An manchen Tankstellen gibt es bald Subway – zum Glück!

Miron Tenenberg

1000 Berlin XX
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Good Sandwich Foto: Panegyrics of Granovetter / flickr

Das Tanken-Essen ist dort aber nicht das einzige Problem.

Seit Jahren redet Shell davon, die gelb-roten Tankstellen zu Konsumtempeln zu machen. Schon vor etwa 20 Jahren sollte es eigentlich losgehen, das Konzept vom Shopping mit angehängten Zapfsäulen umzusetzen. Viel ist aber nicht passiert.

Zwar gibt es ein paar große Shell-Stationen, die etliche Waren führen, die Autobahn-Tankstellen sind opulenter geworden, aber flächendeckend ist eine Tanke eben eine Tanke geblieben. Shell hin oder her.

Einige Mitbewerber haben es bereits geschafft, Supermärkte an Tankstellen zu installieren. Bei Jet kann man zum Beispiel bei Spar Express einkaufen, und Aral will 1000 Tankstellen mit Rewe-to-go-Filialen ausstatten. Solche Pläne hat Shell auch; dazu gleich mehr.

Disclaimer

Abgesehen von großspurigen Plänen, die Tankstellen haben einfach den Zeitgeist verschlafen. Ich rede hier als Großstädter aus Berlin, der als Sohn eines ehemaligen Pächters im Dampf der Zapfsäulen aufwuchs. Ich werde mich gleich über Mondscheinpreise und Spätis auslassen, über Essenqualität und Service.

Eventuell können sich nicht alle mit diesem Text identifizieren, denn im Ländlichen haben Tankstellen einen ganz anderen Stellenwert.

Dort trifft sich die Jugend auf der Tanke. Es ist immerhin der einzige Ort an dem es noch kaltes Bier, Schnaps und Essen gibt, sobald die Bürgersteige hochgepklappt sind. Hier ist der Hotspot für alle, die ihre getunten Karren zeigen und spazieren fahren wollen. Die Tanlstelle ist der Ort der Unterhaltung. Unter diesen Umständen sind Preise und Qualität des Warensortiments vielleicht nicht so wichtig.

Hier ist das anders.

Im urbanen Dickicht bekommt ihr bis spät in die Nacht alles mögliche zu essen und trinken. Restaurants, Imbisse, Pop-up-Läden, Food-Trailer … you name it. Doch wenn es einfach mal in den Park gehen soll, werden Snacks und Getränke to go benötigt. Spätkäufe, Büdchen oder Kioske stellen dabei einen wichtigen Pfeiler der nächtlichen Versorgung dar.

Wo damals Presseprodukte das Kerngeschäft ausmachten, gibt es heute Gummibärchen und Schokolade, unendlich viel Alkohol und meterweise Chips und Softdrinks. Die Preise sind zivil und dadruch hat sich genau an diesen Orten das Cornern etabliert: an der Ecke vor dem Späti hängen und … abhängen.

Haben das die Tanken eigentlich mitbekommen?

Nein. Dort gibt es zwar ein ähnliches Sortiment, aber die Apothekenpreise schrecken die meisten Nachtschwärmer ab. Warum für eine profane Flasche Bier mehr als Doppelte des normalen Ladenpreises zahlen?

Darüber hinaus: Will man hier kaufen? Nein. Keiner geht gerne an die Tanke irgendwas holen. Entweder man ist dort ohnehin oder es gibt keine andere Alternative zur Tankstelle. Nicht umsonst cornert man nicht an Tankstellen.

Dennoch bieten die meisten Tankstellen mittlerweile sogar kleine Bistros für das reisende Volk an. Im Süden der Republik gibt es dort teilweise richtig gute Brezeln. Aber über den Kamm geschert bekommt ihr nur Convenience-Mist auf der Tanke. Leckere Muffins, die es auch sonst überall gibt. Aufback-Backwaren, die es auch sonst überall gibt. Würstchen, die … Ey, Würstchen auf ’ner Tankstelle, geht’s noch?!

Ich sammle Payback-Punkte, also lasse ich mich zwei Mal im Jahr dazu hinreißen, bei Aral etwas zu kaufen. Andere Gründe gibt es nicht.

Dieses Problem wollen Shell und Subway nun ändern. Sie haben eine Partnerschaft angekündigt, es soll also bald Sandwiches der Fast-Food-Kette „Subway“ an Tankstellen geben. Obwohl es Subway in Deutschland schwer hat und nicht wirklich bekannt ist, ist die Kette nach Schätzungen des Branchenverbandes Dehoga auf Platz 7 der Systemgastronomen. Wir sind gespannt.

Die weichen Subway-Sandwiches sind jedenfalls eine akzeptable Alternative zum restlichen Tanken-Schrott. Im zweiten Halbjahr soll es losgehen, nicht ohne großes Aber: ABER es wird erst einmal nur zwei „Subway X Shell“-Filialen geben, nämlich in Laatz und Fürth.

Es sind zwar noch 50 weitere Standorte geplant, aber dazu konnte oder wollte uns niemand von Subway etwas sagen. Es wird also noch etwas dauern bis ihr euch an die Kooperation gewöhnt habt.

Interessanterweise sollen die Subway-Theken in alten Tankstellen-Werkstätten untergebracht werden. Denn für Sandwiches benötigt man weder Fritteuse noch Fettabscheider, was die Investitionskosten und den Platzbedarf niedrig hält.

Eigentlich würden bereits 15 Quadratmeter reichen. Gesucht wird aber nach Hallen um die 70 Quadratmeter. Bis es aber soweit ist, wird an Tankstellen überteuertes Bier gekauft und der Hunger weiterhin im Dönerladen gestillt.

Quelle: Noizz.de

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