Netflix bringt SCHON JETZT Weihnachtsfilme – viel zu früh!

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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In „The Holiday Calendar" spielt Kat Graham die Hauptrolle. Foto: Netflix

Oder sind Weihnachtsfilme Anfang November das neue verfrühte Spekulatius?

Es ist Dienstag, der 6. November 2018, Sonnenschein, die Temperatur in Berlin beträgt 17 Grad Celsius – und auf Netflix kann ich schon Weihnachtsfilme gucken. Trotz der frühlingshaften Außentemperaturen, bei denen ich noch nicht mal ansatzweise an „Last Christmas“ und Weihnachtsbäume denke.

Ich habe eine Schwäche für kitschige Weihnachtsfilme, ich liebe sie. Und gut, zugegebenermaßen habe ich mir bereits Gedanken über das Design meines Adventskranzes gemacht, aber: Weihnachtsfilme gucken, tu ich noch nicht. Frühestens am ersten Advent.

Deswegen versucht Netflix grade etwas vollkommen Frevelhaftes: Es will mich verführen. Jedes Mal, wenn ich den Streamingdienst starte, um eine meiner Serien weiterzuschauen oder wenn mir einfach mal langweilig ist, thront auf dem Top-Empfehlungsplatz ganz oben der Film „The Holiday Calendar“. Nach Halloween kommt also Weihnachten.

Alleine der Teaser: herzallerliebst. Ich will ihn schauen! Weihnachtlich hoch tausend, putzige Darsteller, eine süße Story. Eine begabte Fotografin in einem aussichtslosen Job erbt einen antiken Adventskalender, der die Zukunft voraussagen kann – und ihr auf jeden Fall den Weg zur Liebe weisen wird.

Aber mein Inneres hat Skrupel: Es ist erst Anfang November! Ich komm ja jetzt auch nicht auf die Idee, „Tatsächlich Liebe“ oder den Ober-Weihnachtsfilm „Eine schöne Bescherung“ zu gucken. Ja, ich weiß, ihr kommt jetzt mit dem Argument: „Wieso denn nicht? Es gibt doch seit August Spekulatius und Lebkuchen im Supermarkt.“

Ja, genau! Ich esse das doch auch nicht schon im Hochsommer. Sondern erst irgendwann im späten November. Frühestens. Weil sich alles andere nicht richtig anfühlt. Ähnlich verhält es sich dann auch mit den Weihnachtsfilmen. Sie sind ein Refugium, sie sind eine heile, wohlige Kitschwelt.

[Noch mehr Weihnachtsfilme für die, die jetzt schon loslegen wollen mit der Adventszeit]

Das liebt man in der kalten Jahreszeit, wenn man seine eigenen vier Wände selber mit Deko-Kitsch voll gepackt hat, „Last Christmas“ und „Rockin’ Around The Christmas Tree“ in Dauerschleife hört, Tee und Glühwein trinkt. Ich liebe es. Punkt. Ohne Wenn und Aber.

Und wirklich, Netflix ist da voll im Spiel drin, die haben den Bogen raus. Letztes Jahr gab es „A Christmas Prince“ als Netflix-Eigenproduktion zum Fest der Feste. Darin geht es um eine ganz normale Geschichte, wie du und ich sie eben erleben könnten: Eine aufstrebende Journalistin erhält ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk der Extraklasse. Sie wird nach Europa gesandt, um über einen eleganten Kronprinzen zu berichten.

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber der Film war toll und wundervoll, wie ein verkappter Nicholas Sparks Roman – nur ohne Tote und mit mehr Witz.

Den gab es etwa später auf der Streaming-Plattform als „The Holiday Calendar“, nämlich erst ab dem 17. November 2017, was ich als fast-okay erachte. So als Zeitraum. Aber mal ehrlich: Seid ihr schon in der richtigen Stimmung für einen Kitsch-Weihnachtsfilm? Mich beschleicht das Gefühl, Netflix macht das so ähnlich wie die Supermärkte mit den Weihnachtsleckereien. Jedes Jahr geht es ein bisschen eher los.

Gott sei Dank gibt es ja noch mit „A Christmas Prince: The Royal Wedding“ immerhin noch einen waschechten Märchen-Weihnachts-Film zum Dahinschwelgen in Glühwein-Laune. Der flimmert dann ab dem 30. November rein theoretisch über die Bildschirme. Pünktlich zum ersten Advent. Siehst du Netflix, so gehört sich das.

Quelle: Noizz.de