Coachella ist einfach nur ein Fake-Festival

Marie-Julie May

Sport, Lifestyle & Musik
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Für Insta-Sternchen Caro Dauer (l.) ist der Coachella Besuch ein Muss Foto: carodaur Bestätigt / Instagram

Warum mir dieses Festival einfach nur noch auf den Geist geht.

Wow, ein Riesenrad! Davor Blogger mit Fransen-Bikinis, Peace-Zeichen und Blumenkränzen in inszenierter Pose, dahinter die untergehende Sonne. Eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch und wahrscheinlich für jeden Instagramer und deren Community ein Traum. Für mich einfach nur nervig und schon hundertmal gesehen!

Willkommen im Coachella-Wahnsinn!

Für das „Who's-Who“ der Blogger-Szene und die, die dazugehören möchten, ist das Coachella ein eingetragener Termin im Kalender. Und so strömen die Influencer unserer Zeit und Vorbilder einer heranwachsenden Generation in Scharen in die Wüste in der Nähe von Los Angeles.

Die Folge: Unsere Timelines quillen über mit den immer gleichen Motiven von Insta-Sternchen, die mich dann noch mit entsprechenden Marken- und Produktverlinkungen belästigen! Da will ich einfach ganz laut in mein Kopfkissen brüllen. Und egal, wen du abonniert hast, es gibt mindestens einen, der ein „Chellllaa-Foto“ vor dem „legendären“ Riesenrad postet.

Für alle die es verpasst haben, gibt es hier meine persönlichen Highlights. Aber vorsicht: Der Hintergrund könnte sich etwas wiederholen.

Eine perfekte schreckliche Welt

Fakt ist, dass dieses Massenauflaufen der Blogger-Szene ein komplett falsches Bild der Realität abliefert. Selbst die „Insta-Gesellschaft“ weiß wahrscheinlich, dass diese Inszenierung nur eine vermeintliche Normalität ihrerseits widerspiegelt!

Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere junge Mensch versucht, sich an den Model-Looks der Festivalbesucher zu messen. Weil sie denken, sie müssen immer schöner, dünner und perfekter sein. Alles Quatsch!

Aber es gibt kein entkommen: Sämtliche Bildergalerien im Netz zeigen nur topgestylte Stars vor Labelwänden oder Pools. Denn Coachella, das ist viel Business und Geld. Genau das hat sich das Festival zum Markenzeichen gemacht.

Unter dem Hashtag #NoChella finden sich mittlerweile auch schon über 67.000 Beiträge auf Instagram. Das britische Model Cara Delevingne boykottiert ganz öffentlich. Sie will dem Veranstalter des Festivals nicht unterstützen, denn um ihn gibt es einen handfesten Homophobie-Skandal – ein absolutes No-Go für die bisexuelle Aktivistin!

Was ist aus dem guten alten Festival geworden?

Eigentlich waren Festivals immer ein Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls - ob Tomorrowland, Rock am Ring oder Woodstock. Doch dann ist da noch Coachella! Einstiger Sehnsuchtsort der Menschen Anfang 20, bei dem es mittlerweile nur noch um Kommerz geht. Folge: Coachella hat seinen freiheitlichen Spirit komplett verkauft. So etwas wie Authentizität kann das Festival unter den heutigen Umständen wohl kaum noch abrufen.

Die Ticketpreise liegen im drei- bis vierstelligen Bereich. Viel zu hoch! Wer Bilder postet und dann noch bestimmte Marken in die Kamera hält, wird mit dem kleinen Wochenendausflug auch noch mit dem einen oder anderen Euro belohnt. Der Hype um Coachella könnte größer nicht sein.

Das hat zur Folge, dass die Musik inzwischen keine Rolle mehr spielt! Das Festival, das eigentlich jedes Jahr ziemlich gute Künstler am Start hat, verkommt dadurch jedes Jahr mehr und mehr zu einem Schaulaufen. Um die Musik, die dort von morgens bis abends gespielt wird, geht es hier doch schon längst nicht mehr. Es sei denn, sie dient als guter Hintergrund für Selfies und kann mit ein paar Hashtags gepostet werden.

Manche tragen allein am Oberkörper zerrissene Kleidung im zweifachen Wert meines Gehalts, und ich möchte klarstellen: Ich bin nicht missgünstig, ich frage mich nur, wo da noch der Festival-Faktor ist. Am Ende ist es doch eher ein Mode- statt Musikfestival. Für mich hat Coachella seit diesem Jahr seinen Coolness-Level komplett verloren, weil sich einfach jeder „Insta-Star“ dort tummelt.

Quelle: Noizz.de