Warum sind Food-Videos auf Facebook so eklig?

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Na? Schon hungrig? Foto: Thrillist / facebook.com/thrillist

Nur weil du etwas mit Käse überbackst, bist du noch kein Koch.

Ich kann es nicht mehr sehen!

Ständig werden mir in meine Facebook-Timeline zutiefst verstörende Videos gespült, in denen völlig unzensiert Verbrechen an der Menschlichkeit begangen werden, und das auch noch untermalt von gut gelaunter Stock-Musik. Und Facebook scheint nichts gegen diesen Trend zu unternehmen!

Ich rede von den scheinbar harmlosen quadratischen Food-Clips, in denen zwei anonyme Hände eine Handvoll unschuldiger Zutaten in ein grausames Massaker verwandeln. Was hat zum Beispiel dieser arme Käse getan, um in Hack und Bacon eingewickelt als „Sushi“ zu verenden?

Dass es sich bei diesem Gericht nicht um einen Ausrutscher handelt, zeight der nächste Clip: Hier hat die Seite „Tasty“ ihre zehn beliebtesten Videos zusammengeschnitten. Allzu großen Appetit bereitet mir das nicht: Allein zwei der Rezepte bestehen darin, dass eine vorgekaufte Zimtrolle zerstückelt und mit ein paar weiteren Zutaten zu einem Frankenstein-Kuchen umgebacken wird.

Zwei weitere Male zwängt man Käse mithilfe von Fleisch oder Zweibeln unter eine Panade und stürzt die Klumpen ins Fettbecken. Und was ist das überhaupt für ein Mozzarella, den die da benutzen?

Was einst mit nützlichen Tipps begann, ist inzwischen zu einem Wettlauf der Superlative geworden: Wer zieht die längsten Käsefäden? Wer hat die buntesten Streusel? Wer kann an den unpassendsten Stelle noch etwas Bacon einbauen? Um echte Kulinarik geht es auf Facebook überhaupt nicht mehr.

Dabei böte ein solches Format tolle Chancen, auch komplexere Rezepte zu vermitteln – schließlich gibt es kaum eine bessere Methode dafür als die Videos aus Kochperspektive.

Stattdessen müssen wir uns bei „Thrillist“ anschauen, wie man eine Bacon-Hack-Käse-Torte auf den Grill haut und mit Whiskey-Ketchup einpinselt.

Und als wäre das noch nicht genug, findet man auch die passenden ekelhaften Getränke dazu, zum Beispiel diesen Erdbeerkuchen-Shot:

Anscheinend ist dem Internet innerhalb weniger Jahre jeglicher Sinn für Kulinarik abhandengekommen. Er wurde ersetzt durch eine Unkultur, die dank einer toxischen Mischung aus Nostalgie und Größenwahn längst vergessen hat, was gutes Essen eigentlich auszeichnet.

Wenn dieser Trend in der digitalen Welt bliebe, wäre das alles ja noch zu verkraften. Tatsächlich ist es aber schon mehrfach vorgekommen, dass ich auf einer Hausparty auf ein solches Gericht gestoßen bin – meistens irgendwas Käsiges aus dem Muffinblech.

Immerhin scheine ich nicht der Einzige zu sein, dem das alles auf die Nerven geht: Die „Washington Post“ hat ein Video produziert, das die viralen Koch-Clips ein wenig aufs Korn nimmt. Und dabei kommt sogar ein Gebäck raus, das im Vergleich zu den ernstgemeinten Rezepten von „Tasty“ und Co. halbwegs essbar aussieht.

[Disclaimer: Auch NOIZZ produziert und veröffentlicht leidenschaftlich gerne Food-Videos! Wir hoffen nicht, dass Ivo kündigt, wenn er das herausfindet ...]

Quelle: Noizz.de

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