Egal ob Ketchup oder Fidget Spinner: Überall sind Einhörner drauf! Foto: Bautz'ner, Real / Promo

Schluss mit dem Einhorn-Scheiß!

Manuel Lorenz

Redaktionsleiter NOIZZ.de
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Das Regenbogen-Maß ist voll.

Jetzt also auch Einhorn-Ketchup. Er ist rosarot, glitzert und kommt vom Senfhersteller Bautz’ner. Und er ist einfach das eine Einhorn-Produkt zu viel. Denn langsam reicht’s. Ich kann die regenbogenfarbene Scheiße nicht mehr sehen. (Derselben Meinung war übrigens schon Anfang Mai fudder.de – meines Erachtens etwas verfrüht.)

Eine Zeit lang war’s ja echt lustig. Einhorn-Duschgel, Einhorn-Smoothies, Einhorn-Frappuccinos, Einhorn-Klopapier. Und natürlich unser Aprilscherz: die Einhorn-Pizza.

Aber schon die Einhorn-Bratwurst war komplett bekloppt. Ihren Erfinder stelle ich mir als finsteren Jäger vor, der das letzte Einhorn erlegt, es zum stumpfen Dorfmetzger schleppt und freudig dabei zuschaut, wie die Tierleiche durch den Fleischwolf gedreht wird. In seinen blutunterlaufenen Augen: Eurozeichen.

Ein paar Monate lang wusste jeder Marketing-Fuzzi: Wenn dein Produkt nicht fliegt, zieh es durch einen Regenbogen, pack ein Einhorn drauf und lehn dich zurück. Jeder – wirklich jeder! – wird darüber berichten. Einfacher war Werbung noch nie!

Die diabolischste Kombination stammt übrigens vom Discounter Real: Einhorn-Fidget-Spinner. OMFG!

Real pusht das Game auf ein neues Level Foto: Real / Promo

Versteht mich nicht falsch. Ich hab nichts gegen Einhörner. Im Gegenteil: Ich mag die Fabelwesen. Ich mag die mittelalterlichen Wandteppiche, auf denen sie einsam im Zauberwald stehen. Ich mag die Narwalzähne, die in den Wunderkammern barocker Fürsten als Einhorn-Hörner ausgestellt wurden.

Und ich mag die Vorstellung, dass alle Körperausscheidungen des Einhorns bunt sind, glitzern und nach Zuckerwatte riechen – egal ob Furz, Kacke oder Kotze. Über Einhorn-Sperma und -Schweiß hat sich seltsamerweise noch keiner so richtig Gedanken gemacht. (Okay, ich geb's zu: Ich hatte Angst, zu googeln.)

Aber.

Erstens ist der Hype jetzt langsam wirklich mal vorbei. Das hab ich schon vor drei Wochen festgestellt und das schwarze Zeitalter ausgerufen: schwarze Tempo-Taschentücher, schwarze Frappuccinos, schwarzes Eis. Das Leben als Berghain – der Traum eines jeden Farbenfeinds.

Zweitens: Ketchup? Wirklich? Rosa Glitzer auf blutigem Steak? Das ist das optische Äquivalent von Fingernägeln, die über eine Tafel kratzen.

Drittens machen Einhörner glücklich. Und deshalb müssen wir sie schützen – vor den bösen Mächten dieser Welt, die harmlose Einhorn-Flüsterer spielen, heimlich ihre Flinte ansetzen, dann abdrücken und die Fabelwesen töten, um sie durch Fleischwölfe zu drehen. Jedes Kind weiß, dass dabei aller Zauber verfliegt. Einhorn-Produkte sind genauso magisch wie ein Kartentrick, den man verrät.

Hört also endlich auf mit dem Scheiß und lasst die Einhörner am Leben!

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