Warum ich keine Handy-Fotos mag

Gerrit-Freya Klebe

Poesie & Politik
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Analoge Kameras sehen viel schöner aus als ein Smartphone Foto: CC0 / pexels.com

... und meine analoge Kamera liebe.

Ich fotografiere lieber analog als mit meinem iPhone. Weil ich dann etwas in der Hand habe. Weil es sinnlicher ist. Und weil meine Kamera besser aussieht als mein Smartphone. Sie hat einen richtigen Body, ein Objektiv, sie hat Gewicht. Mein iPhone hingegen ist nur ein platter Quader mit Akkuproblemen.

Und ganz ehrlich: Ich habe mir noch nie Bilder von meinem Smartphone ausgedruckt und irgendwo hingeklebt. Am schlimmsten finde ich es ja, wenn die nach 24 Stunden wieder verschwinden. So wie bei Snapchat. Warum mache ich Fotos, wenn ich sie mir nicht dauerhaft ansehen möchte?

Mit meiner analogen Kamera ist das anders. Sie ist älter als ich, hat wahrscheinlich schon mehr erlebt und gesehen. (Mein iPhone ist jetzt drei Jahre alt und schon gebrechlich. Meine Kamera ist über 20 – und immer noch fit.) Wenn ich auf den Auslöser drücke, surrt es einmal leise. Vielleicht erzählt sie mir ja etwas.

Wenn ich analog fotografiere, sehe ich zweimal hin, ob es mir wirklich ein Foto wert ist. Ich mache nicht 17 sinnlose Fotos, die ich am Ende eh wieder alle lösche, weil mein Speicher sonst zu schnell voll ist.

Mit einer analogen Kamera habe ich 36 Fotos zur Verfügung, 36 Versuche. Wenn der Film fast voll ist, kann ich mich schon gar nicht mehr an die ersten Bilder erinnern, die ich vor ein paar Wochen gemacht habe.

Dann wird der Film zurückgespult und ich nehme die Filmrolle raus, spüre das Gewicht der Erinnerungen. Wenn ich die Fotos zu dm bringe und sie ein paar Tage später abhole, ist das ein bisschen so wie Weihnachten. Dann kommt der große Moment: Sind die Bilder etwas geworden? Es könnte ja auch sein, dass der Film kaputt war und kein einziges Bild übrig ist. Ich mag dieses Restrisiko.

Für die Bilder habe ich ein schwarzes Album, in das ich die Abzüge gewissenhaft einklebe. Dann sitze ich einen ganzen Abend mit Fotoecken an meinem Schreibtisch und schwelge in Erinnerungen, während ich die Bilder einklebe.

Später treffe ich mich mit Freunden und zeige ihnen die Bilder, dabei lachen wir viel. Das finde ich um einiges schöner, als jemandem zwischendurch nur einen halbherzigen Snap zu schicken.

Und selbst die Abzüge, die wirklich nichts geworden sind, zerschneide ich und bastele etwas daraus. Andere geben für den DIY-Kram viel Geld aus, ich habe das noch übrig.

Auch danach sehe ich mir die Bilder gerne wieder an. Manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen kann, hole ich das Album aus dem Regal und blättere darin. Aber ich würde nicht auf die Idee kommen, mir mein MacBook zu nehmen und mir im iPhoto Fotos anzusehen.

Dort schlafen noch hunderte digitale Bilder in Alben mit den Namen: Rom 2013 oder Paris 2012. Ich bin bis heute nicht dazu gekommen, einige davon zu bearbeiten und auszudrucken. Manchmal habe ich Angst, dass mein Laptop in der Zwischenzeit den Geist aufgibt. Aber dann ist ja immerhin noch das Fotoalbum da.

Quelle: Noizz.de

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