Interview mit Nico Stojan

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Der DJ legt am Donnerstag auf der ersten NOIZZ-Party im Burg Schnabel auf. Davor erinnert er sich für uns noch mal schnell an die legendäre Bar 25.

NOIZZ: Nico, du warst zehn Jahre lang DJ von Kool Savas, der sich mal – nicht ganz zu unrecht – als „King of Rap“ bezeichnet hat. Was hast du von ihm gelernt?

Nico Stojan: Ich hab kein Lampenfieber mehr.

Davor hattest du Lampenfieber?

Nico: Klar. Wenn du beim Splash vor 20.000 Leuten spielst ... Mit Kool Savas hab ich dann regelmäßig sehr große Bühnen bespielt.

Und was die Musik angeht?

Nico: Das Produzieren. Das hab ich ja schon damals gemacht. Wenn man aus dem Hip-Hop kommt, hat man nicht so große Scheuklappen. Ich glaube, es ist hilfreich, wenn man aus einem anderen Musikbereich ins Elektronische hüpft. Man ist offener, nicht so voreingenommen.

Sind deine Techno-Kollegen denn voreingenommen?

Nico: Nee. Aber ich merke, dass ich nicht davor zurückscheue, ab und zu ein Sample zu benutzen – was manche sich dann doch einfach nicht trauen.

Kool Savas und du: Seht ihr euch noch?

Nico: Nicht mehr so oft. Der Kontakt ist ein bisschen abgebrochen.

Worüber habt ihr das letzte Mal gesprochen?

Nico: Was wir so machen, wie's uns so geht. Er ist ja mittlerweile auch Papa ...

Apropos Hip-Hop: Was ist deine Lieblings-Rap-Platte aller Zeiten?

Nico: Da gibt's nicht nur eine ... Was auf jeden Fall dazu gehört, sind Alben von Digable Planets und The Pharcyde. Und „The Chronic“ von Dr. Dre.

Du hast Klarinette und Saxophon gelernt, Jazz und Soul inhaliert. Von alledem sind deine Sets durchsetzt. Wie begegnest du dem Vorwurf, dein Stil sei – im negativen Sinne – eklektisch?

Nico: Ich komm damit klar. Das ist für mich eher ein Kompliment. Ich finde, das beschreibt es ganz gut.

Deine Initiation in die elektronische Clubkultur hattest du als Resident-DJ der legendären Bar 25. Wie hat dieser Ort dich beeinflusst?

Nico: Er war einer der wichtigsten Orte meiner musikalischen Laufbahn. Ich habe mich dort tatsächlich komplett der elektronischen Musik hingegeben und mein Hip-Hop-Ding an den Nagel gehängt. Viele Leute, mit denen ich heute immer noch befreundet bin oder beruflich zu tun habe, hab ich in der Bar 25 kennengelernt.

Zum Beispiel?

Nico: Martin, also Acid Pauli, mit dem ich das Label Ouïe gegründet habe. Gerade ziehen wir mit unserem Studio ins Haus „Dampf“ auf dem „Holzmarkt 25“-Gelände, das am 1. Mai eröffnet.

Genau da, wo mal die Bar 25 war.

Nico: Genau da.

Was verbindest du mit der Bar 25?

Nico: Ein ganz besonderes Lebensgefühl. Freiheit. Im Sinne von: Man kann machen, was man will. Warmherzigkeit. Wie die Leute miteinander umgegangen sind. Welche Lebensvorstellungen sie darstellten.

Wie hast du da gefeiert?

Nico: Sehr wild. Ich habe immer die ganze restliche Woche zur Regeneration gebraucht. Als die Bar 25 dann zumachte, war ich zwar einerseits traurig, andererseits aber auch froh. So eine Feierei kann man nicht ein Leben lang durchziehen.

Du legst ja vor allem mit CD-Js und Serato auf. Wie oft musst du dich noch dafür rechtfertigen, dass du nicht real bist, weil du nicht zu jedem Gig zwei Plattenkoffer mitschleppst?

Nico: Ich glaube, diese Zeiten sind vorbei. Viele meiner Kollegen reisen auch nur noch mit USB-Sticks. Ich hab tatsächlich ab und zu noch Vinyl dabei, weil ich tatsächlich ab und zu noch Vinyl kaufe. Ich finde das immer noch ganz cool. Aber nur, wenn der Gig in Berlin oder Europa ist. In die USA nehm ich keine Platten mehr mit.

Gleichzeitig hast du mal in einem Interview gesagt, dass dir der Spruch gefallen würde, „What’s a DJ if he can’t scratch“. Muss ein redlicher DJ sein Handwerk also doch an richtigem Vinyl erlernen?

Nico: Das war schon ein sehr provokanter Spruch von mir. Wir leben ja mittlerweile in einer Zeit, wo viele DJs das Auflegen gar nicht mehr mit Platten gelernt haben und nicht mehr wissen, was es überhaupt heißt, den Plattenspieler als Instrument zu benutzen.

Ein richtiger Discjockey ist für mich jemand, der so was kann. Wenn nicht, ist er eher ein Selector. Oder?

Daher habe ich mich immer eher als Selector verstanden und nicht so sehr als DJ.

Nico: Das ist am Ende auch das wichtigere! Es kommt ja auf die Musik an, nicht auf die Übergänge. Bei einer guten Party steht der Song im Vordergrund, nicht der Mix.

Wie hat Serato dein Auflegen verändert?

Nico: Ich hab damit ja nur angefangen, weil die Plattenspieler nicht mehr richtig gewartet wurden. Man hatte im Club mehr damit zu tun, den Pitch zu korrigieren, als aufzulegen. Es lief einfach nie länger gleich als drei, vier Sekunden.

Wie das?

Nico: Es gibt bei Technics-Plattenspielern 18 oder 21 Schrauben, die man lösen muss, um an die Pitch Control zu kommen. Nur so kann man sie aber wieder resetten. Kein Clubbesitzer oder Techniker hat sich je diese Mühe gemacht.

Pitch hin, control her: Welche Schallplatte hast du dir zuletzt gekauft?

Nico: „On The Go“ von Matthew Halsall. Jazz.

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Nico Stojan Bar 25 Party Techno DJ NOIZZ-Party
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