Darum solltest du den Film unbedingt sehen.

Eine Party, die eigentlich anfängt wie jede Party: Aufgeregt sein, sich Alkohol klären, mit der besten Freundin tuscheln, den neuen Freund abknutschen.

So geht's auch Isy (Milena Tscharntke), bis ihr Freund vor ihren Augen mit einer Anderen rummacht. Die Abwärtsspirale beginnt, auf Alkohol und Pillen wird Isy bewusstlos, und Lenny (Ludwig Simon) stachelt Isys besten Freund Jonas (Michelangelo Fortuzzi) und Kumpel Martin (Jakob Schmidt) auf, Isy zu vergewaltigen.

Der Plot in dem Fernsehfilm der Woche, „Alles Isy“ (Mittwoch, 5. September, 20.15 Uhr, ARD) geht nahe.

Der Gedanke, als Teenie von drei männlichen Mitschülern hintereinander vergewaltigt zu werden, während man wehrlos ist. Das dumpfe Gefühl, das irgendwas nicht stimmt, dass die vergangene Nacht irgendetwas schief gegangen sein muss, aber der Filmriss verbirgt, was.

Der Schock, als die Frauenärztin nach der Untersuchung mit mitfühlendem Blick den Info-Flyer in die Hand drückt, auf dem steht: „Ich wurde vergewaltigt.“

Wir haben uns den Film vorab angeschaut und finden, jeder sollte „Alles Isy“ sehen.

Denn auch an unseren Schulen hat es ähnliche Fälle gegeben, auch in unseren Bekanntenkreisen sind schon unerhörte Sätze gefallen wie: „Ich bin mir nicht so sicher, ob sie das überhaupt gewollt hat.“

Diese 5 Tabu-Themen haben die Macher richtig gut erklärt:

1. Als Täter kommt jeder infrage

Lenny kommt einem Vergewaltiger, wie man ihn sich vorstellt, noch am Nähesten. Der Anführer, der Grenzen bewusst überschreitet, den danach keine Gewissensbisse plagen, nur die Panik, man könnte in drankriegen.

Isy mit ihrem besten Freund Jonas Foto: rbb / Jana Lämmerer / rbb / Jana Lämmerer

Aber Jonas will so gar nicht ins Schema passen: Ein sensibler Emo-Junge, schüchtern, der nette Junge, den man seit Kindheitstagen kennt, immer aufmerksam, immer da.

2. Oft stehen Vergewaltiger stehen dem Opfer nahe

Der fremde Mann, der sein Opfer auf dem Nachhauseweg ins Gebüsch zieht und missbraucht, ist selten im Vergleich zu den Fällen, in denen die Täter aus dem nächsten Umfeld stammen. Das Opfer vertraut der Person also, die plötzlich gewalttätig wird.

So heißt es einer Erklärung des unabhängigen Beauftragten für Kindesmissbrauch: „Sexuelle Gewalt findet am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (ca. 25 %) sowie im sozialen Nahraum beziehungsweise im weiteren Familien- und Bekanntenkreis, zum Beispiel durch Nachbarn oder Personen aus Einrichtungen oder Vereinen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen (ca. 50 %). Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter oder -täterinnen ist eher die Ausnahme.“

In „Alles Isy“ sind es gleich drei Mitschüler inklusive dem besten Freund, der eigentlich in Isy verliebt ist.

3. Rache spielt oft eine Rolle

Beliebte Mädchen wie Isy, die beste Freunde wie Jonas lieben, aber eben wie einen Bruder. Der beste Freund, der immer nur der Kumpel bleibt, und mit dieser Ablehnung kämpft, nie der zu sein, in den sich die schönen, beliebten Mädchen verlieben.

Jonas hat es für einen Moment satt, der ewig beste Freund zu sein, der nur wichtig ist, wenn die beste Freundin mal wieder abserviert wurde und sich an seiner Schulter ausweint.

Auf Alkohol und in tiefstem Liebeskummer lässt sich Jonas mit in den Sog ziehen, der „Schlampe“ doch mal eine Lektion zu verpassen, obwohl er davor sogar versucht, die Vergewaltigung zu verhindern.

4. Scham, Schweigen und Ohnmacht sind Mitschuld

Natürlich wird die Situation umso komplexer, wenn sich Opfer und Täter nahestehen, in dieselbe Schule gehen, die Eltern befreundet sind. Denn Täter vertuschen, die Opfer schweigen aus Scham, manche Täter empfinden keine Schuld, viele Opfer dagegen schon.

So auch Isy, die sich vorwirft, die Drogen genommen zu haben. Oder der Vater von Jonas, der als Anwalt doppelmoralige Entscheidungen zum Eigenschutz und Schutz seines Sohnes trifft.

5. Das Dilemma der Eltern

In der Theorie ist Gut und Böse klar definiert. Der Vergewaltiger muss in den Knast. Was aber, wenn der eigene Sohn unter Tränen gesteht, seine beste Freundin vergewaltigt zu haben? Wenn er sich selbst anzeigen will, aber die anderen davon kommen?

Wenn diese eine Nacht das Leben eines Jungen, aber auch eines Mädchen zerstört? Was ist, wenn das Mädchen gar nicht will, das ihr bester Freund angezeigt wird?

Was tun, wenn die eigene Tochter vergewaltigt wurde, aber nicht darüber reden, geschweige denn zur Polizei gehen will?

Falls es euch schwerfällt oder unangenehm ist, das Tabu-Thema im Freundeskreis oder mit euren Eltern zu diskutieren, könnte der Film ein guter Aufhänger sein.

Falls ihr den Film im Fernsehen verpasst: Hier könnt ihr „Alles Isy“ in der ARD-Mediathek nachschauen.

Quelle: Noizz.de