Warum die „Sesamstraße“ jetzt ein autistisches Mädchen hat

Alina Leimbach

Pop & Politik
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Das ist Julia. Und sie sieht schon ziemlich süß aus. Foto: Screenshot / youtube.com sesame street

Ab April wird sie regelmäßig zu sehen sein.

Wenn wir Autismus hören, denken wir oft an krass Hochbegabte, oder Menschen, die unfähig sind, Gefühle zu verstehen. Doch Autismus ist deutlich facettenreicher als „hochbegabt“ oder Einzelgänger. Und vor allem: Menschen mit Autismus können voll dazu gehören.

Genau das zeigt die Sesamstraße, die erneut Vorreiter in Sachen Inklusion ist. Sie begrüßt Julia, die ab April in die Sesamstraßen-Welt einziehen wird. Ein Mädchen mit frechem, orangenem Bob und riesen Augen – und Autismus.

Sesame Street: Play Peek-A-Boo with Elmo & Julia

Manchmal braucht Julia ein wenig länger zum Antworten, und sie versteht nicht alle Spiele sofort. Zum Beispiel das Abklatschen-Spiel „Tap”. Statt Abklatschen zu spielen, hüpft Julia erst einmal. Denn sie hüpft gerne. Doch ihre Freundin Abby Cadabby findet das nicht schlimm. Stattdessen wird einfach Abklatschen mit Hüpfen gespielt.

„Oh, das ist ja ein super Spiel”, befindet Abby Cadabby.

Sesame Street: Julia Invents a New Game | Boing Boing Tag

Das besondere an Julia ist, dass sie eben ein ganz normaler Charakter in der Serie ist. Und auch wenn das ihr momentan besondere Aufmerksamkeit verschafft, wünscht sich die Drehbuch-Schreiberin Christine Ferraro etwas ganz anderes: „Ich hoffe, dass sie irgendwann einfach nur noch Julia sein wird und nicht mehr Autismus-Julia.”

Ferraro plädiert dafür, den Umgang mit diesen Menschen zu normalisieren. Eine Forderung, die viele Autismus-Verbände teilen. Zum Beispiel gibt es leichte Varianten, manche sind stärker. Alleine in Deutschland haben etwa sechs aus 1000 Menschen eine Form von Autismus, so der Verband Autismus Deutschland e.V.

Viele Autisten kämpfen dagegen, nicht immer als dumm oder als Sonderling ohne Gefühle abgestempelt werden. Auch viele Eltern betonen, dass sie ihr Kind lieben, wie es ist und es nicht „heilen” wollen. Sie hätten einfach gerne, etwas mehr Akzeptanz. Denn zurzeit werden Menschen mit Autismus oft ausgegrenzt.

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So auch die Gewinnerin von „Britain got Talent“ Susan Boyle. Sie eroberte erst die Herzen der Jury und sang dann vor Queen und Obama. Vier Jahre nachdem sie den Titel errang, wurde bei ihr Asberger-Autismus diagnostiziert – mit 52 Jahren. „Ich galt jahrzehntelang als gehirngeschädigt und wurde dafür gemobbt und ausgelacht. Das hat sich einfach nicht richtig angefühlt.” Die Autismus-Diagnose sei daher eine Erleichterung für sie gewesen.

Sesame Street: Butterfly Flapping Fun | Julia & Abby Cadabby

Dass es nun Julia regulär als Figur gibt, sieht auch die Mutter von drei Autistischen Kindern sehr positiv: „Ich glaube, Autismus ist deshalb so stigmatisiert wird, weil wir sehr wenig darüber wissen. Mit Charakteren mit Autismus in der Sesamstraße ist es wundervoll, denn es gilt das Thema zu normalisieren. Wir alle haben unsere kleinen Ticks, die uns zu dem machen, der wir sind”, sagte Cathie Newby gegenüber dem Nachrichtenportal SBS.

Wann Julia nach Deutschland kommt, ist derzeit nicht klar. Doch zumindest gibt es erste Videos auf YouTube von ihr.

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Quelle: Noizz.de

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