Warum ich Til Schweiger hasse

Silvia Silko

Pop, Kultur, Lifestyle
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tilschweigerklassentreffen Foto: Screenshot / YouTube

Klebt so eklig wie Honig im Kopf.

Ja ja, ich weiß: Til Schweiger hat seine Berechtigung. Rennen ja ständig alle in seine Filme – Vierohr-Karnickel, Kack-Au-Weehhh und wie sie alle heißen.

Der Erfolg gibt Schweiger in seinem Treiben recht, und so tunkt er konsequent immer alles so lange in Sepia, bis auch der/die letzte Zuschauende sich nicht mehr gegen das verdammte Feelgood wehren kann. Da hat man dann Gefälligkeitskino, das die Dramaturgie einer Tchibo-Werbung aufweist (und wie bei Tchibo ist es auch bei diesen Filmen: Alles Nippes, den kein Mensch wirklich braucht).

Man könnte mir jetzt sagen: "Schau dir halt was anderes an! Geh halt nur ins Kino, wenn irgendeine verkopfte, französische Emo-Indie-Kacke läuft, bei der am Ende alle tot sind." Ganz so einfach ist das aber nicht. Denn:

Erstens sind Til-Schweiger-Filme immer so allgemeingefällig und dermaßen familienfreundlich, dass sie irgendwann auf jedem Filmabend vorgeschlagen und meistens auch gezeigt werden. Leider sind diese 90 Minuten aber am Ende nicht harmlos genug, um sie einfach ignorieren zu können. Und so sitzt man daneben, schaut sich das nuschelnde Manta-Urgestein an und merkt, wie das eigene Gehirn gleich freiwillig implodiert.

Zweitens ist Til Schweiger und seine Produktionsfirma ein Symbol für grausames Kino, und so setzt einfach jeder Film ein Zeichen für die Anspruchslosigkeit deutscher Kinogänger: Warum sonst akzeptiert es jeder, dass Schweiger seine untalentierten Kinder in wirklich JEDEN Film packt? Warum sonst ist es okay, dass Schweiger seit gefühlten 50 Jahren IMMER dieselbe Rolle spielt und erst der harte Womanizer ist, der aber irgendwann sein wahres, weiches Herz findet?

Warum akzeptieren alle die extrem unglaubwürdigen Aneinanderreihungen von Zufällen, die irgendwann in platte Pointen münden? Warum ist es okay, die immer selben, vorhersehbaren Geschichten vorgesetzt zu bekommen?

Til Schweiger erfüllt auch weiterhin unermüdlich Erwartungen und serviert uns seinen Einheitsbrei mit abgestandener Soße dieses Mal sogar im Dreierpack: Sein neuer Film "Klassentreffen" ist jetzt schon als Trilogie angedroht worden. Der Trailer zeigt auch direkt, dass alle üblichen Zutaten Schweigers wieder am Start sind.

Außerdem ist die Story so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche: Irgendwelche Deppen treffen sich 30 Jahre nach ihrem Abi, und schon beginnt das lustige Chaos – ich bin ehrlich gespannt, wie man diese dünne und ausgelutschte Storyline auf drei Filme ziehen kann.

Gezeigt wird diese Midlife-Crisis aus männlicher Sicht, und deshalb geht es hauptsächlich um Schwänze: schlaffe, kleine, unrasierte und desinfizierte Penisse (ob der Fokus des zweiten und dritten Teils dann eher auf Vaginas und Hintern liegt, ist uns noch nicht bekannt).

Wenn man also Lust auf Pimmel-Comedy der Marke "American Pie für weiße alte Männer" hat: Freut euch auf den 20. September 2018 dieses Jahres, da geht die Potenz-Party nämlich los. „Klassentreffen 2“ und „Klassentreffen 3“ starten jeweils am 3. Oktober 2019 und am 24. September 2020. Danke für nichts!

Quelle: Noizz.de