Nostalgie und Hoffnung: Der Songwriter-Rapper Julian Philipp David

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
Teilen
75
Twittern

Am Sonntag startet er seine Deutschland-Tour – und bloggt bei NOIZZ über sein Künstlerleben. Davor stellen wir ihn euch aber noch mal schnell vor ...

„Kein Stress“, schreibt Julian mir bei Facebook, als ich ihm sage, dass ich zu spät bin. Und tatsächlich wartet er entspannt vor dem Holsten-Eck, das ich als Treffpunkt vorgeschlagen habe. Hipster treffen sich ja gerne in Eckkneipen, vorzugsweise in Kreuzberg und Neukölln. Wobei Julian sicher nicht von sich sagen würde, er sei ein Hipster. Aber wer sagt das schon von sich.

Julian checkt sein Handy. Kein Stress, immer entspannt. Julian Schwizler, 24, der als Songwriter-Rapper Julian Philipp David heißt, gerade den Track „Traurige Kids“ gedroppt hat und ab Sonntag auf große Deutschland-Tour geht. München, Berlin, Hamburg, Frankfurt und (ab Oktober) 14 andere Städte. Kein Stress, aber immer schön Action. Immer irgendein Eisen im Feuer.

Ich kenne Julian seit über fünf Jahren. Damals, Ende 2011, war ich Volontär beim Freiburger Stadtmagazin fudder, und er zwei Monate lang Praktikant. Seitdem sind wir uns immer wieder begegnet, auf Partys, Konzerten, bei Insta und Facebook. Als Prakti interviewte er Mediävisten Singspruchdichtung und Battle-Rap. Dann wurde er selbst Gegenstand der Berichterstattung, und wir schrieben über seine Schüler-Band Lingulistig. Abi-Rap, der nostalgisch stimmte. Schule, die beste Zeit unseres Lebens.

Danach kam seine Kombo Tonomat 3000 – die „3000“ hatte ich ihm aufgeschwatzt. Sommer, Sonne, Sonnenschein zwischen Schulabschluss und Lebensernst. Julian als Student an der Popakademie Mannheim, Julian im Szene-Stadtteil Jungbusch.

Er saugt auf, was um ihn rum passiert, findet Klänge und Wörter dafür. Das Ergebnis ist die „Tono EP“ mit fünf Tracks, in denen er (s)einer Femme Fatale huldigt, Döner isst und den Winter disst. Sphärische Gitarren, stilsichere Drums, knarzige Stimme, eigener Duktus. Funktioniert. Mit Tonomat 3000 spielt Julian auf Festivals vor Max Herre und Marteria.

Im Hosten-Eck sind wir fast alleine. Am Tresen sitzen zwei Ureinwohner und berlinern mit der launigen Wirtin. Wir bestellen zwei Pils und essen die Erdnussflips, die in einer kleinen Plastikdose neben der Deko auf dem Holztisch stehen. „Lang nicht mehr gegessen!“, sagt Julian begeistert. „Ich immer als Kind bei ,Wetten, dass..?‘“, sag ich und merke, wie alt ich schon bin.

Julian trägt einen dunkelblauen Blouson mit rotkariertem Innenfutter. „So eine hab ich mir auch fast gekauft – in Schwarz!“, sag ich, und er bremst meine Freude. „Die tragen hier ja jetzt fast alle“, sagt er. Sein untrügliches Gespür für das Jetzt.

Das Handy klingelt. Er geht ran. „Lass am Hermi treffen, so gegen neun.“ Julian meint damit den Hermannplatz, obwohl es das Wort in Berlin gar nicht gibt. Kotti, Görli, Schlesi? Ja. Hermi? Nein. Aber egal. Julian liebt das. Lustiges, Wortspiele. In seiner Lingulistig-Zeit nannte er sich Loop'nReim.

Wir trinken Bier. Julian mag Bier. Er raucht eine Selbstgedrehte. Er mag Selbstgedrehte.

Julian dreht seine Promo-Clips selbst. „Ich liebe das. Ich hab ‘ne Idee, rufe ein paar Leute an, ein paar Stunden später ist’s fertig.“ Dass das manchmal nicht ganz so perfekt aussehen würde, sieht er als Qualitätsmerkmal. DIY-Ästhetik als Ausweis von Authentizität.

Ein Jahr zuvor hatte er sich bei Facebook aus dem Nichts zurückgemeldet: „Manu! Ich spiel morgen im ,Musik & Frieden‘ in Berlin. Kommste rum? Ich freu mich, wenn's klappt!“

Julians zweites Konzert als Solokünstler. Im Publikum Großstadt-Mädels und -Jungs und drei Typen, die verdächtig nach Musik-Business aussehen. Julian ist zwar nicht mehr der Alte, nicht mehr der Freiburger Praktikant, er ist aber auch noch nicht ganz der Neue, der Songwriter-Rapper mit den drei Vornamen.

Die Songs tragen Titel wie „Fallen / Alles wird gut“, „Highlights“ und „Herbst“, sie blicken wehmütig zurück und hoffnungsvoll nach vorn.

Immer noch ein bisschen Klassenfahrt-Feeling, Sommer mit der Clique, Chillen im Park. Immer noch jenes Energiebündel, das sich selbst und dem Publikum alles abverlangt, am Ende vollständig durchgeschwitzt ist und mit seinem Körper, seinen Armen und Händen Bewegungen macht, artsy und waldorfschulig.

Nach dem Konzert hat er kaum Zeit für mich. Busy busy, weil plötzlich alle was von ihm wollen. „Universal hat mich gesigned“, sagt er verstohlen, denn die Information ist noch streng geheim. Ich freu mich, weil das für mich logisch ist: Julian, Musiker mit einem Major-Deal.

Zurück im Heute verlassen wir die Kneipe. Wir warten auf die U-Bahn und machen ein Selfie. Ich poste es bei Insta. Ich bin irgendwie stolz.

Worauf?

Dass ich Julian schon so lange kenne? Dass ich das alles schon immer habe kommen sehen? Dass er bald sein Debütalbum droppt? Dass er tourt? Dass ihn noch mehr Menschen kennenlernen werden?

Vielleicht darauf, dass ich ihn überzeugen konnte, mit mir, mit NOIZZ, zusammenzuarbeiten. Dass er uns in den kommenden Monaten von seinem Leben berichten wird. Woran er grad arbeitet, wie's backstage aussieht. Sodass ich ihn häufiger sehen werde als manchmal bei Facebook oder in der Eckkneipe.

Album, Tour. Ich freu mich schon drauf. Kein Stress, aber immer schön Action.

Julian Philipp David auf Tour

02.04.2017 München

03.04.2017 Berlin

04.04.2017 Hamburg

05.04.2017 Frankfurt

19.10.2017 Bremen

20.10.2017 Magdeburg

21.10.2017 Hannover

22.10.2017 Dresden

24.10.2017 Leipzig

25.10.2017 Fulda

26.10.2017 Münster

27.10.2017 Köln

28.10.2017 Trier

13.11.2017 Bochum

14.11.2017 Bielefeld

15.11.2017 Mannheim

17.11.2017 Stuttgart

18.11.2017 Erlangen

Themen

Rap Hip-Hop Singer-Songwriter Mannheim Freiburg Berlin Kneipe Porträt Julian Philipp David Hipster
Kommentare anzeigen

Auch spannend

Mehr