Hohe 5 statt Achtgeben: So war meine allererste Tour

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Julian Philipp David auf seiner ersten Tour Foto: Andrea Kaluza / privat

Der Songwriter-Rapper Julian Philipp David bloggt bei NOIZZ über sein Künstlerleben – heute vom ersten Teil seiner „Traurige Kids“-Tour ...

Das war sie also schon, meine allererste Tour. 2000 Kilometer in vier Tagen. München, Berlin, Hamburg, Frankfurt.

Und es hätte nicht besser laufen können. Bis auf den Anfang vielleicht. Denn alles begann mit einem mittelgroßen Schreck: Hoppla, unser Gepäck passt ja gar nicht in den Bus. Geballte Tetris-Power, aber da war dann einfach nichts zu machen. Und samstagabends sind nun mal alle Autovermieter des Landes auf der Piste. Mit Caipi und zwei Girls im Arm. Das 'ne Regel.

Also einen privaten PKW als zweiten Packesel zweckentfremdet, und los ging die Rutsche.

Erster Stopp in München

Angekommen und direkt über die Gemüsesticks hergefallen. Die schmecken nämlich doppelt so gut, wenn man – wie ich früher – selber Stagehand war und die Dinger für die eintreffenden Bands geschnippelt hat.

Aufbauen, erster Nasen-Sonnenbrand 2017, Biergarten und dann die erste Show. Tourstart können wir!

Julian inmitten seiner Band Foto: Andrea Kaluza / privat

Und ich hatte mir so einiges vorgenommen für die allererste Tour:

Für jede Stadt habe ich eine eigene Strophe auf einen Song mit regionalem Bezug geschrieben. Das dann live filmen und direkt am nächsten Tag als Musikvideo mit Publikumsbeteiligung rausknallen. Kann doch nur gut werden.

In München war das dann „Liebe & Hass“ von den Töpfen. Vollkommen idiotensichere Nummer, hab ich mir gedacht. Der Song, in München. Hat dann auch alles wie am Schnürchen geklappt, nur, das Lied kannte kaum einer im Raum. Hört mehr Blumentopf!

Am nächsten Morgen dann wirklich early-bird-mäßig zum Auto trotteln. Lasst uns durch, wir müssen einmal quer durch Deutschland. Retrospektiv betrachtet waren die sieben Stunden Autofahrt eine wirklich wichtige Phase für mich und meine Super Stickman Golf II Karriere. Call me Mister Level 20.

Eine Stunde zu früh (!) sind wir dann in Berlin angekommen. Muss man auch erst mal so machen.

Die Show in Berlin

Fast auf den Tag genau ein Jahr zurück habe ich im selben Gebäude oben in der Baumhaus meine zweite Show überhaupt gespielt. Wie die Zeit doch verfliegt ... Heute spielen wir unten. Keller is the limit. Und spätestens jetzt sind wir so richtig im Tour-Modus angekommen. Aufbauen, Soundcheck, zwischendrin Interviews und Gemüsesticks.

Was vielleicht so die erste große Tour-Lehre für mich war: Stadt anschauen ist nicht. Denkt man sich ja so schön: bisschen rumstromern, Cappu mit Freunden und die City einatmen. In Wirklichkeit baut man sein Zeug auf, snackt kurz was, dann kommt einfach immer noch was dazwischen (auch so eine Regel), man spielt die Show, lädt das Equipment in den Bus und irgendwann geht es dann ab Richtung Hotel. Morgen früh geht es ja weiter.

Zurück zur Show in Berlin. Geil, alles klappt, meine liebsten Leute sind da, und auch sonst sind nur grundsympathische Menschen im Raum. Bester Abend. Und das, obwohl man vor Shows in Berlin immer so ein bisschen Magengrummeln hat.

Apropos: Wer hat sich denn bitte Chilli-Cheese-Fries ausgedacht? Nicht die allerbeste Idee, merkte selbst, mh? Und das ist kein genießerisch-appetitliches „mh“, kein leckerlecker „mh“, mehr so ein fragendes, ein zweifelndes „mh“. Mh!

Berlin–Hamburg

Unsere Lieblingsdisziplin, die Kurstrecke! Angekommen und alle in einen Aufzug gequetscht. Livestream für „Mit Vergnügen“. An der Location angekommen, gab es direkt die ersten Gerüchte. Zwei Straßen weiter findet wohl das Grande Finale des Bilderbuch-Tischtennisturniers statt.

Keine Zeit, wir schleppen unser Zeug noch selber. Aber wenn ihr das lest, ich stehe voll im Saft, habe einen frischen Belag auf meinem Schläger und fordere!

In Hamburg habe ich jetzt schon zum dritten Mal gespielt. Und das merkt man direkt. Bekannte Gesichter, beste Stimmung und überdurchschnittlich hoher Astra-Konsum an allen Fronten. Vielleicht so was wie meine Lieblingsstadt. Hamburg City ruled, wer behauptet was anderes. Zum Glück komme ich bald schon wieder!

Letzter Halt: Frankfurt

Lange Fahrt und darauf erstmal eine ordentliche Schelle. Die Location ist im ersten Stock, und der Aufzug defekt. Nix da, rollen mit den Kisten. Was soll's, den Legday haben wir jetzt eh schon ein paar Tage zu viel geskippt, und das breite Kreuz kommt nicht von allein.

Das Schleppen war dann auch ziemlich filmreif. K, unser Kameramann, hat das als einziger direkt erkannt und hatte dementsprechend auch keine Hand mehr zum Tragen frei. And the Oscar goes to … Lauchauflauf im Treppenhaus!

Der Auftritt war dann bombe, und das alles viel zu schnell schon wieder vorbei. Ich will direkt wieder los. Mit euch, mit meiner Crew, mit meinen Songs.

Über den Sommer kommen erst mal die Festivals, aber im Herbst bin ich wieder auf eigener Tour unterwegs. Jetzt hab ich es auch endlich selber mal erlebt, dieses Tourleben. Und will am liebsten nichts anderes mehr machen.

Viel Liebe,

Julian

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Hohe 5 statt Achtgeben

Unter diesem Motto bloggt der 24-jährige Songwriter Rapper Julian Philipp David für NOIZZ über sein Künstlerleben – von seiner ersten Tour (die im Herbst weitergeht), seinem ersten Album (das noch dieses Jahr rauskommen soll) und allem, was drumherum passiert. Manchmal sind es Texte, manchmal Videos oder Fotos. Aber immer ist es persönlich – und 100 Prozent Julian.

Quelle: julianphilippdavid.de

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