Im Horror-Film „Get Out“ geht's um Rassismus in den USA – ein Experten-Interview

Larissa Königs

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Der schwarze Protagonist von „Get Out” Foto: Universal Pictures

Ein Experte erklärt den Riesen-Erfolg des Films „Get Out”.

Der amerikanische Horrorfilm „Get out” steht momentan an der Spitze der Kinocharts in den USA. Soweit ist das keine große Neuigkeit. Doch in dem Film, der allein am ersten Wochenende schon 30 Millionen Dollar einspielte, geht es nicht um irgendeinen Psycho-Killer, sondern um ein (leider) alltägliches Thema: Rassismus.

Die Weißen haben es auf die Schwarzen abgesehen

Der schwarze Chris fährt mit seiner weißen Freundin zu deren weißen Eltern in die weiße Vorstadt. Dort wirkt erstmal alles ganz nett, doch nach und nach zeigt sich der Horror – denn die Weißen haben es auf die Schwarzen abgesehen.

Hinter dem Film steckt also eine ziemlich krasse Gesellschafts- und Sozialkritik. Überraschend, denkst du? Nein, denn tatsächlich haben Horrorfilme immer schon gesellschaftliche Missstände angekreidet, erklärt der Berliner Professor für Filmwissenschaft Marcus Stiglegger.

Marcus Stiglegger ist unter anderem Experte für Horror-Filme Foto: Prof. Dr. Stiglegger

NOIZZ: Ist „Get out” der erste Film, der Rassismus als Grundlage für den Horror nimmt?

Marcus Stiglegger: Nein. Es gibt auch andere Horrorfilme, die Rassismus thematisieren. So gibt es in dem französischen Terrorkino beispielsweise den Film „Frontier(s)”: Darin geht es um eine degenerierte Familie, die nach der Hitlerschen Rassenlehre lebt. Dieser Film ist schon 2007 erschienen. Allerdings sehe ich durchaus einen Trend, dass Rassismus als Thema in Horrorfilmen im Kommen ist.

Warum?

Stiglegger: Horrorfilme thematisieren schon immer gesellschaftliche Ängste. Ein Beispiel: Je größer der Schönheitswahn wird, umso mehr Filme spielen mit der Angst vor dem körperlichen Verfall – unter anderem deswegen boomen auch Zombiefilme.

Aktuell ist in den USA Rassismus ein wichtiges Thema. Das könnte ein Grund sein, weswegen „Get out” so gut ankommt. Horrorfilme sind eben ein Barometer unserer Ängste.

Wird die Angst größer, je bekannter uns das Thema ist?

Stiglegger: Ja, das würde ich schon sagen. Das Grauen rückt näher an uns heran, je bekannter uns diese Wirklichkeit ist. Das gilt auch nicht nur für Themen, sondern auch für Orte – in diesem Fall die amerikanische Vorstadt. Das dort gezeigte Mittelstands-Milieu kennen wir aus vielen Serien. Grundsätzlich gilt: Je alltäglicher der Schein, desto tiefer die Abgründe.

Neben dem Spiel mit der Angst gibt es in „Get out” allerdings auch viele humoristische Aspekte ...

Stiglegger: Das ist gar nicht so untypisch und liegt daran, dass Horrorfilme immer eine Übersteigerung sind. Da ist die Grenze zwischen Grauenvollem und Witzigem dann schmal. Das sieht man auch an Splatter-Komödien wie zum Beispiel „Braindead”.

Grundsätzlich sind Horrorfilme in Deutschland nicht die größten Kassenschlager – wird sich das mit „Get out” ändern und der Film ein ebenso großer Erfolg, wie in den USA?

Stiglegger: Tatsächlich funktionieren hier in Deutschland eher klassische, weniger anspruchsvolle Horrorfilme wie „Conjuring” oder „Paranormal Activities Teil 4”.

Mit solchen Filmen wird ein Publikum angesprochen, das sich eher nicht für Filme wie „Get Out” interessiert. Allerdings weiß man nie: „Split” war auch eine Überaschung, die niemand vorhergesagt hatte. Manchmal kommt es eben auch anders, als man erwartet.

Quelle: Noizz.de

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