Kurze, Kotze, Karneval: Die besten Faschings-Erlebnisse der NOIZZ-Redaktion

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Beim Straßenkarneval darf das richtige Kostim natürlich nicht fehlen Foto: Citanova Düsseldorf / flickr.com, cc2.0

Und: Ja, wir wissen, dass Karneval und Fasching was Grundverschiedenes ist!

Larissa: Jetzt wird gefeiert!

Der Karneval in Niedersachsen ist nicht vergleichbar mit dem in Düsseldorf. Deshalb murrte ich jahrelang in meiner niedersächsischen Heimatstadt über die verpassten Karnevals-Erlebnisse meiner Freunde im Rheinland. Als ich dann zum Studium in die Nähe von Düsseldorf zog, sollte das nachgeholt werden.

Im ersten Jahr zog ich also mit meiner Karneval-erprobten Cousine los, um in Düsseldorf die „längste Theke der Welt” unsicher zu machen. Tatsächlich erinnere ich mich nicht mehr an viel von diesem Tag – weil wir schon um ein Uhr nachmittags Schnaps getrunken haben.

Was ich noch weiß: dass wir unfassbar viel Spaß hatten, trotz Nieselregen und viel Gedränge. Dennoch blieb es nach diesem einen Karnevalsausflug auch dabei: Irgendwie war diese betrunkene Schlager-Musik-Welt doch zu viel für mein niedersächsisches Ich.

Sabine: drei Monate rumbitchen

Ich war gut 15 Jahre lang Funkemariechen. So eine tanzende Puppe in Uniform, die Spagath kann und andere Kunststückchen. Das bedeutete: drei Monate extremer Ausnahmezustand. Bis zu 50 Auftritte in einer Saison, immer zwischen Besoffenen (gut oft war man es dann auch selber, je älter man wurde).

Gefühlt tausend Schichten musste man immer anziehen – ein Petticoat, Spitzenhöschen, super ultratighte Bronzestrumpfhose, Spitzenkragen, Rollkragenpulli, Hosenträger, der Uniformrock und die -jacke. Später war man zehn Kilo schwerer.

Das Highlight waren immer die Tanzturniere bei denen wir mitmachten. Da gab es immer bitchige Tanzmariechen, die sich gegenseitig anzickten. Bei diesen Events spielten sich zwischen Blaskapelle Intrigen und Dramen ab.

Manch einer tauschte die Glitzerschminke aus, gegen die ein Mitglied der Truppe allergisch war – oder es gab auf einmal Löcher in den Strumpfhosen (was bei den 1000 Den eigentlich so gut wie unmöglich war).

Und jedes Mal gewann irgendeine Truppe, die zum 100.000. Abba-Polka-Medley die perfekte Choreo ablieferte und am besten oben genannte Tricks angewendet hat. Und was haben wir gemacht? Am Ende 'nen Kurzen getrunken!

Katja: 4 Tage frei zum Saufen

Als Eifeler Kind in direkter Umgebung zum Rheinland kommt man nicht an Karneval vorbei. Von klein auf gibt es jedes Jahr ein neues Kostüm, dessen Rock mit dem Alter immer knapper wird.

Viele meiner witzigsten Karnevals-Geschichten haben mit Alkohol zu tun – denn man bekommt ja auch extra vier Tage frei, um zu saufen. Und der Alkohol macht selbst vor dem Schultor nicht halt.

An unserer Schule gab es an Weiberdonnerstag in den ersten Stunden tatsächlich noch Unterricht, bevor am Vormittag die offizielle Schulfeier begann. Schon auf dem Weg zum Bus tankten wir ordentlich Alkohol – mit 15 Jahren.

Und in der Schule – einem bischöflichen katholischen Gymnasium – ging es weiter. Apfelkorn im Chemie-Unterricht, Feiglinge in Physik. Es war so ein bisschen wie in „Leaving Las Vegas", nur dass wir jüngere Versionen von Nicolas Cage waren.

Nach der Schule musste dann erst einmal der Rausch ausgeschlafen werden. Weil meine Eltern arbeiten waren, haben sie eh nix gemerkt.

Abends ging es dann ins Festzelt in meinem Heimdorf, wo lustig weitergetrunken wurde. Natürlich mit 18er-Bändchen, dass man sich an der Kasse ermogelt hat.

Eigentlich ist das eher schockierend als witzig – aber da macht man an Karneval eh keinen Unterschied.

Manuel: Sorry, Jochen, ich mach’s wieder gut

Jochen hatte quasi einen RyanAir-Flughafen um die Ecke. Daher war seine Idee naheliegend, zusammen mit den anderen Jungs an Karneval ins Flugzeug zu steigen und ein rauschhaftes Wochenende zwischen Mainz und Köln zu verbringen.

Wir machten gerade Erasmus in Pisa – Jochen, Stefan, Willy und ich. Vor dem Flug rauchten wir das restliche Dope, sodass wir quasi schon zum Flughafen flogen und uns vor dem Security-Check unsere Sonnenbrillen aufsetzten und komplett Paranoia schoben, von wegen: Wenn die merken, dass wir high sind, lassen die uns nicht in den Flieger.

Zum Glück trank Jochen gerade keinen Alk, weil er sein Pfeiffer-Drüsenfieber auskurierte, was er sich mutmaßlich bei einer Mexikanerin in Rom geholt hatte, aber ganz so genau wusste er das nicht. (Seitdem heißt er übrigens „Apfelschorlen-Joe”, er trank nämlich ziemlich lange keinen Alk mehr, sondern immerzu Apfelsaftschorle.)

Jochen lotste uns am Altweiberdonnerstag von der Kölner Altstadt zum Hauptbahnhof, ohne ihn hätten wir den Weg nie mehr gefunden. Jochen wischte meine Kotze vom Regionalexpress-Boden. Jochen hielt an und ließ das Fenster runter, als mir im BWM seiner Eltern zum x-ten Mal der Kleine Feigling hochkam.

Jochen, du hast immer noch was bei mir gut. Auch dafür, dass du es ertragen hast, als ich mich im Wohnzimmer deiner Tante und deines Onkels volltrunken und stoned an den Steinway setzte und verstörend vor mich hin improvisierte – zum Schrecken deiner 11-jährigen Cousine.

„Habt ihr die Fässer gesehen?”, fragte sie, als wir direkt vom Mainzer Rosenmontag in ihr geordnetes Heim gekommen waren. Es war – das muss ich zu unserer Verteidigung sagen – nicht unsere Idee gewesen, sondern Jochens. „Wir haben so einige Fässer gesehen“, antwortete ich dem Mädchen.

Sorry, Jochen, ich mach’s wieder gut. Die nächste Apfelsaftschorle geht auf mich.

Quelle: Noizz.de

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