„A Brief Inquiry Into Online Relationships” ist der Soundtrack deines Lebens.

The 1975 ist wohl so ziemlich die bekannteste unbekannte Band, die die Musikwelt gerade zu bieten hat. The 1975, das sind Sänger Matty Healy, Bassist Ross Macdonald, Gitarrist Adam Hann und Drummer George Daniel.

Wer nicht gerade durch Instagram, Tumblr oder BBC Radio 1 auf das talentierte Quartett aus Manchester gestoßen ist, könnte sie höchstens noch durch ihren Hit „Chocolate” aus dem Jahr 2013 kennen. Am 30. November hat die Band um Mastermind Matty Healy ihr drittes Studioalbum veröffentlicht und verdient spätestens jetzt deine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Erst kam Heroin, dann kam „A Brief Inquiry Into Online Relationships”

Das dritte Album der bandeigenen Trilogie heißt „A Brief Inquiry Into Online Relationships” . Zuvor sind das Debüt „The 1975” (2013) und „I Like It When You Sleep, for You Are So Beautiful Yet So Unaware of It” (2016) erschienen.

>> Auch aus dem Hause Healys: Pale Waves

Doch bevor die letzte LP das Lebenswerk von Frontman Matty vollenden konnte, musste sich der 29-Jährige seinem Dämonen stellen. Genauer gesagt: Heroin.

„She said I've been romanticizing heroin”, hieß es in dem Song „Paris” noch vor zwei Jahren, dieses Jahr musste sich Healy tatsächlich für seine Sucht in einen Entzug begeben.

Seine Abhängigkeit sowie seinen Rehab verarbeitet der Musiker natürlich auf dem neuen Album. Denn die Musik von The 1975 ist der Soundtrack zu Mattys Leben, den er gemeinsam mit Drummer George Daniel selbst produziert.

Warum ein Genre, wenn man alle haben kann

Und dieser Soundtrack ist musikalisch so vielfältig, dass auf „A Brief Inquiry Into Online Relationships” wirklich für jeden ein Stück dabei ist. Lust auf einen Song, der ruhige Klaviermelodien und elektronische Musik vereint? Dann hör dir das experimentelle „How To Draw / Petrichor” an. Ein smoother Jazzsong verbirgt sich dagegen hinter „Mine”. Oder darf es eine Powerballade im Stil der 80er sein? Dann wäre „It’s Not Living (If It’s Not With You)” was für dich.

Der phänomenale Popsong, der bereits vor dem Albumrelease als Single erschien, ist auf den ersten Blick ein astreines Liebeslied. „It’s true that all I do is sit and think about you”, singt Matty Healy fröhlich und zeitgleich brennt sich diese Zeile als Ohrwurm für immer in dein Gehirn. Toller Lovesong, denkt man sich … ginge es da nicht statt um eine Angebetete um Heroin.

Der Mann, der sich in einen Roboter verliebte

Genau mit diesen Gegensätzen spielt die Band so gerne und nimmt sich auch dem Thema Millennials und besagten „Online Relationships” ähnlich kritisch an. „The Man Who Married a Robot / Love Theme” sticht dabei besonders heraus.

Statt einem weiteren poppigem Song erwartet die Hörer eine cineastische Geschichte über einen Mann, der sich in das Internet verliebt und vereinsamt stirbt. Gelesen wird diese deprimierende Reflexion von Siri - ein wahres Zeichen der Zeit.

>> Auch interessant: Männer sollen sich endlich auch schminken dürfen!

„Kinder wollen keine Waffen, sie wollen Supreme” heißt es dann weiter in „I Like America & America Likes Me”, einem geradezu aktivistischem Lied gegen die Waffenvernarrtheit der USA.

Was mit unserer Welt gerade noch so schief läuft, zeigt The 1975 in dem Song „Love It If We Made It” samt zugehörigem Musikvideo: Trump, Flüchtlingskrise, Rassismus, Krieg, Opiatkrise … und mittendrin wir Millennials - inklusive der vier Bandmitgliedern von The 1975. Meistens interessieren wir uns dann eben doch nur dafür, welches Selfie in unserem Instagram-Profil wohl am besten aussieht.

The 1975 haben es mit „A Brief Inquiry Into Online Relationships” geschafft, die Quater-Life-Crisis eines jeden Millennials in ein musikalisches Werk zu übersetzen, samt zeitgenössischer Online-Ästhetik. Dann so wie Matty Healy, durch dessen Augen wir die Welt auf diesem Album erleben, haben auch wir alle einen Dämonen in uns.

Einfach mal raus (aus dem Internet)

Ob dieser nun Heroin oder doch einfach die Sucht nach Aufmerksamkeit und Relevanz im Netz ist, macht letzten Endes keinen Unterschied. Trübsal blasen kommt trotzdem nicht infrage.

„The only apparatus required for happiness is your pain and fucking going outside”, lässt uns The 1975 in „Give Yourself A Try”  wissen. Und das sind wirklich wahre Worte. Also schmeiß dir eine Jacke über und geh verdammt noch mal raus! Am besten mit diesem Album auf den Ohren…

Hier kannst du dir die neue Platte anhören:

Quelle: Noizz.de