Hört endlich auf, alte Disney-Filme mit echten Schauspielern zu verfilmen!

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Liu Yifei wird Fa Mulan in dem neuen Disney-Film spielen.
Liu Yifei wird Fa Mulan in dem neuen Disney-Film spielen. Foto: @Disneymovies / Instagram

Ihr ruiniert mir meine Kindheitserinnerungen.

Die Welt ist in Aufruhr: Es gibt ein erstes Bild aus der neuen Disney-Realverfilmung von „Mulan“. Ihr wisst schon, der Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1998 mit dem süßen Drachen Mushu (im deutschen gesprochen von Otto Waalkes), der für einen Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney doch ganz schön feministisch war.

Jetzt folgt Disney auch bei diesem Klassiker einem seit Jahren anhaltenden Trend. Im März 2019 soll die Realverfilmung von „Mulan“ in die US-Kinos kommen. Die Titelrolle übernimmt die in China sehr bekannte und beliebte Liu Yifei. Wenigstens kein White-Washing wie bei „Ghost in the Shell“, wo die Hauptrolle damals dreist mit Scarlett Johansson besetzt wurde.

Auch wenn der Ansatz bei „Mulan“ vielleicht ein guter ist, ich werde mir den Film nicht angucken. Wieso muss Disney uns das antun und die Meisterwerke noch einmal abdrehen – nur eben diesmal nicht als Animationsfilm, sondern mit echten Darstellern? Geht es dabei um eine künstlerische Hommage an die Originale oder vielmehr nur darum, noch einmal möglichst viel Kohle abzugreifen, weil diesmal vermutlich wirklich alle diesen Film gucken werden?

Ich bin mir uneins. Bisher konnte ich mich zumindest erfolgreich weigern, auch nur einen dieser Remake-Blockbuster im Kino oder auf den heimischen Streamingdiensten anzuschauen. Vom neuen „Dschungelbuch“ und auch von „Die Schöne und das Biest“, wo immerhin Emma Watson die Hauptrolle übernahm, kenne ich nur den Trailer. Ich meine, ich versuche es ja wirklich. Aber wenn ich den Trailer sehe, wird die Magie meiner Kindheitstage zerstört.

Ja, ich weiß: Die Disneyfication meiner Generation ist womöglich an einem verkappten Frauenbild und überzogenen Romantikvorstellungen Schuld. Mir egal. Ich kann jetzt noch „Sei mein Gast“ oder „Probier’s Mal mit Gemütlichkeit“ mitsingen. Diese Songklassiker von einem echten Menschen oder pseudo-echt-animierten indischen Lippenbär vorgetragen zu bekommen? Mir gruselt’s!

Was soll noch kommen? „Aristocats“ mit echten Katzen und Gänsen, die billig synchronisiert werden?  Der einzige Film bei dem ein Real-Remake geklappt hat ist „Maleficent“ aus dem Jahr 2014. Dort schlüpft Angelina Jolie in die Rolle der bösen Fee aus Dornröschen. Dass dieser Film gelungen ist, liegt aber daran, dass der Plot losgelöst wurde vom Original und eine eigene Geschichte im Hier und Jetzt erzählt. Die neue Version von „Mulan“ hält sich, genau wie „Die Schöne und das Biest“ oder sämtliche anderen Realverfilmungen, eins zu eins an die Handlung des Originals.

Angefangen hat dieser Realfilm-Wahnsinn 1996 mit „101 Dalmatiner“. Auch das war schon grenzwertig und ließ sich nur einigermaßen erfolgreich umsetzen, weil die Geschichte – zwei Hundeherrchen treffen aufeinander und verlieben sich – sowieso auch ein stinknormaler Hollywoodfilm sein könnte. Der war dann auch entsprechend erfolgreich im Kino: Der Film spielte damals weltweit rund 320 Millionen US-Dollar ein, der Nachfolger „102 Dalmatiner“ kam nur noch auf 183 Millionen US-Dollar.

Zum Vergleich: Die bisher letzte Disney Realverfilmung „Die Schöne und das Biest“ machte weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar an den Kinokassen. Schon 'ne Nummer. Und deswegen machen die Walt Disney Studios auch weiter in Sachen Zeichentrickfilm mit echten Menschen.

Ich verstehe die Sehnsucht von Disney, an den Zauber alten Zeiten anknüpfen zu wollen und diese Meisterwerke noch einmal mit der Technik von heute auferstehen zu lassen. Aber das funktioniert einfach nicht. Wenn ich mir die Liste der geplanten Projekte angucke, wird mir schlecht:

Der König der Löwen“ – wie soll das gehen? Das ist doch am Ende auch animiert!

Dumbo“ – Nein, ihr Schweine! Mein Lieblings-Disneyfilm. Der Elefant wird animiert sein und die bösen Zirkusmenschen (wäre eine gute Rolle für Christoph Waltz) sind dann echt. Toll. Ruiniert doch gleich alles!

Aladdin“ – Okay, das könnte als Realfilm wenigstens Sinn ergeben. Aber: Robin Williams, der den Flaschengeist im Original synchronisierte, ist tot. Also wird das auch trotz des namhaften Regisseurs Guy Ritchie eher nichts.

Ebenfalls auf der Liste: „Pinocchio“, „Arielle“ und „Schneewittchen“. Fällt Disney nichts Neues, Eigenes mehr ein oder müssend die Aufgabe „neue Filme entwickeln“ in Zukunft nur noch Lucas Film und Pixar übernehmen? Die gehören nämlich auch zu Disney. Sollen die sich ihre Real-Filme und echten Schauspieler sonstwo hinstecken. Ich gucke lieber weiter Zeichentrickfilme like in 1937 – da kam nämlich mit „Schneewittchen“ der erste abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney heraus.

Quelle: Noizz.de

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