Ihre Anwältin hat deswegen eine weitere Klage eingereicht.

Eine Frau, die den US-Sänger R. Kelly wegen sexueller Übergriffe verklagt hat, wird nach eigenen Angaben von dem Musiker bedroht und eingeschüchtert. Die Klägerin Faith Rodgers sei nach Einreichung ihrer Klage „Versuchen der Einschüchterung und Vergeltung“ durch Kelly ausgesetzt, sagte die bekannte Frauenrechtsanwältin Gloria Allred am Montag im Auftrag ihrer Mandantin vor Journalisten. Auch Rodgers' Eltern werden nach eigenen Angaben bedroht.

Die 20-jährige Rodgers wirft R. Kelly unter anderem sexuelle Übergriffe und die wissentliche Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit vor – einem unheilbaren Herpesvirus. Rodgers sagte Anfang Januar 2019 auch in der Dokumentation „Surviving R. Kelly“ aus, in der mehrere Frauen den Sänger schwer belasten.

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Rodgers' Anwälten zufolge richteten R. Kelly und sein Team nach Ausstrahlung der Doku eine Facebook-Seite ein, mit der die Glaubwürdigkeit von Rodgers und den anderen Frauen gezielt zerstört werden sollte. Facebook löschte die Seite jedoch.

Laut Anwältin der Klägerin soll R. Kelly jetzt angeblich auch in einem Brief an die junge Frau drohen, Details aus dem Sexleben der heute 21-Jährigen öffentlich zu machen. „Wenn Frau Rodgers sich wirklich um ihren eigenen Ruf kümmert, sollte sie ihre Teilnahme an und Zusammenarbeit mit den Organisatoren dieser negativen Kampagne einstellen“, hieß es dem „Guardian“ zufolge in dem Schreiben. R. Kellys „widerliche Taktik“ werde nicht funktionieren, so die Anwältin. „Er kann und wird seine mutmaßlichen Opfer nicht einschüchtern.“

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Außerdem wandte sie sich direkt an den Angeklagten: „Herr Kelly, Sie könnten sich bald in einer Reihe mit Bill Cosby und Harvey Weinstein wiederfinden“, sagte Anwältin Allred. Damit verweist sie auf den Schauspieler und den Ex-Produzenten, die sich wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht verantworten müssen und als Konsequenz in ihren Berufen kaum noch Aufträge bekommen.

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Allred vertritt mehrere Frauen, die Kelly sexuellen oder andere Formen von Missbrauch vorwerfen. Rodgers Mutter rief indes mutmaßliche Opfer Kellys auf, sich zu melden. „Ihr seid nicht allein und eure Stimme zählt. Zusammen sind wir stärker.“

Klägerin Faith Rodgers mit Anwältin Gloria Allred Foto: dpa/ AP / Richard Drew

Außerdem schrieb R. Kelly nach Angaben von Rodgers' Team an eine von deren Anwältinnen und erklärte, er wolle medizinische Beweise einfordern, um die Behauptung zu der Geschlechtskrankheit zu überprüfen. Überdies wolle er ihre Version des Vorfalls durch männliche Zeugen anfechten, die unter Eid über das Sexleben von Rodgers aussagen würden. R. Kellys Anwalt Steve Greenberg sagte der Nachrichtenagentur AFP, der mutmaßliche Brief sei „eine komplette Fälschung“.

Das muss jetzt das Gericht entscheiden. Seit Veröffentlichung der Dokumentation „Surviving R. Kelly“ ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen den R&B-Sänger und Musik-Produzenten.

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Erste öffentliche Anschuldigungen gegen R. Kelly gab es bereits vor knapp 20 Jahren. Der Ruf des Kinderschänders hält seitdem an. Aktuell prüfen Staatsanwaltschaften in verschiedenen US-Bundesstaaten Vorwürfe der Pädophilie und sexueller Übergriffe durch den Sänger, der durch Hits wie „I Believe I Can Fly“ weltbekannt wurde.

[Text in Zusammenarbeit mit dpa]

Quelle: Noizz.de