DJ Daniel Dreier Foto: Promo

„Ich kann heute immer noch ganz gut feiern“: Interview mit Daniel Dreier

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Das Nachtleben schreibt doch die schönsten Geschichten ...

Yes! Daniel Dreier legt bei der ersten NOIZZ-Party in Berlin auf – am Donnerstag, 20. April 2017 im Burg Schnabel! Headliner ist neben ihm Nico Stojan, unterstützt werden die beiden von den DJs Cesko, Max Davis, Dennis Calmer und Seiarap.

Davor hat Daniel uns aber noch erzählt, wie er sich in Techno verliebt hat.

NOIZZ: 1993 hast du zum ersten Mal den legendären „Bunker“ besucht und wurdest mit Techno infiziert. Kannst du dich an jenen Abend noch erinnern?

Daniel Dreier: Das war im Dezember 1993, da war ich 15 Jahre alt. Ich hab Mutti gefragt, ob ich länger weg darf. Sie sagte: „Um 12 bist du wieder zuhause!“ Problem: Um 12 fing die Party erst an! Ich hab mich dann rausgeschlichen und bin trotzdem hingegangen.

Was für Musik lief?

Daniel: Gabba. Das fühlte sich für mich an wie Punk. Ich war Hip-Hop-Partys gewohnt, und da hatte man keine Berührung mit Homosexuellen. Und plötzlich kam da ein Typ in Lack und Leder um die Ecke und fragte mich, ob ich XTC verkaufen würde.

Ich erinnere mich an laute Musik, Strobo, Homosexuelle. Das alles war für mich vollkommen neu.

Als es mir drinnen zu viel wurde, ging ich raus und setzte mich auf eine Kabeltrommel. Ich weiß noch genau, wie ich auf die Eingangstür schaute. Immer wenn sie aufging, sah ich Nebel, rotes Licht, Menschen, die tanzten. Und ich hörte die mega laute, mega schnelle Musik.

Es kam mir vor wie das Tor zur Hölle. Ich hab mich fast nicht mehr getraut, wieder reinzugehen ...

Und dann war es völlig um dich geschehen.

Daniel: Jein. Meine erste große Liebe war das E-Werk. Immer am Freitag und am Samstag. Da bin ich jahrelang allein hingegangen. Das hat mir alle Türen geöffnet. Wenn du alleine rumrennst, lernst du jede Menge Leute kennen.

Hast du jemals wieder so gefeiert wie damals?

Daniel: Ich kann heute immer noch ganz gut feiern, aber das Gefühl damals war schon etwas ganz Besonderes. Das kam nicht mehr zurück. Auch, weil sich meine Rolle stark geändert hat.

Früher war ich Konsument, hab acht Stunden am Stück getanzt. Heute unterhalte ich mich auf Partys mehr mit Leuten, analysiere die Musik, bin nicht mehr so unbefangen. Ich mache das ja mittlerweile auch schon seit 20 Jahren. Da schleicht sich eine gewisse Routine ein.

Und Berlin?

Daniel: Berlin sah auch anders aus. Das Licht, die Ruinen ... Heute ist alles Business geworden. Das ist zwar schade, ist aber so. Für mich ist das Feiern ja auch zum Job geworden.

Spielst du eigentlich noch mit Vinyl?

Daniel: Nicht mehr so oft. Es ist einfach leichter ohne Platten, wenn du in Länder reist, wo du kein Visum hast. Früher gab's ja auch nichts anderes als Vinyl, da hattest du gar keine Alternative.

Wo liegt für dich der Unterschied zwischen Vinyl und CDs oder Musikdateien?

Daniel: Vinyl hat eine andere Wärme, knistert. Und der DJ hat darin seinen Ursprung. Am Ende ist aber wichtig, was beim Auflegen rauskommt.

Kommt mit Vinyl was anderes raus?

Daniel: Wenn ich immer auf den Rechner schaue, hab ich keinen Spaß dabei, kann keine Faxen machen, nicht mit dem Publikum interagieren. Man hat einfach auch nichts in der Hand, wenn man Musik produziert.

Du spielst immer wieder auch kleinere Locations – am Donnerstag zum Beispiel bei der NOIZZ-Party die Burg Schnabel. Worin liegt darin der Reiz?

Daniel: Ich liebe es, wenn Leute etwas mit Herz machen. Das will ich dann unterstützen. Damals hat man mir eine Chance gegeben, das will ich heute zurückgeben.

In kleinere Locations bist du auch viel näher am Publikum dran. Wenn es die richtigen 50 Leute sind, kann etwas ganz Tolles dabei entstehen. Energie ...

Du bist bekennender Fan der Afterhour. Was gefällt dir daran so gut?

Daniel: Der Sound. Auf einer Afterhour kannst du anders spielen – experimenteller, deeper, trippiger. Du hast Zeit ... Das ist wie eine Reise. So was geht in zwei Stunden Primetime nicht.

Du kannst auch mal Sachen spielen, die du sonst nicht bringen kannst – Verkopfteres, was von Ricardo Villalobos. Die Leute sind schon länger wach und haben sich ausgetanzt. Da funktioniert so was.

Das Schöne ist auch, dass sich alle mal locker machen, sich gehen lassen, ihre Karriere vergessen, nicht ans Geld denken. Ihr Ego weglassen. Verstehen, dass wir alle gleich sind.

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