Nach zwei Jahren Pause wieder da: The Naked and Famous Foto: Somewhat Damaged Lmtd. / Kobalt / Rough Trade / Rough Trade

Wir haben mit The Naked And Famous über Trump und Liebeskummer gesprochen

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Heute veröffentlicht die Indie-Pop-Band The Naked And Famous sein neues Album „Simple Forms“ – der perfekte Zeitpunkt, um mit Sängerin Alisa Xayalith über Trump und Liebeskummer zu sprechen ...

Vor sechs Jahren konnte man dem Song „Young Blood“ nicht entkommen. Kaum ein Song, der mehr als Hintergrundmusik für VIVA-Jingles oder Werbung genutzt wurde, als die Debütsingle der fünf jungen Neuseeländer.

Die Gefahr, ein One-Hit-Wonder zu werden, wehrten sie erfolgreich ab: „Punching In A Dream“ schaffte es in den Soundtrack für FIFA 12, in die Serie „Vampire Diaries“ oder den Film „Pitch Perfect“.

Doch dann kriselte es ...

Ihr zweites Album bekam nur verhaltene Kritiken. Auch die Beziehung zwischen Alisa und Sänger Thom geriet ins Bröckeln. Nach gut zwei Jahren Pause raufen sich alle Mitglieder trotzdem zusammen, „Simple Forms“ entsteht.

Doch das Paar Alisa und Thom gibt es da schon nicht mehr. Acht Jahre waren die beiden zusammen. Im Gespräch merkt man, dass die Trennung nicht spurlos an Alisa vorübergeht.

NOIZZ: „Falling“ thematisiert, wie schnell etwas zu Ende sein kann. Wann ging es dir zuletzt so?

Alisa Xayalith: Trennungen sind nie leicht. Irgendwie bin ich wohl immer noch Mitten drin im Liebeskummer, auch wenn es etwas besser wird. Manchmal frage ich mich, ob ich mich je wieder verlieben kann. Aber ich glaube, das ist normal. Es ist eben was anderes, wenn du mit deinem Ex-Partner tourst.

Die Fünf haben es geschafft, ein Album aufzunehmen, das eine neue Facette von ihnen zeigt. Der Style von TNAF, wie sie sich abkürzen, ist zwar noch klar rauszuhören, der Wechsel zwischen Alisas und Thoms Stimmen sorgt für Abwechslung.

Dennoch ist das Album etwas melancholischer als die Vorgänger. Sie wollten etwas „Spezielles“ schaffen mit dieser Platte.

Zu jedem Song gibt es ein eigenes Lyric-Video. Wie kamt ihr auf die Idee?

Alisa: Viele Videos scheinen einfach so im Internet zu verschwinden, wir wollten etwas machen, das besonders ist. Manchmal sieht man ja diese Fan-Videos, wo die Lyrics nicht korrekt sind, was mich echt aufregt. Also haben wir das jetzt einfach gemacht, damit jeder zu Hause mitsingen kann.

Simple Forms / TNAF VÖ: 03.02.2017 Kobalt / Rough Trade Foto: Rough Trade / Kobalt / Rough Trade / Kobalt

Habt ihr keine Angst, dass dann niemand mehr eure Platte kauft?

Alisa: (Lacht) Nein, eigentlich nicht. Es wäre schön, Platten zu verkaufen und davon leben zu können. Es ist schon ein eigenartiges Zeitalter, in dem wir leben. Die Leute streamen nur noch ihre Lieblingsmusik.

Wir sind eben nicht mehr in den 90ern. Als Künstler verdienst du dein Geld eher mit Konzerten und anderen Auftritten. Da machen die YouTube-Videos nichts mehr aus. Sie sind eher cool für die Fans.

Und noch etwas hat sich für Thom, Alisa, Aaron, David und Jesse in diesen zwei Jahren Auszeit geändert: Kollektiv zogen sie von ihrer beschaulichen Heimat Neuseeland in die USA, ins laute Los Angeles.

Wo fühlst du dich jetzt eigentlich mehr zu Hause?

Alisa: Ich war vor Kurzem wieder bei meiner Familie in Neuseeland. Da hab ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich Heimweh nach L.A. habe. Also, inzwischen L.A.

Fühlt es sich denn jetzt anders an, wo Trump Präsident geworden ist?

Alisa: Oh ja, auf jeden Fall! Das ist eine harte Zeit für Amerika. Goodbye Fortschritt! Es ist, als wäre man zurück im Jahr 1950. Ich hab viel Zeit darin investiert zu gucken, wie man aktiv werden kann, auch als nicht US-Bürgerin.

Ich lebe hier und muss Steuern bezahlen, irgendwie geht mich das schon was an.

Ich hab Petitionen unterschrieben und war auch beim „Women’s March" mit dabei. Das war eine einmalige Erfahrung: Frauen und Männer, Junge, Alte: alle vereint in ihrem Protest. Das ist ein Lichtblick für mich!

Alisa wirkt müde, ein bisschen krank, vielleicht liegt es aber auch nur einfach am Touren.

Wie ist das Tour-Leben?

Alisa: Ich kämpfe gerade mit meinem Jetlag, es ist furchtbar! Ich fühle mich fast ein bisschen desillusioniert und versuche, mich für die Show am Abend wach zu halten.

Danach geht es direkt weiter nach Schweden und später nach Dänemark und Deutschland. Da kann man nur schnell unter die Dusche hüpfen, kurz schlafen und dann steht man wieder auf der Bühne. Aber so ist das Tourleben!

Zum Album

„Simple Forms“ von The Naked and Famous erscheint am 3. Februar 2017 beim Label Somewhat Damaged / Kobalt / Rough Trade.

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