Von Afrika bis an den Nordpol.

YouTube, das ist für viele nur eine etwas zu aufgedrehte und bunte Blabberwelt. Gut, ab und an gibt es da mal ein paar ernstzunehmende Ansätze. Auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten können sich dessen nicht entziehen und haben mit „funk“ ein junges Medienangebot nur im Netz auf die Beine gestellt. Natürlich auch mit Webcasts auf YouTube.

Nun startet die Mutter aller Videoplattformen aber erste Exklusiv-Produktionen aus Deutschland, die Kunden für das kostenpflichtige Abo-Angebot der Videoplattform gewinnen sollen. Mit dabei: Unter anderem LeFloid und Phil Laude, Bullshit TV, ja sogar David Hasselhoff.

Die drei seit dieser Woche verfügbaren Serien werden – ähnlich wie andere Exklusiv-Inhalte von YouTube Premium – auch international zu sehen sein. Eins haben alle Formate aber gemeinsam: Sie setzen auf bekannte Gesichter, gewohnte YouTube-Ästhetik und spielen alle ein bisschen mit der Metaebene – und diversen Insiderwitzen.

Dass YouTube jetzt mal was anderes ausprobiert und zumindest ein bisschen versucht, etwas vom Streamingkuchen abzubekommen, wird also spätestens nach dem Start der drei ersten deutschen Eigenproduktionen in dieser Woche deutlich.

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Wer davon ausgeht, ein Video für YouTube entstehe so mir nichts dir nichts, hat sich allerdings gewaltig getäuscht. Hinter den Clips steckt viel Aufwand, eine Menge Zeit und bei den wirklich bekannten Vloggern weit mehr als nur ein oder zwei Personen, die aufnehmen und schneiden.

Für die Macher hinter den YouTube-Originals gab es natürlich nochmal andere Arbeitsbedingungen ­– wie cool das war oder auch nicht, darüber haben wir mit LeFloid gesprochen.

„Es war eine ziemliche Katastrophe“: LeFloid im NOIZZ-Interview

Eins muss man LeFloid ja lassen: Ihn kennt mittlerweile jeder. Das hat natürlich etwas mit seinem Merkel-Interview 2015 zu tun. Unter dem Hashtag „#NetzFragtMerkel“ sammelte er im Vorfeld politische Fragen, die die Nutzer besonders interessierten. Es war das erste Mal, dass ein YouTuber und nicht ein Journalist Bundeskanzlerin Angela Merkel interviewte.

Dafür musste LeFloid im Nachhinein allerdings jede Menge Kritik einstecken. Ihm wurde vorgeworfen, ungewohnt zahm die Fragen gestellt zu haben, nicht oft genug nachgehakt zu haben und so der Kanzlerin ganz gut in die PR-Karten gespielt zu haben.

Angefangen hat bei Florian Diedrich, wie LeFloids Name in Wirklichkeit lautet, alles aber schon viel früher. Seit 2007 veröffentlicht er auf seinem YouTube-Channel LeFloid regelmäßig Video-Formate. Besonders bekannt wurde er mit dem Format „LeNews“, indem er auf ungewöhnliche Weise und sehr unterhaltend das wöchentliche Weltgeschehen, sowie kuriose Themen kommentiert. Mehrmals wurde ihm vorgeworden, Falschmeldungen zu verbreiten oder Nachrichten unreflektiert an das Publikum zu bringen. LeFloid stellt sich der Kritik immer wieder in seinen Videos.

Mittlerweile hat er neben seinem Hauptkanal noch zwei weitere Channel: FlipFloid und DoktorFroid, auf denen er insgesamt über drei Millionen Abonnenten versammelt. Hier gibt es neben anderen Projektideen von ihm auch immer wieder Let’s Plays und anderen Gaming-Content sowie typische Vlogs.

Mit seinem neuen Projekt „LeFloid Vs. The World“, die einzige englischsprachige YouTube-Originals-Produktion aus Deutschland, widmet er sich nun einem neuen Genre: der Reportage. Eine spannende Erfahrung für ihn, wie er NOIZZ im Interview bei der Deutschland-Premiere des Formates erzählt.

NOIZZ: Wie kamst du auf die Idee für diese Reportage-Reihe?

LeFloid: Auf meinem Hauptkanal mache ich seit Jahren Nachrichtenkommentare. Als es darum ging, mit YouTube herauszufinden, was ich mir für so ein Original-Format vorstellen könnte, habe ich mich gefragt: „Was ist das, was du am meisten siehst und auch für dich selber mitnehmen kannst?“ Ich gucke eben einfach wahnsinnig gerne Dokus – am Tag gefühlt bestimmt drei Stück – und wollte einfach mal was anderes machen. Als es darum ging, was ich mir für so ein Format vorstellen könnte, dachte ich mir: „Wieso nicht einfach selbst Dokus drehen?“

Zuerst dachte ich bei dem Titel, dass wird wieder irgendwas in Richtung Gaming…

Haha, das passiert, wenn ein Arbeitstitel plötzlich bis zum Ende bleibt.

Es war dann ja doch eher was Louis-Theroux-mäßiges.

Ja, das kommt nicht von ungefähr! Ich bin ein Riesenfan. Aber der Mann ist eine Legende, ich würde mich niemals mit ihm vergleichen.

Wieso hast du dich dazu entschieden, es auf Englisch zu drehen?

Am Anfang haben wir es auf Deutsch konzipiert. Aber nach den ersten Testaufnahmen war YouTube ziemlich angetan und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen und zutrauen könnte, das international zu machen. Das ist natürlich genial, weil man dann noch mehr Möglichkeiten hat, Sachen umzusetzen.

Glaubst du, du hättest „LeFloid Vs. The World“ auch selbst so hingekriegt?

Nun ja, in Ansätzen schon. Aber all die spannenden Leute, die ich kennengelernt und getroffen habe – das kriegt man ohne die richtigen Leute im Hintergrund gar nicht hin. In der Produktionsfirma gab es Leute, die holen einfach ihr Handy raus und sagen dann: „Ah okay, Toni Garrn? Ice-T? die Nummer hab ich hier.“ Das war mir vorher nicht so bewusst, dass es wirklich so läuft.

Wonach hast du deine Gesprächspartner denn ausgewählt?

Du bist auf ein Team angewiesen. Ich kann halt immer sagen, ich stell mir das und das vor. Aber ich kann schwer rumtelefonieren, so nach dem Motto: ‚Hallo, Afrika! kennt ihr da jemanden?‘  Ich kenne mich in manchen Dingen einfach nicht so aus.

War das Arbeiten mit einem größeren Team sehr anders für dich?

Nee, eigentlich gar nicht so sehr. Wir sind mittlerweile auch eine kleine eigene Firma, arbeiten mit Leuten zusammen und haben eine eigen Regie und Cutter – ich mache ja schon lange in der Form nicht mehr alles alleine. Es gab nie einen Punkt, wo ich sagen musste: „Oh damit kann ich jetzt gar nicht leben.“ Ich war als Executive Producer auch extrem in den Ablauf eingebunden.

Hattest du manchmal Probleme als deutscher YouTuber, der im internationalen Vergleich eher eine kleine Reichweite hat?

Wie gesagt, durch die Leute im Hintergrund war das schon praktischer. Als deutscher Mister YouTube international unterwegs zu sein, ist halt schon schwierig. Dann kommst du bei US-Promoleuten an, fragst nach einem Interview und sie so: „Oh, süß, drei Millionen Abos.“

Was war das Extremste was du während deiner Reisen erlebt hast?

Ich konnte echt viele außergewöhnliche Sachen erleben. Zum Beispiel Eurofighter fliegen. Ich würde fast am liebsten sagen: Das sollte jeder Mal getan haben in seinem Leben – aber gut, das ist natürlich nicht möglich. Aber das war krass. Oder als ich in der Folge über dem Klimawandel mit einem Experten über die Folgen von all dem spreche, direkt am Polarkreis – und dann bricht im Hintergrund einfach so ein Gletscher ab. Das war so krass. Man konnte die Folgen von uns direkt erleben. Das sind Momente, wo ich oft nochmal im Flieger drüber nachdenken musste.

Apropos Flieger: Wie hast du das eigentlich logistisch gemeistert?

Ich hatte eine Bedingung: Nichts von dem, was ich vorher getan habe, sollte zu kurz kommen. Ich wollte meine anderen Channels genauso weiter bespielen wie vorher, Und auch meine Familie nicht vernachlässigen.

Ist das nicht krass schwierig?

Klar. Es war eine ziemliche Katastrophe. Manchmal saß ich bis vier Uhr morgens in irgendwelchen Hotelzimmern auf der Welt und habe an einem Video geschnitten und etwas eingesprochen. Die wurden dann teilweise durch Bambusleitungen durch die Welt gejagt. In Afrika mit Upload-Zeiten von bis zu 36 Stunden oder mehr. Das war schon extrem, aber ich habe auch viel davon mitgenommen. Es war auch sehr inspirierend.

War das journalistische Arbeiten für dich ungewohnt? Du musstest dir früher ja schon vieles vorwerfen lassen, von wegen du würdest Falschmeldungen verbreiten.

Ich hab dazu ja mal ein Video gemacht, indem ich mich damit auseinandergesetzt habe. Ich habe prozentual weniger Falschmeldungen. Ich hatte drei Falschmeldungen bisher, das sind viel weniger prozentual gesehen als Spiegel-Online.

Trotzdem bleibt das an dir heften …

Klar, es ist ja auch schwierig. Wenn ich in der Position wäre, dass mir die User wegrennen, weil ich etwa die Jugend nicht mehr verstehe, dann würde ich meine Kritik als Print-Journalist vielleicht auch eher auf die digitale Sparte ansetzen.

Was denkst du denn, muss passieren, damit die konventionellen Medien ihre Nutzer nicht verlieren?

Ich glaube, es ist weiterhin wichtig, dass du jede einzelne Sparte bedienst. Den Print- und auch der Onlinejournalismus mit seinen Plusmedien, wie sie jetzt heißen, müssen als Informationsquelle für die meisten Menschen bleiben. Und zwar als Qualitätsjournalismus, auch wenn der ankämpfen muss gegen Idioten, die immer sagen „Systemmedien“.

Das Einzige, was unbedingt geändert werden muss: Die wichtigen und qualitativ hochwertigsten Themen dürfen nicht hinter Paywalls verschwinden. Das passiert aber immer öfters, reißerische 0815-News kommen auf die Frontpage. Aber die wirklich interessanten, vielseitigen Themen, die auch Diskussionen anregen und wichtig für unsere Gesellschaft sind, sind nicht frei. Sie sind zu oft hinter dem Plus Content versteckt, das ist wirklich schade.

Das Format gibt es ab sofort beim kostenpflichtigen YouTube Premium, jede Woche Mittwoch eine jeweils neue Folge.

Quelle: Noizz.de