Darum bin ich die letzte glückliche Raucherin

Larissa Königs

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Foto: pexels.com

Ein Plädoyer für mehr Rock n' Roll

Ich stehe allein auf dem Balkon. Es ist eiskalt – minus vier Grad – und ich sehe im Wohnzimmer meine Freunde lachen. Ich inhaliere den Rauch meiner Zigarette und frage mich, wann es so weit gekommen war.

Wann musste ich das erste Mal alleine in der Kälte stehe, statt in der WG-Küche zu qualmen? Was ist mit mir eigentlich falsch, dass ich als Einzige noch rauche? Die Antwort: Entweder alles oder nichts.

Vor über vier Jahren, am Anfang meines Studiums, haben noch alle geraucht.  In jeder Pause rannten wir in die Raucherecke und teilten uns die Zigaretten. Ich erinnnere mich gerne an diese Raucherpausen. In diesem zehn Minuten ließen wir Wut über unfaire Dozenten ab, philosophierten über Kommilitonen oder planten die nächste Party.

Das Beste: Während der Raucherpause kam ich ins Gespräch mit Leuten, mit denen ich sonst nie geredet hätte. Und die Politik-Vorlesung am Donnerstagabend war viel erträglicher, wenn ich vorher mit dem Dozenten zusammen eine Marlboro geraucht hatte.

Die Zahl der Raucher wird immer kleiner

Doch wer damals geraucht hat, ist heute clean. Die Anzahl der Raucher ist seit Jahren rückläufig: Heute rauchen nur noch 33 Prozent der 18- bis 25-Jährigen. In den 90ern war es noch knapp die Hälfte. Ich habe vollen Respekt für alle, die ihre Sucht aufgegeben haben. Und natürlich weiß ich, dass es so gesünder ist und auch billiger.

Nur wollte ich leider nie aufhören. Für mich schmeckt eine Zigarette einfach besser als Schokolade, Chips oder Kekse. Auch wenn es unvernünftig ist: Ich hänge an meinem Laster. Aber ich stehe auch dazu! Damit gehöre ich jedoch aktuell eher zu der Minderheit.

Insgesamt 19 Prozent der Nichtraucher haben früher mal geraucht. Das sind ziemlich viele, die sich irgendwann gegen ihre Sucht gestellt haben. Das wundert mich nicht. Die wenigen meiner Freunde, die noch rauchen, haben zumindest schon versucht aufzuhören.

Und seit wann muss man sich eigentlich vor jeder Zigarette rechtfertigen, indem man sagt: „Das ist meine erste Kippe diese Woche, ich rauche ja schon viel weniger“?! Wann sind wir alle nur so konform geworden?

Wenn ihr rauchen wollt, dann macht es einfach

Ich wünsche mir mehr Rebellion. Ich fordere das Recht, auf eine kleine Auszeit im Alltag. Gegen den Gesundheit-Fitness-Wahn und für mehr Rock n’ Roll. Für eine Raucherpause mit Arbeitskollegen, denen man nie näher ist als beim gemeinsam verrauchten Glimmstängel. Versteht mich nicht falsch, ich will niemanden zum Raucher machen.

Rauchen ist böse und tödlich, das weiß mittlerweile ja jeder. Aber wenn ihr rauchen wollt, dann macht es einfach. Rechtfertigt euch nur vor euch selber und nicht vor einer Gesellschaft, die es euch anscheinend vorschreibt vegan und fit zu leben.

Sie sagt: „Wenigstens stehst du zu dem Unsinn!”

Letztens saß ich bei einer Freundin rauchend in der Küche. Sie selbst rannte zu Unizeiten noch jede Pause in die Raucherecke und ist doch seit über zwei Jahren heimlich zur Nichtraucherin geworden.

Ihr gefällt es nicht, dass ich immer noch rauche. Ich weiß es. Ich sehe es ihr an. Dennoch sagt sie: „Wenigstens erfindest du keine Ausreden und stehst zu dem Unsinn.“ Ich finde, dass sie Recht hat. Aber ich bin ja auch die letzte glückliche Raucherin.

Quelle: Noizz.de

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