Kritik ist für den Gangster-Rapper nichts neues. Dass er von einem Konzert ausgeladen wird, schon.

Eigentlich sollte der Rapper nämlich auf dem „Hessentag“ in Rüsselsheim bei der „Rap-Nacht“ auftreten – Jugendliche der Stadt hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, dass er dort performen sollte. Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) war der Abstimmung gefolgt.

Doch nach wochenlanger Kritik – unter anderem des Zentralrats der Juden und auch seiner eigenen Partei – hat der Burghardt es sich am Mittwoch anders überlegt. Er empfahl der Stadtverordnetenversammlung, die Rap-Night zu kippen.

Wie Kollegah reagiert hat

Kollegah hat nun auf die Kritik und Ausladung reagiert. In einem Offenen Brief, der der NOIZZ-Redaktion vorliegt, schreibt er:

Es sei nichts Neues, dass „Genrefremde leider auch im Jahre 2017 die Kunstform des Battleraps noch nicht verstanden haben und uns Rappern Homophobie oder Frauenfeindlichkeit unterstellen.“

Am heftigsten wehrt er sich jedoch gegen den Antisemitismus-Verdacht. Während seiner gesamten 13 Jahre andauernden Musikerkarriere sei er nie des Antisemitismus verdächtigt worden. Die Vorwürfe des Zentralrats bezeichnet er als „völlig aus der Luft gegriffen und haltlos“.

Kollegah sagt, der Zentralrat habe zum Teil „13 Jahre alte Lines aus Battleraps verwendet“. Zudem seien gar nicht alle kritisierten Passagen von ihm.

Eine der fünf vom Zentralrat zitierten Lyrics ist in der Tat nicht von ihm. Es geht um das Zitat: „Ich leih dir Geld, doch nie ohne den jüdischen Zinssatz mit Zündsatz.“

Der ist vom Rapper Favorite, den Kollegah in seinem Song „Sanduhr“ gefeaturet hat. Von der Formulierung „Endlösung der Rapperfrage“ distanziert Kollegah sich nicht explizit. Diese ist auch keine 13 Jahre alt, sondern ziemlich neu, nämlich von 2014.

Die anderen Beispiele des Zentralrats der Juden wenden sich gegen Gewaltverherrlichung und Frauenverachtung.

Ganz so neu, wie Kollegah behauptet, ist der Verdacht des Antisemitismus gegen ihn allerdings nicht. In seiner Palästina-Doku kauft der Rapper einen „schönen Raketenluftballon“ und gibt mit der Rakete in der Hand israelischen Soldaten „noch eine schöne Bizeps-Pose mit“ (so Kollegah im Video circa bei Minute 47). Beim Wegdrehen deutet er an, die Rakete in Richtung Israel zu werfen.

Kollegah hat anscheinend auch kein Problem damit, wenn andere in seiner Gegenwart antisemtische Stereotype bedienen – wie eben im Song „Sanduhr“.

Er sagt dazu in seinem Offenen Brief: „Den (...) von Ihnen herausgepickten Zeilen stehen übrigens aktuellere Zeilen von mir gegenüber wie: ,Wir sind Brüder, wir sind Schwestern, Nachkommen von Adam. Ganz egal ob wir nun Jahwe, Gott oder Allah sagen‘.“

Quelle: Noizz.de